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Abschiedsgeschenk

Heute bekam ich Post. Ein großer Umschlag. Darin war eine aufwändig und schön gestaltete Mappe mit einem Klassenfoto vorne drauf. Alle Kinder einer Lerngruppe meiner ehemaligen Schule bemalten und beschrieben individuelle Seiten mit Grußbotschaften an mich. Auf den Seiten sieht man etwas von ihrer Persönlichkeit, ich sehe, dass mein Unterricht etwas bedeutet hat und Wert hatte und dass ich mir den guten Kontakt und die vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern nicht eingebildet habe.

Mir zeigt das noch einmal, wie widersinnig, unnötig und schlichtweg falsch die Entwicklung in meiner Personalie war. Aber das muss ich jetzt, nachdem ich alle Möglichkeiten einer deutlichen Antwort ausgeschöpft habe, so stehen lassen, beobachte die mich bestätigende ähnliche Entwicklung anderen Lehrkräften gegenüber und freue mich über dieses besondere Geschenk und meine neue Arbeitsstelle.

Blick nach vorn

Wir haben auf der letzten Probe überlegt, wie wir das kommende festliche Konzert gestalten wollen und schon mit dem Üben einiger Werke angefangen. Gute Routine, mit viel Spaß schnell gemacht und jetzt herrscht Vorfreude auf das Programm und die weiteren Proben.

Für die nächste Saison habe ich mir vorgenommen, drei neue Stücke für mein Orchester zu arrangieren. Auf jedes freue ich mich und kann gar nicht schnell genug mit der Arbeit daran anfangen.

Für die Bearbeitung eines der Stücke habe ich die persönliche Erlaubnis des Komponisten erhalten und weiß jetzt schon, dass das meinem Orchester und dem Publikum viel Spaß machen wird.

Gestern Abend und Nacht habe ich mit neu kennengelernten Freunden gejammt. Seit es die Eilter Skiffle Company nicht mehr gibt, habe ich das nur extrem selten gemacht und hatte als klassisch ausgebildeter Musiker auch wenig Berührungspunkte. Aber das lief gestern Abend bei uns allen so gut und war so glücklich machend, dass wir das beibehalten werden. Vielleicht tritt man damit mal auf. Aber das Ziel ist erst einmal ganz einfach nur, Musik machen um der Musik willen.

Nach einem Jahr Knochenmühle und Selbstaufopferung für einen knackigen Fußtritt habe ich wieder das überwältigende Bedürfnis, meine vernachlässigten Instrumente ernsthaft zu bespielen. Wenn ich meine Duo-Partnerin dafür begeistern könnte, würde mich das sehr freuen; zunächst werde ich jedenfalls mit dem Neuaufbau meiner Möglichkeiten beginnen.

Schließlich habe ich meinen neuen Arbeitsplatz, die Kollegen und Kolleginnen und Kinder und Jugendlichen kennengelernt. Diese Altersgruppe stellt neue Herausforderungen. Der sozialpädagogische Anteil meiner Arbeit wird den weit größten Teil ausmachen und Wissensvermittlung nicht so einfach sein wie bei Kindern und Jugendlichen, die ich bisher unterrichtete. Das ist nur mit einem geschlossenen Kollegium und einer Leitung mit Vernunft und Augenmaß und erholsamer Freizeit möglich. Ich meine, ich habe das hier gefunden.

Dienstantritt

Meine plötzliche Ausplanung hat einige Probleme geschaffen, die unglaublich schnell (von wegen “Behörden arbeiten langsam”. Hier alles andere als das!) gelöst worden sind und ich trete morgen dann nach einigen Überbrückungsmaßnahmen an meinem neuen Arbeitsplatz zum Dienst an.

Außerdem war heute unsere Matinee des 1. Akkordeon-Orchesters Winsen (Aller).

Meine Stimmung ist also so:

 

Nein, nicht mit mir

Man kann ja gerne mal nachschauen: Mein erster Beitrag über meine Ausplanung war vollkommen neutral gehalten, wies niemandem irgendeine Schuld zu und reflektierte nur und einzig und allein meine Überraschung, Enttäuschung und mein Bedauern den Schülerinnen und Schülern gegenüber. Zitat: “Das war der zweit schönste Beruf nach meinem eigentlichen, den ich als schönsten empfunden habe. Ich habe wahnsinnig gerne mit den Schülerinnen und Schülern und dem gesamten Kollegium und der Schulleitung zusammengearbeitet. Die Enttäuschung kann nicht größer sein.”

Aber das war schon zu viel: “Dietmar, wie kannst Du nur?!” Ja, wie kann ich nur? Wie ist das wohl, ahnungslos zum Dienst zu erscheinen und aufgefordert zu werden, umgehend wieder zu fahren, damit man den Nachfolger nicht treffe, weil das ja “sicher unangenehm” für einen wäre? Und wie ist das wohl, wenn man erfahren muss, dass die Leitung das Sichern wichtiger Daten und Kontakte durch Löschung des Accounts sabotieren lässt (die nicht gesicherten Daten sind nämlich endgültig verloren)? Wie ist das wohl, wenn diese Leitung noch an dem Tag, wo man schwer erkrankt nachhause muss, einen als unverzichtbar preist und Loyalität einfordert und einem dann den Stuhl vor die Tür stellt?

Wie ist das wohl, wenn man an der Dienstbesprechung, zu der man eingeladen war, plötzlich nicht teilnehmen darf, weil man nicht mehr zum Kollegium gehöre? Wie ist das wohl, wenn einem die Leitung versucht einzureden, man hätte die Einladung gar nicht erhalten, sondern die vom letzten Jahr gelesen und sei deswegen da? Wie ist das wohl, dann stundenlang im Werkraum auf- und abtigernd mit dem Handy zu versuchen, den Abtransport des kostenlos aus Idealismus zur Verfügung gestellten Flügels zu organisieren – während das neu zusammengestellte Kollegium ein Frühstück genießt? Wie mag das wohl sein? “Du darfst Dir gerne ein Brötchen nehmen!” Besten Dank …

Wie ist das wohl, sich dann auf sein Fahrrad zu schwingen und in eigenen Gedanken versunken über 40 km nachhause zu fahren? Wie ist das wohl, mit Anfang 50 plötzlich nicht zu wissen, wie es weiter geht – nachdem man sich gerade von einer schweren Erkrankung erholt hat? Wie mag das wohl sein?

Wie ist das wohl, wenn einem dann ein Kollege sagt, die Leitung hätte einem gegenüber keine Fürsorgepflicht?

Wie ist das wohl, wenn der Kollege sagt, man habe der Leitung durch den Homepage-Artikel keine Wahl gelassen, als zu erklären, dass man inkompetent sei?

Es ist so, dass man versteht, nur der nützliche Idiot gewesen zu sein, der brav immer in jede Bresche sprang, weil er sich vollständig mit dem Institut und der Leitung und dem Kollegium und der Aufgabe identifizierte.

Wenn man dann von verschiedenen Seiten hört, dass die Leitung zur eigenen Gesichtswahrung behauptet, man hätte sich wegbeworben und die Trennung wäre einvernehmlich gewesen: wie ist das wohl?

Es ist so, dass ich mir sage, nicht mit mir. Es ist so, dass ich jetzt nicht nur enttäuscht, sondern so ärgerlich bin, das nicht einfach so dahingehen zu lassen.

Die schönen Seiten des Lebens

Konzerte! Das ist eine schöne Seite des Lebens.

An diesem Sonntag, dem 1. September, findet ab 11.00 Uhr im Grooden Hus auf dem Museumshof Winsen (Aller) wieder die Matinee des Museumsvereins und des Akkordeonvereins Winsen (Aller) statt.

Ich freue mich darüber, dass wir eine neue Spielerin im Orchester begrüßen können! Die Spielerinnen sind aus der Nachwuchsarbeit von Gunda Falke in das 1. Orchester gekommen.

Durch meine plötzliche und etwas dauernde Erkrankung sieht das Programm etwas anders aus, als ich mir das ursprünglich vorstellte, aber auf das Orchester ist Verlass und es probte unter der Leitung von Gunda Falke und in Abstimmung mit mir an einem schönen Unterhaltungsprogramm.

Es gibt Bearbeitungen von Sebastian Truffel (“Journey to Jurassic Park” und “Chevaliers de Sangreal”) und von mir (“The Beatles-Medley” und “Born-Free-Fantasy”) zu hören. Dazu Easy Listening, weitere neu erarbeitete (“Caravans Theme”) Werke und wieder erarbeitete Repertoire-Stücke (“My Fair Lady”).

Ich freue mich sehr auf dieses Konzert!

Aus dem System geworfen

Als ich gestern meinen Dienstaccount öffnen wollte, musste ich feststellen, dass ich keinen Zugang mehr habe. Heute noch einmal probiert: Nein, geht nicht. Am Samstag holte ich meinen Flügel ab und benachrichtigte darüber die Leitung. Ebenfalls erklärte ich, dass ich zeitnah den Account bei der IT-Stelle beenden werde, aber gerade aufgrund der überraschenden Ausplanung andere Dinge zu tun habe.

Und jetzt ist der Zugang gesperrt.

Problematisch? Nun: Ich habe zum Glück schon etwas getan und einige dienstliche Mails, die meine Anstellung beim Land Niedersachsen und die Seminare betreffen, gesichert und auf einen neuen Account weitergeleitet. Aber eben nicht alle, die wichtig sind!

Aber das ist egal: Weg mit dem Typen! Der funktioniert nicht mehr brav, also schmeißen wir den mal raus! Erst persönlich und jetzt virtuell. Angestellter des Landes? Personalrat? Pfff, egal …

Wenn ich keinen Zugang mehr erhalte, muss ich alle noch nicht gesicherten Kontaktdaten neu finden, senden Landesbehörde, Kollegen, Eltern und Seminarleitung ihre Mails an einen toten Briefkasten und sind die noch nicht gesicherten Dienstmails verloren.

Von Eltern habe ich vor Sperrung meines Accounts erfahren, dass meine Lerngruppe anlässlich ihres Wechsels für mich ein Abschiedsgeschenk gemacht hat. Ich freue mich sehr über die Geste. Über das Geschenk kann ich mich nicht freuen: Ich habe es von der Leitung nicht erhalten.

Und immer mehr zeigen bestimmte Leute ihr wahres Gesicht.

Schlussbetrachtungen

Freunde erkennt man an ihrem Handeln und aufrichtigen Worten und Loyalität sollte keine Einbahnstraße sein. Wenn es persönlich schwierig wird, dann erkennt man, wer es ehrlich mit einem meint und wer einen nur ausnutzt.

Die größte Enttäuschung meines Erwachsenenlebens ist unser Trauzeuge gewesen, der sich selbst zu meinem Opfer und gleichzeitig zum selbstlosen, engagierten Retter stilisierend mich um mein erstes Honorar-Engagement brachte, um ohne jede Qualifikation die Orchesterleitung zu übernehmen, als ich durch meinen Studienabschluss, die Geburt unseres Sohnes und Hauskauf- und Renovierung unter Druck geraten war. An die, auch öffentliche, Häme und den Spott, unter anderem mit anonymen Briefen, kann ich mich noch gut erinnern. Unvergessen bleiben auch die unter Pseudonym geschriebenen persönlichen Angriffe, in denen ich klar die realen Personen erkennen konnte, die sich aber durch die Anonymisierung unangreifbar machten. Es ging um meine Existenz und die meiner jungen Familie! Aber da wurde beispielsweise tatsächlich hämisch geschrieben, ich würde heulen, wie ein Kind im Sandkasten, dem man sein Schäufelchen weggenommen hätte. Was für ein grandioses “Argument”. So “erwachsen”.

Vielsagend auch die Attacke einer gestandenen erwachsenen Frau, die seit Jahrzehnten sehr bemüht ist, in unserer Region eine Person öffentlicher Wahrnehmung zu sein: Ich hätte nur “herumstudiert”, mein Leben nicht im Griff und sei unorganisiert. Klar, so etwas ist Rufmord und üble Nachrede. Aber was will man machen? Steckt man weg.

Das zog sich durch mein gesamtes Leben. Als ich als Hauptschüler den Realschulabschluss machen wollte, als ich die Ausbildung anfing, als ich Abitur machen wollte, als ich studieren wollte: Sie sind immer da gewesen. Die, die wussten, dass ich das nicht packen werde. Keinesfalls. (Einer meiner Chefs in einem der Ämter: “Sie sind kein Sportwagen. Sie haben einen 25-PS-Motor im Kopf. Wir müssten sehen, dass wir sie auf 100 PS bringen. Aber ich glaube nicht, dass das geht.”) Als das dann alles funktionierte, und alles andere als schlecht, tat man so, als hätte man nie etwas gesagt. Bei der nächsten Herausforderung für mich war man dann aber wieder zur Stelle, wusste und sagte: Das schafft der/schaffst du nie!

Sie waren auch immer da in meiner Zeit als professioneller Musiker. Davon ließ ich mich schon lange nicht mehr unterkriegen. Später beobachtete ich, dass von mir hoch geachtete Kollegen (Kolleginnen waren interessanter Weise nicht unter den Opfern solcher Attacken) auch unter solchen Angriffen litten und daran sogar zugrunde gingen, zu früh starben, dem Alkohol verfielen oder finanziell ruiniert wurden.

Als ich auch in Langenhagen merken musste, dass selbst über zehn Jahre professionelles, warmherziges, ehrliches, zielstrebiges und erfolgreiches Engagement und das Wegstecken der üblen Launen und beleidigenden Sprüche gewisser toupierter Damen nicht davor schützt, dass man in Ungnade fällt und auf primitivste Art angegriffen wird, blieb mir keine Wahl, als zum Schutz meiner Gesundheit aufzugeben.

Die letzten Gespräche mit dem Vereinsvorsitzenden machte mir klar, dass ich keine Chance mehr hatte: Auf der letzten Konzertreise war das Orchester mehr als unaufmerksam bei den Proben. Nach den Proben traf ich kopfschüttelnd auf den Vorsitzenden, der mir sagte, man sei eben nur zum Spaß da und Spaß könne man eben besser ohne mich haben. Im letzten Gespräch eröffnete er mir, mein Problem sei, dass ich Ziele immer knapp verfehlen würde und knapp unterhalb des zu Erreichenden bliebe. Das sagte er mir so ins Gesicht. Man arbeitet sich von der Hauptschule bis zum akademischen Grad hoch (allein schon altersbedingt wäre ein Konzertexamen nicht mehr möglich gewesen und eine Doktorarbeit brächte mir keinen Nutzen) und dann sitzt da ein 1. Vorsitzender ohne musikalische Qualifikation, der meint, er muss seinem Orchesterleiter erst einmal sagen, was für ein Underachiever er doch ist.

So führte mein Weg schließlich in den öffentlichen Dienst als Pädagoge. Wieder engagierte ich mich total. Ich identifizierte mich wie zuvor in Walsrode, Celle, Hamburg und Langenhagen (und anderen Orten) vollständig mit der Aufgabe. Wie in den Vereinen und Musikschulen übernahm ich alle Aufgaben, um die ich gebeten worden bin, obwohl meine Stelle das nicht vorsah. Dieses Mal warf mich ein Virusinfekt massiv auf die Bretter. Ich ließ mich davon nicht unterkriegen, erholte mich schnell. Nur um feststellen zu müssen, dass mein Stuhl vor der Tür steht.

Loyalität ist eine Einbahnstraße gewesen. Kollegen (generischer Maskulin in neutraler Funktion, um die Identität zu schützen; denn ja: Die Vertretung als Neutrum ist die eigentliche Aufgabe des Maskulin. Aber dies ist eine völlig andere Debatte und der Pseudofeminismus hat da bereits gewonnen.), die vorher selbst unter ähnlichem litten, kritisieren mich jetzt, weil und wie ich mich wehre. Und die, die “immer schon” wussten, dass ich “es” nicht schaffe, freuen sich wieder ein Loch in die Mütze. Wer, ich kann aber versichern nur scheinbar (!), auf dem Boden liegt, wird getreten.

In den USA gab es gestern einen Protest einer jüdischen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, vor rechten Tendenzen zu warnen, um ähnliches wie den Holocaust zu verhindern. Sie veranstaltete deshalb einen Sitzstreik und blockierte die Zufahrt zum Parkplatz einer dieser unsäglichen konzentrationslager-ähnlichen Unterbringungen für mittelamerikanische Flüchtlinge. Einer der Wachleute fuhr mit einem Truck auf die Sitzenden zu. Sie sprangen erschreckt auf. Er hielt. Dann gab er erneut Gas. Er fuhr in sie hinein. Es gab Verletzte, eine Person brach sich ein Bein. Unter normalen Umständen haben die Demonstranten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung genutzt und die Fahrt war ein Angriff mit einer tödlichen Waffe. Der Präsident ist aber Trump und es gibt seinen Propaganda-Sender Fox, die den friedlichen Protest als Angriff und den Fahrer als das Opfer darstellen, das sich mit dem Anfahren der Protestierenden nur rechtmäßig wehren würde.

Das ist extrem und mit meiner Situation nicht gleichsetzbar, aber folgt einer ähnlich verdrehten Logik:

1. Der Verein ist das Opfer/Dem Institut wird übel mitgespielt. Denn diese sind immer gut und machen und wollen doch nur das Beste. Man will doch, dass alles gut aussieht! Man ist doch eine Einheit! Und jetzt kommt da jemand daher, der aus dieser Einheit entfernt wurde, und meint, weil er ein kleines bisschen ärgerlich ist – “Ich verstehe ja, dass Du Dich ärgerst! Aber … also …. Nein!” -, dass er dieses schöne Bild stören muss? Unverschämtheit. Was für ein fieser Charakter.

2. Der wehrt sich und widerspricht! Dann muss an den Vorwürfen ja etwas dran sein! Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Und dann gibt es Freunde und Freundinnen. Die hören nicht nur zu. Die nicken nicht nur Beifall. Die rücken einem auch mal den Hals gerade. Bei kleinen wie bei großen Problemen.

Mehrere solcher Gespräche hatte ich in den letzten Tagen, um einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen. Dabei kam die Frage und Kritik auf, dass ich so etwas öffentlich aufschreibe und dies sehr ausführlich. Die Antwort ist: Über mich wurde, wie beschrieben, immer viel getratscht und gelästert; geht wohl vielen so. Wenn einem das dann begegnet und man verteidigt sich, dann tritt die obige verquere Logik in Kraft. Deshalb gebe ich die Narrative vor.

Das sind Schlussbetrachtungen, weil ich mit meiner bisherigen Arbeitsstelle abgeschlossen habe. Ich brauche nur noch den Termin für den Klavier-Transport, dann ist das Instrument dort wieder weg. Ab Montag arbeite ich an einer anderen Stelle in einem fortgeschrittenem Segment. Ich bin unglaublich froh, dass das so schnell für mich geordnet wurde!

Das sind Schlussbetrachtungen, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas Neues ausprobieren werde: Ich werde mich nicht mehr vollkommen mit der Aufgabe identifizieren. Ich werde nicht mehr Aufgaben übernehmen, weil ich mich besonders einbringen will oder die junge Leitung nach Kräften unterstützen etc. Ich werde sorgfältig, engagiert und mit Freude arbeiten. Aber nur das. Alles andere, dieses Mehr an Engagement, hat mir meine letzte Leitung ausgetrieben. Endgültig. Ich werde pünktlich und mit Freude zur Arbeit fahren, aber ich werde auch pünktlich und mit Freude wieder nachhause fahren. Ich werde Zeit haben, um für mich etwas zu tun. Ich werde Musik für meine Seele und für mein Wohlbefinden machen. Ich werde mit meinem Sohn nächtelang Sterne beobachten. Ich werde mit meiner Familie Essen und ins Kino und Theater gehen. Ich werde Freizeit haben. Ich werde das genießen.

Ich werde nicht mehr mich selbst aufopfernd, nicht mehr bis buchstäblich zum Umfallen arbeiten. Glückwunsch an alle 1. Vorsitzenden, Musiker-“Kollegen”, Chefs, grauen Eminenzen von Vereinen, Tratschtanten und -Onkel und so weiter! Es ist geschafft, Ihr habt es vollbracht: Ich stecke den Kopf nicht mehr raus.

Danke an alle Freunde und Freundinnen: Familie, Ihr und Lebensqualität zählen. Ich habe es überstanden. Ich habe verstanden. Ihr habt mir dabei geholfen.

Ohne Meike wäre ich nicht mehr da. Das ist mir vollkommen klar. Wenn ich jetzt weitermachen würde wie bisher, wäre das das Undankbarste, was ich machen könnte.

Neuer Arbeitsplatz gefunden

Nach dem gestrigen (15.8.) Gespräch mit der Landesbehörde bin ich davon ausgegangen, dass es etwas dauern würde, eine neue Wirkungsstätte für mich zu finden. Heute Mittag erhielt ich die Nachricht, wo ich Zukunft arbeiten werde. Das ist unglaublich schnell und ich freue mich sehr, dass quasi sofort eine Lösung für mich gefunden worden ist.

Es wird weitergehen

Nachdem ich aus für mich weiterhin nicht nachvollziehbaren Gründen bei meiner bisherigen Arbeitsstelle für mich vollkommen überraschend und unvermittelt ausgeplant worden war, gab es heute, 15.8., ein sehr ermutigendes Gespräch mit Entscheidungsträgern der übergeordneten Behörde. Ich bin froh und dankbar, dass man dort Wert darauf legt, mich als Pädagogen weiter im Dienst zu behalten und glücklich über die Wertschätzung, die man mir dort entgegenbringt; das ist nicht selbstverständlich. Jetzt wird nach einer neuen Wirkungsstätte für mich gesucht und es wurde mir eine schnelle Lösung in Aussicht gestellt.

Nach dem Schock am Montag kamen sehr schnell deutlich ermutigende Signale von der Behörde, als ich mich Rat suchend an sie wendete und jetzt kann ich beruhigt sein, dass es mit mir in diesem Beruf weitergeht.

Ich bin froh, erleichtert und insbesondere dankbar für die schnelle und fürsorgliche Reaktion der Landesbehörde und bin gespannt auf meine neue Wirkungsstätte, die Kollegen und Kolleginnen sowie die Schülerinnen und Schüler dort.

Ende einer wunderschönen Aufgabe

Heute (12.8.2019) erfuhr ich völlig überraschend bei meinem Dienstantritt, dass ich trotz pünktlicher und verabredungsgemäßer Rückmeldungen und vollständiger Genesung in der letzten Woche nach meinem Krankheitsausfall (der wenige Tage vor der unterrichtsfreien Zeit eintrat) nicht mehr eingesetzt werde. Wegen eben diesen Ausfalls, der die Ferien betraf und die ich nutzte, um vollständig zu rekonvaleszieren, wurde mit mir nicht mehr gerechnet. Es ist offenbar geplant worden, mich durch eine andere Lehrkraft zu ersetzen, die sich heute vorstellte.

Es wird keine Gelegenheit für einen direkten Kontakt geben, deshalb bitte ich hier die mir anvertraut gewesenen Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern herzlich um Entschuldigung!

Weil ich mich für die neue Aufgabe so sehr einsetzte und unmittelbar nach Abklingen des Fiebers sofort ohne weitere Schonung wieder unterrichtete, hatte ich mit sehr ernsthaften Folgen eines verschleppten Virusinfekts zu tun, die mich ins Krankenhaus zwangen. Ich habe mich streng an dem Rat meiner Ärzte orientiert und alle Vorgaben erfüllt und eingehalten, um schnellstmöglich vollkommen zu gesunden und pünktlich wieder fit zu sein. Das ist mir wunderbar gelungen. Aber auch das reicht offenbar irgendwie wieder nicht.

Da mein Vertrag im öffentlichen Dienst bis zu seinem Fristende noch läuft, besteht wahrscheinlich, oder hoffentlich, kein unmittelbares und sofortiges Problem für mich; ich werde bis Vertragsende vermutlich an anderen Instituten eingesetzt werden. Aber mittelfristig muss ich wahrscheinlich eine neue berufliche Lösung finden.

Dafür habe ich keinerlei Idee, weil ich mir tatsächlich vorgestellt und fest vorgenommen habe, mich genau dort, wo ich jetzt war, loyal bis zum Ende der Lebensarbeitszeit einzusetzen. Die zusätzliche Aufgabenfülle habe ich genau aus diesem Grund übernommen. Deshalb auch habe ich beispielsweise meinen Flügel kostenlos zur Verfügung gestellt, den ich jetzt wieder abholen lassen muss.

Irgendwie scheint es bei mir immer so zu sein, dass sich Zielstrebigkeit, Einsatzwille und Engagement für mich nicht lohnen und ich am Ende als Verlierer da stehe. Damit muss ich zu leben lernen, was mir bisher nicht gelingen mag. Ich kann nur nochmal herzlich alle Schülerinnen und Schüler bitten, mir zu verzeihen, dass ich nicht mehr für sie da sein kann und wir uns nicht mehr wiedersehen werden. Mir tut das unendlich leid!

Das war der zweit schönste Beruf nach meinem eigentlichen, den ich als schönsten empfunden habe. Ich habe wahnsinnig gerne mit den Schülerinnen und Schülern und dem gesamten Kollegium und der Schulleitung zusammengearbeitet. Die Enttäuschung kann nicht größer sein.

Jetzt bin ich mal gespannt, was da noch kommen kann. Mit Glück die dritt schönste Aufgabe. Keine Ahnung, was das sein kann. Ich habe jedenfalls gerade keine Vorstellung darüber.