Alle Beiträge von Dietmar Steinhaus

Schlussbetrachtungen

Freunde erkennt man an ihrem Handeln und aufrichtigen Worten und Loyalität sollte keine Einbahnstraße sein. Wenn es persönlich schwierig wird, dann erkennt man, wer es ehrlich mit einem meint und wer einen nur ausnutzt.

Die größte Enttäuschung meines Erwachsenenlebens ist unser Trauzeuge gewesen, der sich selbst zu meinem Opfer und gleichzeitig zum selbstlosen, engagierten Retter stilisierend mich um mein erstes Honorar-Engagement brachte, um ohne jede Qualifikation die Orchesterleitung zu übernehmen, als ich durch meinen Studienabschluss, die Geburt unseres Sohnes und Hauskauf- und Renovierung unter Druck geraten war. An die, auch öffentliche, Häme und den Spott, unter anderem mit anonymen Briefen, kann ich mich noch gut erinnern. Unvergessen bleiben auch die unter Pseudonym geschriebenen persönlichen Angriffe, in denen ich klar die realen Personen erkennen konnte, die sich aber durch die Anonymisierung unangreifbar machten. Es ging um meine Existenz und die meiner jungen Familie! Aber da wurde beispielsweise tatsächlich hämisch geschrieben, ich würde heulen, wie ein Kind im Sandkasten, dem man sein Schäufelchen weggenommen hätte. Was für ein grandioses “Argument”. So “erwachsen”.

Vielsagend auch die Attacke einer gestandenen erwachsenen Frau, die seit Jahrzehnten sehr bemüht ist, in unserer Region eine Person öffentlicher Wahrnehmung zu sein: Ich hätte nur “herumstudiert”, mein Leben nicht im Griff und sei unorganisiert. Klar, so etwas ist Rufmord und üble Nachrede. Aber was will man machen? Steckt man weg.

Das zog sich durch mein gesamtes Leben. Als ich als Hauptschüler den Realschulabschluss machen wollte, als ich die Ausbildung anfing, als ich Abitur machen wollte, als ich studieren wollte: Sie sind immer da gewesen. Die, die wussten, dass ich das nicht packen werde. Keinesfalls. (Einer meiner Chefs in einem der Ämter: “Sie sind kein Sportwagen. Sie haben einen 25-PS-Motor im Kopf. Wir müssten sehen, dass wir sie auf 100 PS bringen. Aber ich glaube nicht, dass das geht.”) Als das dann alles funktionierte, und alles andere als schlecht, tat man so, als hätte man nie etwas gesagt. Bei der nächsten Herausforderung für mich war man dann aber wieder zur Stelle, wusste und sagte: Das schafft der/schaffst du nie!

Sie waren auch immer da in meiner Zeit als professioneller Musiker. Davon ließ ich mich schon lange nicht mehr unterkriegen. Später beobachtete ich, dass von mir hoch geachtete Kollegen (Kolleginnen waren interessanter Weise nicht unter den Opfern solcher Attacken) auch unter solchen Angriffen litten und daran sogar zugrunde gingen, zu früh starben, dem Alkohol verfielen oder finanziell ruiniert wurden.

Als ich auch in Langenhagen merken musste, dass selbst über zehn Jahre professionelles, warmherziges, ehrliches, zielstrebiges und erfolgreiches Engagement und das Wegstecken der üblen Launen und beleidigenden Sprüche gewisser toupierter Damen nicht davor schützt, dass man in Ungnade fällt und auf primitivste Art angegriffen wird, blieb mir keine Wahl, als zum Schutz meiner Gesundheit aufzugeben.

Die letzten Gespräche mit dem Vereinsvorsitzenden machte mir klar, dass ich keine Chance mehr hatte: Auf der letzten Konzertreise war das Orchester mehr als unaufmerksam bei den Proben. Nach den Proben traf ich kopfschüttelnd auf den Vorsitzenden, der mir sagte, man sei eben nur zum Spaß da und Spaß könne man eben besser ohne mich haben. Im letzten Gespräch eröffnete er mir, mein Problem sei, dass ich Ziele immer knapp verfehlen würde und knapp unterhalb des zu Erreichenden bliebe. Das sagte er mir so ins Gesicht. Man arbeitet sich von der Hauptschule bis zum akademischen Grad hoch (allein schon altersbedingt wäre ein Konzertexamen nicht mehr möglich gewesen und eine Doktorarbeit brächte mir keinen Nutzen) und dann sitzt da ein 1. Vorsitzender ohne musikalische Qualifikation, der meint, er muss seinem Orchesterleiter erst einmal sagen, was für ein Underachiever er doch ist.

So führte mein Weg schließlich in den öffentlichen Dienst als Pädagoge. Wieder engagierte ich mich total. Ich identifizierte mich wie zuvor in Walsrode, Celle, Hamburg und Langenhagen (und anderen Orten) vollständig mit der Aufgabe. Wie in den Vereinen und Musikschulen übernahm ich alle Aufgaben, um die ich gebeten worden bin, obwohl meine Stelle das nicht vorsah. Dieses Mal warf mich ein Virusinfekt massiv auf die Bretter. Ich ließ mich davon nicht unterkriegen, erholte mich schnell. Nur um feststellen zu müssen, dass mein Stuhl vor der Tür steht.

Loyalität ist eine Einbahnstraße gewesen. Kollegen (generischer Maskulin in neutraler Funktion, um die Identität zu schützen; denn ja: Die Vertretung als Neutrum ist die eigentliche Aufgabe des Maskulin. Aber dies ist eine völlig andere Debatte und der Pseudofeminismus hat da bereits gewonnen.), die vorher selbst unter ähnlichem litten, kritisieren mich jetzt, weil und wie ich mich wehre. Und die, die “immer schon” wussten, dass ich “es” nicht schaffe, freuen sich wieder ein Loch in die Mütze. Wer, ich kann aber versichern nur scheinbar (!), auf dem Boden liegt, wird getreten.

In den USA gab es gestern einen Protest einer jüdischen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, vor rechten Tendenzen zu warnen, um ähnliches wie den Holocaust zu verhindern. Sie veranstaltete deshalb einen Sitzstreik und blockierte die Zufahrt zum Parkplatz einer dieser unsäglichen konzentrationslager-ähnlichen Unterbringungen für mittelamerikanische Flüchtlinge. Einer der Wachleute fuhr mit einem Truck auf die Sitzenden zu. Sie sprangen erschreckt auf. Er hielt. Dann gab er erneut Gas. Er fuhr in sie hinein. Es gab Verletzte, eine Person brach sich ein Bein. Unter normalen Umständen haben die Demonstranten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung genutzt und die Fahrt war ein Angriff mit einer tödlichen Waffe. Der Präsident ist aber Trump und es gibt seinen Propaganda-Sender Fox, die den friedlichen Protest als Angriff und den Fahrer als das Opfer darstellen, das sich mit dem Anfahren der Protestierenden nur rechtmäßig wehren würde.

Das ist extrem und mit meiner Situation nicht gleichsetzbar, aber folgt einer ähnlich verdrehten Logik:

1. Der Verein ist das Opfer/Dem Institut wird übel mitgespielt. Denn diese sind immer gut und machen und wollen doch nur das Beste. Man will doch, dass alles gut aussieht! Man ist doch eine Einheit! Und jetzt kommt da jemand daher, der aus dieser Einheit entfernt wurde, und meint, weil er ein kleines bisschen ärgerlich ist – “Ich verstehe ja, dass Du Dich ärgerst! Aber … also …. Nein!” -, dass er dieses schöne Bild stören muss? Unverschämtheit. Was für ein fieser Charakter.

2. Der wehrt sich und widerspricht! Dann muss an den Vorwürfen ja etwas dran sein! Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Und dann gibt es Freunde und Freundinnen. Die hören nicht nur zu. Die nicken nicht nur Beifall. Die rücken einem auch mal den Hals gerade. Bei kleinen wie bei großen Problemen.

Mehrere solcher Gespräche hatte ich in den letzten Tagen, um einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen. Dabei kam die Frage und Kritik auf, dass ich so etwas öffentlich aufschreibe und dies sehr ausführlich. Die Antwort ist: Über mich wurde, wie beschrieben, immer viel getratscht und gelästert; geht wohl vielen so. Wenn einem das dann begegnet und man verteidigt sich, dann tritt die obige verquere Logik in Kraft. Deshalb gebe ich die Narrative vor.

Das sind Schlussbetrachtungen, weil ich mit meiner bisherigen Arbeitsstelle abgeschlossen habe. Ich brauche nur noch den Termin für den Klavier-Transport, dann ist das Instrument dort wieder weg. Ab Montag arbeite ich an einer anderen Stelle in einem fortgeschrittenem Segment. Ich bin unglaublich froh, dass das so schnell für mich geordnet wurde!

Das sind Schlussbetrachtungen, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas Neues ausprobieren werde: Ich werde mich nicht mehr vollkommen mit der Aufgabe identifizieren. Ich werde nicht mehr Aufgaben übernehmen, weil ich mich besonders einbringen will oder die junge Leitung nach Kräften unterstützen etc. Ich werde sorgfältig, engagiert und mit Freude arbeiten. Aber nur das. Alles andere, dieses Mehr an Engagement, hat mir meine letzte Leitung ausgetrieben. Endgültig. Ich werde pünktlich und mit Freude zur Arbeit fahren, aber ich werde auch pünktlich und mit Freude wieder nachhause fahren. Ich werde Zeit haben, um für mich etwas zu tun. Ich werde Musik für meine Seele und für mein Wohlbefinden machen. Ich werde mit meinem Sohn nächtelang Sterne beobachten. Ich werde mit meiner Familie Essen und ins Kino und Theater gehen. Ich werde Freizeit haben. Ich werde das genießen.

Ich werde nicht mehr mich selbst aufopfernd, nicht mehr bis buchstäblich zum Umfallen arbeiten. Glückwunsch an alle 1. Vorsitzenden, Musiker-“Kollegen”, Chefs, grauen Eminenzen von Vereinen, Tratschtanten und -Onkel und so weiter! Es ist geschafft, Ihr habt es vollbracht: Ich stecke den Kopf nicht mehr raus.

Danke an alle Freunde und Freundinnen: Familie, Ihr und Lebensqualität zählen. Ich habe es überstanden. Ich habe verstanden. Ihr habt mir dabei geholfen.

Ohne Meike wäre ich nicht mehr da. Das ist mir vollkommen klar. Wenn ich jetzt weitermachen würde wie bisher, wäre das das Undankbarste, was ich machen könnte.

Neuer Arbeitsplatz gefunden

Nach dem gestrigen (15.8.) Gespräch mit der Landesbehörde bin ich davon ausgegangen, dass es etwas dauern würde, eine neue Wirkungsstätte für mich zu finden. Heute Mittag erhielt ich die Nachricht, wo ich Zukunft arbeiten werde. Das ist unglaublich schnell und ich freue mich sehr, dass quasi sofort eine Lösung für mich gefunden worden ist.

Es wird weitergehen

Nachdem ich aus für mich weiterhin nicht nachvollziehbaren Gründen bei meiner bisherigen Arbeitsstelle für mich vollkommen überraschend und unvermittelt ausgeplant worden war, gab es heute, 15.8., ein sehr ermutigendes Gespräch mit Entscheidungsträgern der übergeordneten Behörde. Ich bin froh und dankbar, dass man dort Wert darauf legt, mich als Pädagogen weiter im Dienst zu behalten und glücklich über die Wertschätzung, die man mir dort entgegenbringt; das ist nicht selbstverständlich. Jetzt wird nach einer neuen Wirkungsstätte für mich gesucht und es wurde mir eine schnelle Lösung in Aussicht gestellt.

Nach dem Schock am Montag kamen sehr schnell deutlich ermutigende Signale von der Behörde, als ich mich Rat suchend an sie wendete und jetzt kann ich beruhigt sein, dass es mit mir in diesem Beruf weitergeht.

Ich bin froh, erleichtert und insbesondere dankbar für die schnelle und fürsorgliche Reaktion der Landesbehörde und bin gespannt auf meine neue Wirkungsstätte, die Kollegen und Kolleginnen sowie die Schülerinnen und Schüler dort.

Ende einer wunderschönen Aufgabe

Heute (12.8.2019) erfuhr ich völlig überraschend bei meinem Dienstantritt, dass ich trotz pünktlicher und verabredungsgemäßer Rückmeldungen und vollständiger Genesung in der letzten Woche nach meinem Krankheitsausfall (der wenige Tage vor der unterrichtsfreien Zeit eintrat) nicht mehr eingesetzt werde. Wegen eben diesen Ausfalls, der die Ferien betraf und die ich nutzte, um vollständig zu rekonvaleszieren, wurde mit mir nicht mehr gerechnet. Es ist offenbar geplant worden, mich durch eine andere Lehrkraft zu ersetzen, die sich heute vorstellte.

Es wird keine Gelegenheit für einen direkten Kontakt geben, deshalb bitte ich hier die mir anvertraut gewesenen Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern herzlich um Entschuldigung!

Weil ich mich für die neue Aufgabe so sehr einsetzte und unmittelbar nach Abklingen des Fiebers sofort ohne weitere Schonung wieder unterrichtete, hatte ich mit sehr ernsthaften Folgen eines verschleppten Virusinfekts zu tun, die mich ins Krankenhaus zwangen. Ich habe mich streng an dem Rat meiner Ärzte orientiert und alle Vorgaben erfüllt und eingehalten, um schnellstmöglich vollkommen zu gesunden und pünktlich wieder fit zu sein. Das ist mir wunderbar gelungen. Aber auch das reicht offenbar irgendwie wieder nicht.

Da mein Vertrag im öffentlichen Dienst bis zu seinem Fristende noch läuft, besteht wahrscheinlich, oder hoffentlich, kein unmittelbares und sofortiges Problem für mich; ich werde bis Vertragsende vermutlich an anderen Instituten eingesetzt werden. Aber mittelfristig muss ich wahrscheinlich eine neue berufliche Lösung finden.

Dafür habe ich keinerlei Idee, weil ich mir tatsächlich vorgestellt und fest vorgenommen habe, mich genau dort, wo ich jetzt war, loyal bis zum Ende der Lebensarbeitszeit einzusetzen. Die zusätzliche Aufgabenfülle habe ich genau aus diesem Grund übernommen. Deshalb auch habe ich beispielsweise meinen Flügel kostenlos zur Verfügung gestellt, den ich jetzt wieder abholen lassen muss.

Irgendwie scheint es bei mir immer so zu sein, dass sich Zielstrebigkeit, Einsatzwille und Engagement für mich nicht lohnen und ich am Ende als Verlierer da stehe. Damit muss ich zu leben lernen, was mir bisher nicht gelingen mag. Ich kann nur nochmal herzlich alle Schülerinnen und Schüler bitten, mir zu verzeihen, dass ich nicht mehr für sie da sein kann und wir uns nicht mehr wiedersehen werden. Mir tut das unendlich leid!

Das war der zweit schönste Beruf nach meinem eigentlichen, den ich als schönsten empfunden habe. Ich habe wahnsinnig gerne mit den Schülerinnen und Schülern und dem gesamten Kollegium und der Schulleitung zusammengearbeitet. Die Enttäuschung kann nicht größer sein.

Jetzt bin ich mal gespannt, was da noch kommen kann. Mit Glück die dritt schönste Aufgabe. Keine Ahnung, was das sein kann. Ich habe jedenfalls gerade keine Vorstellung darüber.

Das Walsroder Krankenhaus: Weit, sehr weit besser als oft gesagt wird

Im Juli musste ich für einige Tage ins Krankenhaus. Krankenhausaufenthalte sind ja grundsätzlich, mal abgesehen von Geburten, nie wirklich erfreulich. Aber ich muss sagen, dass ich dem Walsroder Krankenhaus und seinem Arzt- und Pflegepersonal herzlich zu danken habe: Während meiner Diagnose und Behandlung hatte ich mit etwa zehn Ärztinnen und Ärzten zu tun, die in verschiedenen Fachbereichen und Aufgaben handelten. Alle waren ausgesprochen freundlich, zugewandt, mitfühlend und im besten Sinn routiniert. Auch die Spezialisten erörterten immer das Gesamtbild und erklärten mir verständlich die jeweiligen Details. Das Pflegepersonal war sehr freundlich, trotz großen Arbeitsanfalls gut gelaunt und hilfsbereit. Und jetzt kommt die größte Überraschung: Besonders für eine Großküche ist das Essen ausgesprochen gut!

Ich hatte in einigen Jahrzehnten mehrfach das Pech, durch ernste Unfälle oder Erkrankungen in das Walsroder Krankenhaus gehen zu müssen. Dabei habe ich aber immer diese Erfahrung gemacht, die ich gerade beschrieben habe. Das spricht dafür, dass auch die Krankenhausleitung etwas richtig macht.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann dies: Das Pflegepersonal muss besser und damit den gewaltigen Anforderungen entsprechender bezahlt werden und die Ärzte sollten weniger Verwaltungsaufgaben zu erfüllen haben.

Wie man den Ärzten Verwaltungsaufgaben aufgrund der notwendigen Dokumentationspflicht ersparen kann, weiß ich nicht. Für die erforderliche bessere Entlohnung des Pflegepersonals habe ich einen sofort umsetzbaren Vorschlag: Einsparungen der Mittel im Gesundheitswesen für esoterische und nachweislich wirkungslose Pseudomedizin. Ich würde es nämlich lieber sehen, einer Krankenpflegerin oder einem Krankenpfleger mehr Geld für ihre und seine wertvolle Arbeit zu geben, als lächerliches Pieksen mit kleinen Nädelchen und das Verabreichen von Zuckerperlchen (die es auf dem Jahrmarkt billiger und in Farbe gibt) zu fördern.

Rettung aus Gefahr

Klingt dramatisch? Ist auch so:

Eine häufig unterschätzte Gefahr sind Gewitter. Gestern fuhr ich mit meinem Rad von meiner Arbeit nachhause und hoffte, eine Gewitter-Lücke erwischt zu haben; etwas Regen schreckt mich nicht. Ich hatte mit 20 Kilometern noch nicht die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als ich um eine Biegung kommend sah, dass ich auf eine Gewitterwand zufuhr. Ich fuhr noch ein paar Kilometer und musste feststellen, dass sie sich nicht auflöste, in eine andere Richtung zog oder ähnliches, sondern ich bald direkt unter der Gewitterzelle mit dem Fahrrad unterwegs sein würde mit noch etwa 25 Kilometern vor mir und sah im Sattel aufgerichtet besorgt in den Himmel.

Da überholte mich ein Mercedes-Transporter, wurde langsamer, wendete und ein 1,90-Mann lehnte aus dem Fenster: “Wo musst du denn hin? Kann ich dich mitnehmen?” Einfach so. Das Ehepaar, in Begleitung zweier sehr freundlicher großer Hunde und auf der Suche nach Holundersträuchern für selbstgemachte Getränke, lud mich und mein Rad ein und fuhr mich bis vor meine Haustür, wobei sich herausstellte, dass der Starkregen, in den ich gefahren wäre, das Wasser hat mindestens knöcheltief über die Straßen strömen lassen.

Ich bin zwei netten, zuvorkommenden, fürsorglichen Menschen des Fanfarenzugs Meißendorf begegnet und kann nur sagen: Herzlichen Dank!

Nass zu werden ist als Radfahrer nicht so das Problem. Aber einem Gewitter ausgeliefert zu sein, ist eine ernste Gefahr! Das war wirklich eine Rettung.

 

Liebeserklärung

Vorletztes Wochenende traten wir, das 1. Orchester des Akkordeon-Vereins Winsen (Aller), auf und gaben ein anderthalbstündiges Privatkonzert zu einer Diamantenen Hochzeit. Das Paar hat mich menschlich sehr beeindruckt, die Hochzeitsgesellschaft war gut aufgelegt, mein Orchester, wie immer, in Spiellaune: Das war ein wunderbares Konzert!

Heute traten wir beim Reservistentag in Celle auf. Ganz andere Voraussetzungen: Freier Himmel über uns, Passanten, keine Konzertatmosphäre, mein Orchester, wie immer, in Spiellaune: Das war ein wunderbarer Auftritt!

Ich liebe das! Die Herzlichkeit und das entspannte Miteinander vor, während und nach den Auftritten, das Spielniveau, das wir schon so lange halten, das Musizieren, also richtiges Musizieren und nicht das gelangweilte Abnudeln, zu dem sich immer wieder einige sich selbst als erfahren einschätzende Orchester hinreißen lassen, all das liebe ich.

Ich kann mein früheres Ich sehr gut verstehen, dass es sich dachte: „Boah! Ist das toll! Das will ich beruflich machen! Ich studiere, stecke alles da rein und dann leite ich Akkordeon-Orchester, baue Nachwuchs auf und die Vereine und Kollegen werden sagen, dass das anerkennenswert ist und sich darüber freuen!“ Ja, ich kann mein früheres Ich verstehen. Würde ich ihm begegnet sein, hätte ich ihm aber in etwa gesagt, was ihm sein damaliger Orchesterleiter, Enno Meyenburg, gesagt hat: „Davon kann man nicht leben, die Szene ist missgünstig, die Vereine und Orchester sind undankbar und Anerkennung bekommt man nicht. Elsbeth Moser hat dir einen Floh ins Ohr gesetzt. Sie kann da nur von leben, weil sie Dozentin ist. Sonst geht das nicht.“ Das war ein Mittwochabend vor der Orchester-Probe, nachdem ich mit dem Jugendorchester geprobt hatte.

Ich glaubte ihm nicht. Dann starb Enno plötzlich, er ging buchstäblich an der Szene und der Vereinspolitik zugrunde, nachdem wir im Streit auseinander gegangen waren und ich das Akkordeon-Orchester Celle leitete. Mir wurde die Leitung meines Heimatorchesters angeboten, ich sagte zu und musste sofort lernen, dass er vollständig recht hatte, als sich mein Trauzeuge das Orchester unter den Nagel riss und ich zuvor merken musste, dass das Celler Orchester mich als Dirigenten nicht wirklich akzeptierte und ohne mich und ohne mein Wissen Auftritte mit Unterhaltungsmusik absolvierte. Der Start eines nicht enden wollenden und letztlich vergeblichen Bemühens um vernünftige Orchester-Arbeit und Ausbildung zumeist gegen Vereinsleute, die ihre Expertise aus ihrer Einbildung gewinnen, aber sich großtuerisch durchsetzen.

Nein, leben kann man davon nicht; jedenfalls nicht, wenn man legal arbeitet, ordnungsgemäß versteuert, sich versichert und vorsorgt. Das heißt auch, dass ich solche Auftritte und Konzerte viel seltener erlebe als früher. Ebenso probe ich viel weniger. Mein Beruf ist jetzt eben ein anderer.

Aber ich habe jetzt ein schönes Hobby, das ich mit einem professionellen Hintergrund ausüben kann. Das Studium hat sich insofern gelohnt, als dass meine Qualifikationen anerkannt sind und ich jetzt als Pädagoge im Staatsdienst arbeiten kann. Es hat sich auch gelohnt, weil ich mit einem guten und sicheren Gefühl darum, dass ich weiß, was ich da tue, vor meinem Orchester stehen kann und die Proben und insbesondere die Konzerte und Auftritte unaufgeregt in vollen Zügen genießen kann.

Das Studium hat sich insofern nicht gelohnt, als dass ich meinen jetzigen Beruf leichter hätte erreichen können und schon viel länger hätte Geld verdienen können, als jeden Pfennig und Cent wieder in den eigenen Betrieb zu stecken.

Das alles konnte mein früheres Ich nicht wissen. Und es war nicht zu überzeugen gewesen, falsch zu liegen. Dafür war die Begeisterung für den Beruf zu groß. Vielleicht hätte man es überzeugen können, dass es grenzenlos naiv und ziemlich dumm ist, die Liebe zur Musik auf die Orchester und die Szene insgesamt zu projizieren und sie als emotionale Heimat zu sehen. Aber dafür hätte jemand mit ihm reden müssen, dem mein frühere Ich wirklich am Herzen lag und der sich gleichzeitig in der Szene auskannte.

So bleibt aber nur eines zu sagen: Ich liebe dieses Orchester und die Konzerte und Auftritte! Ich genieße das und koste es voll aus, solange es dauert. Ich genieße das entspannte und fröhliche Beisammensein besonders nach den Konzerten, wenn man abgekämpft aber glücklich miteinander plaudert und scherzt. Ich genieße das auch, weil ich die Erfahrung gemacht habe, wie viel falsche Freundschaften es in dieser Szene gibt, wie viel Kalkül, wie viel Berechnung und wie viel Missgunst, wie wenig auch jahrzehntelange vermeintliche Freundschaften wert sind, wenn irgendwelche sandkastenpolitische Ziele verfolgt werden; wie brutal Menschen bereit sind, einen sinnlos, nur weil sie es können, existenziell zu vernichten, wenn man von ihnen abhängt.

Hätte mein früheres Ich sich anders entschieden, wenn ich ihm per Zeitreise oder so davon hätte berichten können, was ihm in der Szene blüht? Ich glaube fast, nein. Dafür war ich damals zu naiv, zu engagiert, zu begeistert. Ich habe zu sehr geliebt. Ich liebe das auch heute so sehr wie damals. Aber ich bin älter, erfahrener, vernünftiger. Und verbittert über die Akkordeon-Szene.

Wenn es nach mir geht: Ich habe die mentale, fachliche und körperliche Fitness für noch ein paar Jahrzehnte professioneller Orchesterleitung. Ich könnte auch noch deutlich mehr leisten, als ein Oberstufen-Orchester zu dirigieren. Ich würde es aber nicht mehr tun, selbst wenn ein Angebot dafür käme (was es sicher, ganz, ganz und absolut sicher, nicht tun wird): Dafür liebe ich dieses Orchester zu sehr. Aber es geht nur noch als Hobby, weil ich jetzt einen anderen, sehr schönen, Beruf habe.

Ich bin jetzt also Akkordeon-Orchester-Dirigent im Ruhestand. Ich habe noch ein tolles Orchester, das seit vielen Jahren auf hohem Niveau spielt und in dem viele tolle, fröhliche und freundliche Leute sitzen. Ich genieße das. Ich liebe es.

Oberton- und Grundtonhörigkeit

Heute, 11.5.2019, erhielt ich zwei Links zum Oberton- und Grundtonhören. Diese Tests durchzuführen, könnte für jeden Leser hier interessant sein (die Statistik zeigt mir, dass es doch einige Leser gibt und dafür danke ich herzlich):

Kurztest zur Oberton- und Grundtonhörigkeit

Test Obertongesang

Das veranlasste mich, über mein eigenes Hörverhalten und meine Arbeit mit Orchestern zu reflektieren:

Wie man einzelne Töne spielt, gehört bei mir zum Feinschliff. Zuerst geht es mir immer erst quasi grundtonhörig um die große Geste. Mich stört es sogar manchmal, wenn beim ersten Durchspielen sofort jeder einzelne Ton irgendwie phrasiert wird. Aber wie bei einem Vexierbild wechselt mein Gehirn zwischen Grundton- und Obertonhören und ich nehme beispielsweise die Basslinie im Orchester wie auch die Grundtonbewegung und -Richtung überhaupt nicht mehr wahr. Meistens dann, wenn ich mich damit beschäftige, wie wir etwas phrasieren wollen.

Alles gleichzeitig zu hören und gleichwertig zu beachten ist gerade am Anfang schwer und kostet viel Energie. Ich kann es deshalb oft nur schwer beantworten, wenn aus dem Orchester gefragt wird, ob etwas staccato, legato oder sonstwie gespielt werden soll, weil ich einfach gerade darauf nicht höre bzw. mich damit gerade nicht beschäftige. Solche Fragen werfen mich gelegentlich aus meinen Gedanken zum Stück, ich muss versuchen, gedanklich nachzuhören und dann schnell sinnvoll antworten.

Prinzipiell gehe ich in den Proben an Orchesterstücke wie an mein damaliges Soloprogramm heran und versuche, mit dem Orchester wie mit einem selbst gespielten Instrument zu arbeiten (darauf legte mein Prof. Marius Bazu gesteigerten Wert: “Ein Orchester ist ein lebendiges (!) Instrument und Du bist der Musiker, der es spielt!” Und Prof. Elsbeth Moser schärfte mir ein, immer gesanglich zu denken): Ich denke oft in “linke Hand” – “rechte Hand”, “oben” – “unten”, “Vordergrund” – “Mittelgrund” – “Hintergrund”, an die Verteilung der Aufgaben und dann erst an das Zusammenspiel beider “Seiten” und aller Dimensionen.

Wenn ein Stück im Orchester und in meiner Vorstellung gefestigt ist, diese Vorstellung habe ich manchmal vor den Proben (bei “ernster” Musik vor allem und bei eigenen Stücken), dann höre und denke ich im Gesamtbild beim Dirigieren. Manchmal entwickele ich diese Vorstellung erst beim Proben auch anhand von dem, was ich an spielerischen Eindrücken aus dem Orchester gewinne. Das ist dann ein Wachstumsprozess, der unterschiedlich lang dauern kann, und deshalb brauche ich die Proben auch für mich.

Immer das gesamte Bild betrachte ich, wenn es auf Aufführungen zu geht und insbesondere bei Konzerten und Auftritten. Da ist es so, dass ich vorwiegend das dirigiere, was in meinem Kopf ist und deshalb Verspieler nahezu vollständig ausblende. Dabei gehe ich aber auf das musikalische Geschehen insgesamt ein und versuche, uns davon kontrolliert forttragen zu lassen; das ist eben ein kreativ-musikalischer Prozess und es läuft kein starres und damit für die Aufführung und Wirkung tödliches inneres Metronom oder so. “Musik muss fließen.” (Bazu), “Musik wird grundsätzlich rubato gespielt.” (Moser).

Als ich selbst im Orchester spielte, hat es mich gelegentlich gestört, wenn unser Dirigent aus den Stücken “etwas Eigenes” machte. Heute denke ich oft genau so wie er. Ob ich damals vorwiegend Obertonhörer war, weiß ich allerdings nicht.

Ich meine, dass Oberton- und Grundtonhörigkeit trainierbar ist; jedenfalls hat sich mein Hörverhalten durch das Studium deutlich verändert. Im Gegensatz dazu ist das absolute Gehör, das ich nicht habe, veranlagt, soweit ich weiß. Letzteres ist einerseits ein beneidenswerter Segen, aber von einer Kommilitonin, einer (tollen und wunderschönen) Geigerin des schönen Namens Maike, weiß ich, dass das auch ein Fluch ist: Sie störte sich bei jedem Musizieren mit gleichschwebend temperierten Instrumenten sehr daran, weil die Intervalle nicht stimmten, und wurde von Unsauberkeiten auch im eigenen Spiel förmlich gequält. Und Sie hasste die Tremolo-Schwebung des Akkordeons, weil diese durch eine Verstimmung erzeugt wird (anders als das Vibrato bei Sängern oder anderen Instrumenten).

Zurück zum ersten Test: Ich habe ihn zwei mal durchgeführt. Dabei habe ich mich bewusst jeweils zum Oberton- oder Grundtonhören entschieden mit den Ergebnissen, einmal angeblich ein extremer Obertonhörer und einmal angeblich ein extremer Grundtonhörer zu sein. Um es zusammenzufassen, höre ich also je nachdem, welche Aufgabe ansteht, ober- oder grundtönig und das unbewusst wie bewusst.

Zum zweiten Test: Einer meiner Kommilitonen, Jochen, ein total sympathischer Sänger, war ein Meister des Obertongesangs. Er konnte die Obertöne so klar isolieren, dass man meinte, eine Flöte oder ähnliches zu hören. Das war klarer zu hören, als bei dem verlinkten Beispiel, das schon sehr, sehr gut ist. Ich kann das gar nicht.

Es war einmal ein Obertonsänger, kein schlechter, bei einer der Casting-Shows mit Dieter Bohlen. Bohlen hat den achtkantig mit ziemlich erniedrigenden Bemerkungen raus geworfen und RTL hat ihn genüsslich vorgeführt. Weil nicht verstanden wurde, was er da tat.

Falls jemand jemals wissen wollte, was in meinem Kopf vorgeht (außer nackten Frauen, Kino-Filmen, Autos, Werkzeug und was uns Männer sonst so beschäftigt): da steht es jetzt so ungefähr. Ohne Anlass hätte ich das nie erzählt oder irgendwo hingeschrieben.

Jetzt bin ich für den Rest des Tages deprimiert, dass ich diesen wunderschönen Beruf aufgeben musste bzw. die beknackte Akkordeon-Szene ist, wie sie ist…

Überschlagsrechnung

Rechnen wir doch mal:

Ich unterrichtete in meinem letzten Jahr als freiberuflicher Musiklehrer gut 40 Schüler monatlich und leitete ein Orchester.

Einnahmen monatlich brutto: 2.306 €

Betriebsausgaben: 1.548 €

Künstlersozialversicherung: 100 €

Sonstige notwendige Ausgaben (z. B. Steuer, priv. Vorsorge): 400 €

Nettoeinkommen monatlich: 258 €

Zusammenfassend gesagt: Mehr als 40 Schüler, gemietete Unterrichtsräume, Abzahlung von Inventar und Instrumenten. Zuvor arbeitete ich zeitweise für mehrere Vereine bzw. Organisationen als Lehrer und Orchesterleiter mit einer Schülerzahl von etwa 30 ohne die Mietausgaben und Instrumentenkosten aber mit Lohn-, Lohnnebenkosten und Kosten für Personalbuchführung für eine geringfügig beschäftigt Angestellte, die sich für die eigentliche Chefin hielt, und ich habe dazu unter anderem noch kostenlos Auftritte dirigiert und Arrangements geschrieben.

Jeder dürfte sofort sehen: Davon zu existieren ist kein Spaß und eigentlich unmöglich.

Jetzt schauen wir doch mal, wie die Verhältnisse in einem beliebigen Verein/Club sind:

Ich zähle sechs Akkordeonschüler auf Fotos. Nie mehr. Sagen wir mal, es sind acht. Nehmen wir zudem an, etwa die gleiche Zahl an Keyboard- und/oder Klavierschülern wären da. Dann gibt es noch das Hauptorchester, ein „Spaßorchester“ und die Jugendlichen und Kinder als Klangkörper. Alle werden von einer guten Zahl Orchestermitgliedern unterstützt, sind also keine eigentlichen eigenen Klangkörper, sondern immer dieselben Personen unter anderen Namen mit eben weiteren Spielern. Drei Klangkörper also finanzieren irgendwie ihren Leiter, wobei von den jeweils etwa zwölf Orchesterspielern so ca. fünf in jedem Klangkörper sitzen. Man beschäftigt zwei professionelle Akkordeonisten mit Hochschulabschluss und eine „Lehrerin“, die gerade mal einen oder zwei D-Lehrgänge besucht hat, aber, natürlich, die große, dabei aber ach so bescheidene, Fachkraft spielen darf.

Über die Preise gibt es keine Transparenz.

Es ist keine rhetorische Frage sondern durch dieses Bild eindeutig beantwortbar: Wenn etwa 12 Akkordeon-Orchester-Mitglieder und etwa, großzügig geschätzt, 16 Instrumentalschüler in verschiedenen Besetzungen drei Klangkörper bilden, eine Person davon eine Hobbylehrerin für diesen Verein mit Honorar (!), während sich die echten Profis Unterricht und Klangkörper teilen, auf wessen Kosten wird da gearbeitet? Davon kann kein Mensch existieren, der rechtskonform arbeitet und sich entsprechend versichert! Das geht einfach nicht. Auch nicht, wenn da vielleicht noch irgendwo anders Einnahmen in gleicher Höhe bestehen, was ich bezweifele.

Mit Mitte 20 und Mitte 30, vielleicht ohne Kinder, mag man als Profi noch von sich selbst so begeistert sein, dass man denkt, das wäre zu schaffen: Ist es nicht. Damit ist nur programmiert, dass man vor die Hunde geht. Definitiv. Ich habe es mehrfach bezeugt, war selbst kurz davor und landete im Krankenhaus und es gibt hinreichend auch berühmte Beispiele großer Namen des Akkordeons.

So etwas kann sich ein solcher Verein nur erlauben, weil es für Profis keine Unterstützung gibt, sich niemand um die Scheinselbständigkeit von Fachkräften in Vereinen kümmert und sich heute zumeist osteuropäische professionelle Musiker für ein Appel und ein Ei zu verkaufen bereit sind. Auf den Folgen bleiben die jungen Kollegen selbst sitzen. Dem Verein ist die schiere Existenz der Lehrer egal. Dem geht es nur um die Selbstdarstellung der handelnden Vereinseminenzen und die eigene Großartigkeit.

Aber vielleicht irre ich mich ja und der Club ist in der Lage, beiden Lehrkräften ein insgesamt angemessenes Honorar zu zahlen. Das müsste überschläglich gerechnet für jeden der beiden Profis, wenn sie noch andere Einnahmen haben, bei 2.000 € brutto liegen; insgesamt muss man auf etwa 4.000 € brutto als Profi kommen, damit das Nettoeinkommen wenigstens ansatzweise der Qualifikation entspricht und man davon leben kann. Denn die Kosten der Selbständigkeit sind hoch und man muss Altersvorsorge betreiben.

Also: Zwei Profis, das bedeutet mindestens 4.000 € monatlich an Honorar, damit sie davon existieren können.

Aber die sind froh, dass sie überhaupt einen Job haben und als Künstler aktiv sein können. Und das weiß der Club genau. Solange sie hübsch gehorchen und schön nett sind, dürfen sie auch weiter für ein Einkommen arbeiten, das effektiv unter dem Mindestlohn liegt.

Dafür erzielt der Club an dem an ihnen gesparten Geld die Einnahmen, die ein Clubheim und Reisen finanzieren. Da darf man dann mitfahren. Natürlich arbeiten: Proben, Auftritte. Damit verdient man sich dann Unterkunft und Frühstück, in Jugendherbergen auch Mittag und Abendbrot. Honorar?! Nun mal nicht unverschämt werden!

Schöne, heile Akkordeon-Orchester-Welt, nicht wahr?