Alle Beiträge von Dietmar Steinhaus

Dinosaurier

Ob man es wahr haben will oder nicht: Filme haben unsere Kultur mitgeprägt. Ich kenne Leute, die an Filmen nicht das geringste Interesse haben. Die verpassen etwas, finde ich, aber das muss ja jeder selbst wissen. Für mich schwierig nachzuvollziehen ist aber die Haltung von Menschen, die Filme ablehnen. Wer das tut, ist mir grundsätzlich suspekt.

Es gibt Filme, die muss man kennen! Man muss! Warum? Weil das Kultur ist. So, wie man die Mona Lisa kennen muss. Man muss “Die Vögel” kennen!

Ein Klassiker! What´s not to like?

Die Meisterschaft, mit der Hitchcock

Hätte es die Metoo-Debatte damals schon gegeben, er wäre attackiert worden. Völlig zurecht! Was heute nicht “in Ordnung” (ein viel zu schwacher Begriff) ist, war es auch damals nicht. Das ändert aber nichts an seinem Genie.

die Handlung aufbaut, wie er die Charaktere zeichnet und ihre Entwicklung plausibel gestaltet, ist so wunderbar, dass jedes wiederholte Sehen des Films ein Genuss ist. Die Heldin des Films, Melanie Daniels (Tippi Hedren),

Die junge Tippi Hedren. Eine tolle Schauspielerin, eine schöne Frau mit damenhafter Ausstrahlung. Und – eine Heldin, wie sie im heutigen Kino nicht mehr “geht”. Denn sie mag Männer, ist sich ihrer Weiblichkeit bewusst und genießt sie.

Tochter eines Medienmoguls, die ein behütetes Leben führt und in jeder Hinsicht selbstbestimmt und selbstbewusst ist, trifft zufällig auf den Anwalt Mitch Brenner (Rod Taylor),

Geht fraglos auch heute als sexy durch. So zeigt er sich allerdings nicht im Film. Tut mir ja für alle leid, die ihn gerne so sehen.

findet Gefallen an ihm und versucht, seine Aufmerksamkeit zu erlangen, indem sie sich als Verkäuferin der Zoohandlung ausgibt, die Brenner betreten hat, um vielleicht Sperlingspapageien für seine kleine Tochter zu kaufen. Er durchschaut sehr schnell, dass Melanie nichts vom Fach versteht, und trennt sich amüsiert nach dem erfolglosen “Verkaufsgespräch” von ihr. Sie ersteht die beiden Vögel selbst und sucht überraschend Mitch in seinem Heimatort Bodega Bay auf. Bis dahin sieht der Film wie eine der romantischen Komödien aus, wie sie für Rock Hudson und Doris Day typisch waren.

Doris Day und Rock Hudson. What´s not to like? (Oh, sagte ich das schon woanders?)

Während ihres Besuch kommt es aber zu immer weiter eskalierenden und schließlich tödlichen Vogelattacken auf Menschen. Hitchcock erhöht die Spannung langsam und stetig.  Ich liebe alles an dem Film: Die Schauspieler, das Lokalkolorit, die Charaktere (besonders die sinnlich/erotische Suzanne Pleshette in einer wichtigen Nebenrolle. Noch eine selbstbewusste Frau in Filmen! Was es alles gibt …),

Nun kommt schon! Sie ist doch einfach entzückend! In ihrer Liebenswürdigkeit perfekt besetzt, um maximale Wirkung auf den Zuschauer zu entfalten.

den Umgang mit Stille; einfach alles. Ein perfekter Film seiner Zeit. Wenn man ihn so kategorisieren mag, könnte man ihn als “Tier-Horror” bezeichnen, wie etwa “Der weiße Hai” oder “King Kong”. Dabei zeigen Tiere grundsätzlich nicht ihr realistisches Verhalten oder ihr realistisches Erscheinungsbild, sondern sind eine planvoll agierende Gefahr für den Menschen, der sich plötzlich in einer unbeherrschbaren Umgebung wiederfindet.

Ein solcher ist auch der grandiose Film “Jurassic Park”

von Stephen Spielberg.

Danke, Meister, für so viele unvergessliche Stunden der Flucht aus der Realität!

Das Besondere war, es sollte erreicht werden, ein realistisches, glaubhaftes Bild der Dinosaurier zu zeichnen und in einen Handlungsrahmen zu spannen, der den Zusammenprall der durch Äonen getrennten Tetrapoda Saurier und Mensch glaubhaft darstellt. Bis “Jurassic Park” wurden Saurier als Echsen gezeigt,

Tyrannosaurus, aufrecht gehend, den Schwanz wie eine Echse schleppend und wie ein Känguru als Stütze nutzend mit Echsenkopf und plumpen Krokodilfüßen.

die, wenn sie Jäger sind, auf ihren Hinterbeinen aufgerichtet gehen und den Schwanz als Stütze nutzen; im Grunde Krokodile auf zwei Beinen.

“Dinosaurier” heißt zwar “schreckliche Echse”, aber Echsen und Saurier haben “nur” gemeinsame Vorfahren miteinander und uns Säugern. Bei Echsen sind die Beine vom Körper abgewinkelt, Saurier balancieren im Gegensatz dazu, wie Säugetiere, ihr Gewicht über den Beinen.

Spielberg setzte auf neue Erkenntnisse: Saurier waren auch agile Jäger und balancierten ihr Gewicht mithilfe des Schwanzes als Gegengewicht auf den Hinterbeinen.

Hier war schon längst etabliert, wie gefährlich der Tyrannosaurus Rex für die Menschen ist.

Es wurde, erfolgreich, versucht, ein lebendiges Bild eines Tierökosystems zu zeichnen, indem Pflanzenfresser und Jäger in für sie typischer Weise dargestellt wurden. Die für den Menschen gefährlichen Fleischfresser waren im Film eine echte Gefahr und jagten einem Angst ein; insbesondere die Velociraptoren.

Wenn man das sieht, ist es im Film für einen wahrscheinlich zu spät.

Der Film katapultierte die Vorstellung über Dinosaurier in das neue Jahrtausend! Aber: Es gibt Fehler in der Darstellung, die damals bereits bekannt waren! So ist der als Velociraptor bezeichnete Saurier eher sein größerer Cousin Deinonychus. Zwei Gründe führten dazu, dass der in Wirklichkeit truthangroße Velociraptor Namensträger des Filmmonsters ist: Sein Name klingt aggressiver, lässt sich auch besser aussprechen, und er ist zu klein.

Im Film wird die lückenhafte DNA der Saurier mit Frosch-DNA ergänzt. Der Grund ist, dass die Pointe nicht verraten werden sollte: Saurier sind mit Vögeln verwandt. Als Alan Grant (Sam Neill)

vor dem Brachiosaurus steht, erklärt er begeistert, dass er sich darin bestätigt sieht, dass Saurier warmblütig gewesen seien.

So schön, so ergreifend diese Szene ist, sie wird sich, selbst, wenn man Saurier neu erschaffen könnte, nicht so abspielen können: In der Kreidezeit (“Jurassic” klingt aber cooler), in der diese Saurier lebten, war der Sauerstoffgehalt der Luft erheblich höher. Ohne diesen ist solch ein Riesenwuchs nicht möglich.

Wie in Hitchcocks “Die Vögel”, und wie in jedem anderen wirklich guten Film, sehen wir in “Jurassic Park” echten, glaubhaften Charakteren (mit einer Frau und einer Teenagerin als Heldinnen, die aber leider zu viel “Frau” für das heutige Sendungsbewusstsein im Kino sind) und ihrer Entwicklung im Angesicht der Ereignisse zu. Ein toller Film, der heute noch funktioniert.

In den folgenden Filmen der Reihe setzt man auf nicht verwendete Inhalte des zugrunde liegenden Romans, die Beliebtheit der bekannten Helden (die sich nicht mehr weiter entwickeln und dadurch langweilig sind) und die Schau- und Gruseleffekte. Nichts zu sehen, gehen Sie bitte weiter! Na gut, ganz so schlimm ist es nicht. Man kann den zweiten Teil noch gut gucken, auch wegen der wunderbaren Julianne Moore.

Eine tolle Frau! Toll, toll, toll!

Aber im Kern ist dieser Film sehr deutlich Popcorn-Kino mit herbeifabulierten Konflikten und mehr Remmidemmi als echte Spannung und Charakterzeichnung.

Teil 3 versenkte die Franchise. Sie wurde wiederbelebt mit dem humorvollen, charismatischen Charmebolzen der Extraklasse Chris Pratt.

Und das ist auch schon alles, was es über diese Filme zu sagen gibt. “Jurassic World” ist ein Star-Vehikel für einen tollen Star, dem ich von Herzen gönne, Star zu sein. Ansonsten: Noch mehr Krawall und Action, noch mehr Saurier, noch größere Menschenfresser. Und noch mehr Logiklöcher. Weil die Macher zynisch darauf setzen, dass sie aufgrund der vielen Action nicht auffallen.

“Jurassic Park” hat die Sicht auf die Dinosaurier revolutioniert. Das ist fast 30 Jahre her. “Jurassic World” gestaltet die bekannten Saurier ein wenig um, damit sie bedrohlicher aussehen, und erfindet einen neuen Superjäger, der aber vom plötzlich “lieben” T-Rex gekillt wird. Ansonsten bleiben die Saurier wie sie sind: Nach aktuellen Erkenntnissen falsch!

Die aktuellen Erkenntnisse sagen, dass nicht Tiere wie der Archaeopteryx

Der berühmte Fund im Schiefer von Solnhofen galt seit der Entdeckung als “missing link” zwischen Sauriern und Vögeln. Er belegt auch, dass Evolution stattfindet und die wissenschaftliche Theorie dazu wirklich Wissenschaft ist: Charles Darwin selbst hat belegt, dass die Evolutionstheorie die Kraft der Vorhersagbarkeit hat. Er hat nämlich gesagt, dass, wenn die Theorie stimme, man ein Tier finden müsse, das die Charakteristika des Archaeopteryx aufweisen müsse. Der Fund bestätigte ihn noch zu Lebzeiten.

die Flugfedern “erfanden” und damit zu den Vögeln führten, sondern, dass Saurier grundsätzlich gefiedert waren. Vögel sind die neotone Ausprägung von Sauriern! Wie wir die neotone des Homo Erectus.

Wenn “Jurassic World” eine Seele hätte, was “Jurassic World” nicht hat, denn “Jurassic World” will Box-Office-Hit und Popcorn-Kino sein, eine Seele wie “Jurassic Park”, die eine Franchise und ein Film nur mit einem beseelten Regisseur haben kann, dann sähe der Tyrannosaurus Rex nicht so aus

sondern etwa so:

Die Deckfedern des Körpers entsprachen dabei denen großer Laufvögel, wie etwa dem Emu:

Es gelang sogar bei einigen Sauriern, aufgrund der fossilisierten Federn Farben von Federn zu bestimmen. Der Archaeopteryx dürfte demnach etwa so ausgesehen haben:

Hier jagt ein Velociraptor einen kleineren Saurier (eventuell Compsognathus), aber das dargestellte Federkleid entspricht in der Färbung dem eines Archaeopteryx, wie man belegen kann. Der Archaeopteryx sah einer Elster in der Färbung ähnlich. Im Gegensatz zum abgebildeten Velociraptor hatte der Archaeopteryx Schwungfedern ebenfalls an den Beinen.

Die gefährlichen, mannsgroßen Deinonychus, die in der Franchise als Velociraptor bezeichnet werden, kann man sich nun so vorstellen:

Wenn das Hollywood nicht gruselig genug ist, dieses Design widerspricht nicht den neuen Erkenntnissen:

Dieses auch nicht:

Oder in bunt:

Denn es ist wie mit unseren heutigen Dinosauriern, die wir “Vögel” nennen: Es gibt viele Arten von Vögeln in allen möglichen Formen und Farben. Gleiches galt auch für die Saurier vor über 66 Millionen Jahren:

Und wie heute waren die Dinosaurierküken niedlich:

Süßer, kleiner T-Rex! Wirst mich doch nicht beißen, nicht? Aaaarrgh …

Warum sieht man das nicht? Weil den Machern Phantasie, Kreativität und Mut fehlen. Weil sie zynisch und desinteressiert eine Franchise melken wollen. Weil sie darauf setzen, dass man die Dinosaurier “mag”, wie man sie kennt. Weil die Film-Dinosaurier jetzt nur noch Monster sind und keine Tiere, von denen man sich vorstellen kann, dass es sie gegeben hat, die einem auch heute vertraut sein könnten, wenn es sie gäbe. Weil sie genau das gleiche Denken zeigen, das Saurier von dem originalen “King-Kong” bis in die Neunziger hinein als große Echsen präsentierte.

Heutiges Kino will nichts aufregend Neues kreieren. Es kann das auch gar nicht mehr, weil die Kreativität fehlt.

Aber wenn man weiß, dass Dinosaurier tatsächlich lebende Tiere waren, die so aussahen, wie oben dargestellt, sieht man heutige Vögel mit anderen Augen:

Ja, dieses Tier gibt es: Ein großer Laufvogel, der Kasuar.

Es bleibt festzuhalten: Hitchcocks “Die Vögel” ist ein Dinosaurierfilm.

Jetzt habe ich vor unseren Heimdinosauriern ein bisschen Angst.

 

Weisheit des Alters?

Mein Freund fragte uns, seine Leserschaft, auf seinem Blog, ob wir mal den Wunsch gehabt hätten “auszusteigen”, oder das sogar getan hätten, nachdem er schöne Artikel darüber geschrieben hat, wie er sich aktuell von toxischen Lebensumständen befreit hatte, und einen wunderschönen, wie er mit 21 Jahren vor Chance stand, das geplante Leben nicht zu führen. Was er dabei über seine Frau schrieb, ist bezaubernd. Das hätte mir einfallen müssen, weil es mir genau so geht: “Kein Leben ohne sie könnte besser sein als das Leben mit ihr.” Er hat eine tolle Leserschaft, die durchdacht, ehrlich und sensibel antwortet. Ich zähle mich nicht der Menge “toll” zu, habe aber auch geantwortet, und meine derzeitige Lebenssituation zusammengefasst:

Deine Frage kann ich konkret beantworten: Ich habe im Juli 2018 meinen Lebenstraum aufgegeben und meinen Betrieb endgültig abgeschlossen; ein bisschen wie Paddy. Und wie Du würde ich das Leben mit meiner Familie nie aufgeben wollen und können. In vielem, was Du schreibst, erkenne ich mich wieder. Ich brauche es auch nicht mehr, mich bis zum buchstäblichen Umfallen aufzureiben. Ich habe akzeptiert, dass ein Durchbruch nicht kommen wird, egal, wie viel Arbeit ich noch reinstecke. Das hat meinen Einsatzeifer gekillt.

Es ist eigenartig, wenn man etwas aufgibt, von dem man meint, dass es einen seit der Kindheit im Kern ausgemacht hat. Ich habe seit fast einem Jahr nicht mehr konzentriert über Stunden, was früher absolut normal war, an einem der Instrumente gesessen. Ich war auf keinen Sitzungen mit profilneurotischen Auseinandersetzungen. Ich habe seit letztem Sommer nicht eine einzige 60-Stunden-Woche mehr gehabt, was früher normal war. Ich gebe nur noch selten Konzerte, als Solist schon lange nicht mehr, und Gigs mache ich auch nicht mehr. Die Wochenenden sind also in der Regel frei.

Stattdessen arbeite ich absolut normal, bin über Stunden bei meiner Mutter zur Betreuung, pflanze und säe auf unserem Grundstück, mache wieder so regelmäßig und intensiv Sport wie vor dem Studium und plane die Bad-Renovierung. Und ich merke jetzt erst so richtig, wie sehr ich an mir Raubbau betrieben habe. Wenn mein berufliches Tages- oder Wochensoll erfüllt ist, kann ich es immer noch nicht fassen, wie viel Zeit ich dann noch für mich habe. Endlich bleibt auch mal ein bisschen Geld über, das ich, abgesehen von den noch laufenden Abzahlungen des Betriebskredits, zur Verfügung habe.

Ich bin in Normalität versunken. Ich verbiete mir, mit Wehmut dem Scheitern nachzutrauern.

Keine Ahnung, was von meinem Solorepertoire überhaupt noch laufen könnte. Ich habe noch nie so lange, abgesehen von einer schweren Verletzung und Rekonvaleszenz vor einigen Jahrzehnten, nicht ernsthaft geübt. Ich wage fast nicht, mich wieder an die Instrumente zu setzen, weil ich Angst vor meinem Ehrgeiz habe, der mich wieder zum unbedingten Einsatz zwingen könnte, und davor, dass mich Enttäuschung niederschmettern könnte.

Doch, irgendwie lustig

Der orange Utan im Weißen Haus führt, nach eigenen Worten, einen Krieg gegen die radikalen Marxisten in den USA. Unter anderem! Der Föhn-Frisur-Resthaarträger kämpft gegen die “radikalen Linken”, um die Statuen zu beschützen! Es wurden nämlich Statuen von Südstaaten-Akteuren “attackiert”, die in den Sechzigern aufgestellt worden waren, um die schwarze Bürgerrechtsbewegung anzugreifen. Der Ausrichter von Schönheitswettbewerben für heranwachsende Mädchen, bei denen er gerne unverhofft in die Umkleiden platzte, tut so, als ginge es auch um Religion. Raffiniert. Diese Statuen müssten auch geschützt werden! Dazu ruft er zu einer Petition auf:

Der Beitrag wurde gelöscht, als jemandem auffiel, dass diese Statue in Brasilien steht …

Doch, diese Idiotie ist auch irgendwie witzig.

Neue Kategorie

Ich denke, hier schreibe ich ein wenig über die Luxusprobleme, die man in unserer Gesellschaft haben kann, und beginne gleich mit dem aktuellen “Ärger”, den wir haben:

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass eigentlich alles Einkommen bei mir in Ausbildung und Beruf geflossen ist. Somit ist alles, was wir uns aufbauen konnten, klein und bescheiden. Jetzt wollen und müssen wir die längst fällige zweite Bad-Sanierung in Angriff nehmen. Da kam uns eine Werbekampagne eines Baumarktes entgegen. Nennen wir ihn mal “Großvattir”.

Großvattir bewirbt sich als neuen “BadPlaner”. Der Prospekt zeigt ein modernes Bad (unseres wird zum Haus passend eher leicht in Richtung shabby-chic gehen) und einen freundlichen Berater, der mit lässiger Kompetenz ein glückliches Paar mithilfe eines Computerbildschirms berät.

Der Prospekt fragt fürsorglich, “Haben Sie an alles gedacht?” und nennt drei Bulletpoints:

  • Aktueller Grundriss Ihres Badezimmers
  • Aktuelle Position der Anschlüsse
  • Fotos von Ihrem Bad (alle Wände und Perspektiven)

Dann weckt er Erwartungen mit der tatkräftigen Versprechung: “Das erwartet Sie bei Ihrem Termin”. Wir machen einen Termin und erwarten also

  • Erhalten Sie eine 3D-Vorschau von Ihrem neuen Badezimmer [Hier muss ich mich zu der Anmerkung hinreißen lassen, wie miserabel diese Formulierung ist! Sie ist falsch im Zusammenhang mit der Überschrift und alleinstehend ein Frage- oder Befehlssatz. Wer schreibt so etwas?]
  • Flexible Projektplanung
  • Individuelle Badgestaltung
  • Vermittlung von qualifizierten Handwerkern
  • Attraktive & transparente Preise
  • Große Marken- & Produktvielfalt.

“Mehr Infos finden Sie unter www.großvattir.de/badplaner”. Dort erklärt uns Großvattir, dass wir in einer 3D-Animation unser Bad virtuell betreten und uns umsehen könnten. Super Sache das! Grundriss? Check. Anschlüsse? Check. Fotos? Check. Auf geht´s zu Großvattir!

Der freundliche Berater mit lässiger Kompetenz ist in unserem Fall ein nicht ein einziges Mal lächelnder Mitarbeiter des Großvattir-Marktes, der uns nach der Begrüßung erklärt, er habe “just for fun” (wörtlich!) mal ein Modellbad am Computer erstellt. Die Animation dieses Bades, das in keinster (ich weiß, dass es das Wort nicht gibt. Aber ist unsere Sprache nicht schön, dass sie solche Übertreibungen erlaubt und auch noch klar ist, was man damit sagen will?) Hinsicht auch nur das Geringste mit unserem Bad zu tun hat, abgesehen davon, dass das auch ein Bad ist, diese Animation läuft also während des gesamten Gesprächs auf dem Bildschirm.

“Was stellen Sie sich denn vor?” Wir haben klare Vorstellungen, alle Maße und Fotos, die meine Frau vor ihm ausbreitet. Missmutig desinteressiert wirft er einen kurzen Blick drauf. So etwas wie “Aha” grummelnd schiebt er sie zusammen und ignoriert sie. Wir sollen die Maße nennen. Wir nennen sie. Er brauche aber die “lichten Maße”. Ich: “Das ist von Wand zu Wand gemessen.” – “Sind da Fliesen auf den Wänden?” – “Ja.” – “Dann ist das kein lichtes Maß.” – “Na gut, rechnen wir einen Zentimeter dazu, wenn die Fliesen wieder runter sind.” – “Na, was denn nun?! 1,71 m oder 1,72?” – “1,72.” – “Also nicht 1,71 m!” – “Äh, nein.” – “Aber die Fliesen sind doch drauf?” – “Ja, aber sie kommen doch runter.” Er etwas ungehaltener werdend: “Hm. Naja. Also 1,72 m meinen Sie. Gut.” Dann rechnet er aus, wie groß die Grundfläche des Badezimmers ist und wie viele Pakete Feinsteinzeug-Fliesen wir brauchen. In meinem Kopf rotiert es: Wie kann es sein, dass dieser eine Zentimeter auch nur den geringsten Einfluss auf die Anzahl der Pakete haben kann? Aber er war ja noch nicht fertig: “Vier Pakete. Das ist etwas mehr, als Sie an Fläche brauchen. Haben Sie den Verschnitt einkalkuliert?” – “Äh, nein?” Ich meine, wie sollte ich? Wir haben ihm die Maße genannt, er hat gerechnet. Ich habe gar nichts kalkuliert. “Sie müssen immer den Verschnitt einkalkulieren!” – “Aha.” – “Ja. Nehmen wir ein Paket Verschnitt an, das wären also fünf Pakete. Damit haben Sie mehr als genug für die Fläche.” Meine Frau schaltet sich ein: “Ich hätte gerne einen Fliesensockel von etwa vier Zentimetern umlaufend, wo keine Fliesen an die Wand kommen.” – “Die müssen Sie schneiden.” – “…?” – “Ja. Die gibt es nicht. Die müssen Sie schneiden.” – “Äh, macht das nicht der Fliesenleger?” – “Dann brauchen Sie Fliesen, die geschnitten werden.” Ich: “Ja, aber wir haben doch jetzt mit fünf Paketen deutlich mehr als an Fläche notwendig ist.” – “Sie müssen immer (!) den Verschnitt einkalkulieren!” – “Das habe ich verstanden.”

Und so weiter und so fort. So lief die Beratung bei Großvattir. Unser freundlicher Berater mit lässiger Kompetenz jonglierte während des Gesprächs Kugelschreiber, Klemmbrett, Taschenrechner und mehrere Seiten DIN-A-4-Schmierpapier, auf das er pro Seite etwa drei Zeilen platzfüllend aufbrachte, was ihn dazu zwang, weil er auch nicht dazu schrieb, wofür diese Zahlen standen, immer hin und her zu blättern und sich zu fragen, wo er das denn jetzt hätte. Wir erklärten sorgfältig und mehrfach, welche Bodenfliesen wir im Großvattir-Markt unserer Heimatstadt ausgesucht haben (hatte der Großvattir-Markt in dieser Stadt aber nicht im Sortiment), welche Wandfliesen für die Nasszelle (hatte der Großvattir-Markt in dieser Stadt aber nicht im Sortiment) und welche Fliesen für die vertikalen Akzentstreifen (hatte der Großvattir-Markt in dieser Stadt aber nicht im Sortiment). Ziemlich viel Zeit brauchten wir dazu, ihm zu erklären, wo diese Akzentstreifen genau angebracht werden sollen. Ihn nervte das sichtlich.

Dann gingen wir durch den Markt, um Heizkörper, Nasszelle etc. auszusuchen. Er notierte sich alles und sagte, was davon im Computer sei und was nicht.

“Ja, dann habe ich jetzt alles!” verkündete unser freundlicher Berater mit lässiger Kompetenz. Wir harrten hoffnungsfroh in Erwartung, dass er sich jetzt mit lässiger Kompetenz an die Tastatur setze und wie weiland Data an der Navigationskonsole der Enterprise-D seine Finger über die Tastatur fliegen ließe, damit wir unser Bad virtuell betreten könnten. – Unser freundlicher Berater schaute uns mit lässiger Kompetenz wort- und lächellos an. “Ja,” sagte ich, “das ist ja wohl alles.” und wartete hoffnungsfroh. “Ja.” sagte unser freundlicher Berater mit lässiger Kompetenz: “Ich weiß jetzt nicht, wie lange ich brauche. Normalerweise eine Woche. Aber falls jemand krank wird … aber ich habe in zwei Wochen Urlaub … also muss ich das in einer Woche schaffen. Hm. Ja. Ich schicke Ihnen dann ein Angebot zu.” Hämisch fuhr die virtuelle Kamera auf dem Bildschirm hinter ihm durch das “just for fun” animierte Badezimmer und lachte uns aus. Meine Frau etwas verdattert: “Äh, ja, wer macht das Bad? Haben Sie Handw…?” – “Also, nein! Handwerker haben wir nicht! Da brauche ich keinen zu fragen! Jetzt ist gerade jeder zuhause und jeder macht etwas. Da hat kein Handwerker Zeit. Darum müssen sie sich schon selbst kümmern!” – “Wir wollen ja die nicht gefliesten Wände verputzen: Was können …” – “Da bin ich nicht im Thema. Also die Planung, die kann ich ihnen machen. Aber was Putz angeht …!” – “Können wir das Bad denn mal … äh … ansehen?” – “Ich schicke Ihnen die Ausdrucke. Normalerweise brauche ich eine Woche. Aber falls jemand krank wird … aber ich habe ja in zwei Wochen Urlaub … also ja, nächste Woche kann ich ihnen etwas schicken. Ich habe ja Ihre Mail-Adresse.” – “Oh. Schön. Vielen Dank.”

Naja: Immerhin waren wir als Familie zusammen und sind hinterher noch schön Essen gegangen. Aber Großvattir hätten wir nicht gebraucht.

Die Funktion der Genera

Die Genera in der deutschen Sprache haben eine andere Aufgabe, als das natürliche oder ein imaginäres Geschlecht anzuzeigen. Täten sie das, wären alle Feminina als weiblich zu denken und alle Maskulina als männlich. Die Sprachfamilie hätte sich darüber einig sein müssen, welches Wort man sich wie vorzustellen habe und über jedes neue Wort hätte man sich neu klar werden und einigen müssen. Was für einen sprachlichen Sinn sollte so etwas haben? Quasi willkürlich und nicht nachvollziehbar Begriffe Geschlechtern zuordnen, um sie geschlechtlich zuzuordnen? Wozu? Welche sprachlich sinnvolle Funktion sollte das erfüllen? Das kann schlichtweg nicht sein.

Zugrunde liegt vielmehr ein Automatismus des Sprachzentrums, dem das Geschlecht einfach egal ist. Es kennt das nicht. Es kennt nur grammatikalische Funktionen und Automatismen.

Ich habe hier einmal eine willkürliche Liste von Nominalisierungen zusammengestellt:

Verben

ich tanze, du tanzt, er/sie/es tanzt

 

 

das Tanzen

 

 

die Tanzerei

ich schlafe, du schläfst, er/sie/es schläft das Schlafen der Schlaf
ich laufe, du läufst, er/sie/es läuft das Laufen die Lauferei
ich bade, du badest, er/sie/es badet das Baden das Bad
belegen das Belegen die Belegung
kapitulieren das Kapitulieren die Kapitulation
Adjektive

bedrohlich

 

 

das Bedrohen

 

 

die Bedrohung

ehrlich das Ehrliche die Ehrlichkeit
mutig das Mutige der Mut
selten das Seltene die Seltenheit
groß das Große die Größe
schnell das Schnelle die Schnelligkeit
einladend das Einladende die Einladung
offen das Offene die Offenheit

Wir sehen, dass die Genera nur in der dritten Person auftauchen, die erste und zweite in das Standardgenus fallen. Und wir sehen ein grundsätzliches Muster in der Nominalisierung: das Verb oder Adjektiv wird im ersten Schritt zu einem Neutrum, im zweiten zu einem Femininum. In meinen Beispielen gibt es da aber Ausnahmen: der Schlaf, das Bad, der Mut. Die sehen wir uns mal genauer an:

Der Schlaf ist eines dieser “neuen” *s-Wörter und im Gotischen als sleps nachgewiesen. Wikipedia setzt die Entstehung des Wortes später, nämlich im Althochdeutschen mit dem Wort slaf als Substantivierung des Verbs slafen an. Das halte ich für falsch, weil es die ältere gotische Form als *s-Wort gibt. Mit diesem verwandt sind einige Worte, die durch Wegfall des Schluss-S und des Anlaut-S nicht auf Anhieb ähnlich sehen, wie Lippe oder Lappen. Die Wurzel dafür haben wir schon kennengelernt: leb- für schlaff. Der Schlaf ist also nicht das Ergebnis der Nominalisierung des Verbs schlafen, sondern ein aus dem *er-Wort leber entstandenes *s-Wort slebs als Ursprung des Verbs.

Beim Begriff Mut stoße ich wieder an die Grenzen der Darstellbarkeit meiner Tastatur. Etymologisch taucht der Begriff als, grob vereinfacht geschrieben, moßim Gotischen als *s-Wort und maskulin auf. Auch hier gibt Wikipedia ein Verb als Ursprung, mo-, an, das für “sich mühen” stehe. Moßwird nach meinem etymologischen Wörterbuch im Gotischen in der Bedeutung von Mut und Zorn gebraucht. Den Zusammenhang, den Wikipedia findet, kann ich durchaus sehen. Aber auch hier scheint es mir eindeutig, dass das Nomen Mut früh als Maskulinum bestand.

Das Bad finde ich besonders erfreulich! Denn es hat eine Wortverwandtschaft zu einem althochdeutschen Wort für wärmenbajan. Wer weiß, dass das von mir studierte Instrument in Russland Bajan genannt wird, versteht, warum ich mich ein wenig freue. Diese Namensgleichheit ist aber reiner Zufall. Baen oder bajan kommt vom Indogermanischen bhe- für wärmen, rösten. (Obwohl ich gerade denke, da das Urindogermanische im Raum des heutigen Wolgograd beheimatet ist, kann es durchaus eine Verwandtschaft geben. Wer würde zum Beispiel auf den Gedanken kommen, dass unser Baum dem englischen beam, unsere Wolke dem englischen to walk entspricht? Die Bedeutungen sind völlig anders, aber dennoch sind das die selben Wörter, die in ihrem Ursprung dasselbe bedeuteten.)

Warum sind dann Schlaf und Mut maskulin, Bad aber sächlich? Bad bezeichnet ein Verlaufsgeschehen, Schlaf und Mut einen Zustand.

Wenn wir die Nominalisierungstabelle ansehen, erkennen wir abgesehen von diesen gerade betrachteten Ausnahmen eine klare Struktur: Das Neutrum bezeichnet ein aus dem Verb oder Adjektiv sprachlich hergeleitetes konkretes Ereignis oder Objekt, das Femininum bezeichnet eine Klasse, einen größeren Zusammenhang, über das Konkrete Hinausweisendes. So bezeichnet der eigenartige Begriff die Tanzerei ein allgemeines Geschehen und ist nicht mit dem Tanz zu verwechseln.

Es ist noch einiges zu tun, und ich befürchte fast, hier ist das etwas ins Unreine geschrieben. Aber ich wollte wenigstens signalisiert haben, dass ich an dem Thema weiter arbeite.

Diese Nominalisierung, die bei uns automatisch abläuft, spiegelt das Sprachgeschehen unserer Vorfahren. Genau auf diese Weise haben sich die Genera auch allgemein entwickelt. Denn würde irgendjemand klaren Verstandes ehrlich meinen, dass die Nominalisierungen sächlich sind, aber, wenn sie eine Klasse bezeichnen, weiblich? Warum gibt es denn keine männliche Nominalisierung, wenn die Sprache doch angeblich männlich dominiert ist? Solch eine Denkweise kann doch nur falsch sein.

Tatsächlich sind das keine Neutra oder Feminina sondern Genera, die nicht der Standardgenus sind.

Kurzer Austausch

Ich habe mich aus den sozialen Medien bereits weitgehend zurückgezogen. Meine Informationsquellen sind Zeitung, Nachrichten, seit ich nicht mehr so viel fahren muss nicht mehr Radio, und das Internet.

Hier erfuhr ich, dass diese entzückende junge Frau, Vanessa Guillen,

von ihrer Basis verschwand und jetzt Teile ihrer Leiche gefunden worden sind. Sie ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden, hatte vorher immer wieder versucht, gegen sexuelle Übergriffe in der Armee auf sie vorzugehen. Erfolglos. Nach ihrem Verschwinden waren die Ermittlungsbehörden offenbar, sagen wir mal, schwerfällig. Ihre Eltern und Freunde hielten ihr Verschwinden im Bewusstsein der Öffentlichkeit, sodass man sich gezwungen sah, weiter zu ermitteln. Fälle wie diese machen mich krank. Für mich gibt es da keinen Trost, keine Heilung.

Unter dem Beitrag zu dem Tod der jungen Frau schrieb ein Kommentator, Vanessa werde jetzt Frieden im Paradies finden. Ich antwortete, es gebe kein Paradies.

Den dann folgenden Gedankenaustausch mit einer anderen Kommentatorin stelle ich hier ein. Er ist ein seltenes Beispiel für eine ernsthafte Diskussion in den sozialen Medien, dafür, was sie sein könnten, durch Agitatoren, Trolle und Bots aber nicht sind. Und dafür, was ich über solchen “Trost” denke:

Unverfroren

Unverfroren ist ein viel zu milder Begriff. Aber Superlative sind mir schon lange ausgegangen, um die politische und gesellschaftliche Katastrophe, welche die USA heutzutage darstellt, zu kommentieren.

Ich wollte heute eigentlich einen schon angedachten realitätsfliehenden Artikel schreiben; mache ich vielleicht noch. Aber da kam mir mein Interesse am Weltgeschehen dazwischen: In vielen, besonders in von Krieg und Not betroffenen, Ländern entwickelt sich die Pandemie zu einer humanitären Katastrophe. Die, man kann es nicht anders nennen, bigotte und selbstgefällige Dämlichkeit der US-Führung sorgt dafür, das dieses hoch entwickelte Land in den Fallzahlen mit großem Abstand führt. “America first” of a kind.

Die Proteste gegen tödliche Polizeigewalt überproportional gegen afroamerikanische Bürger wurden derweil von weiteren Fällen angefacht: Ein leicht angetrunkener junger afroamerikanischer Mann, dessen Personalien bereits festgestellt worden waren und der, wie die Beamten auch feststellten, unbewaffnet war, bekam Panik und versuchte wegzulaufen. Er entwendete, als er von zwei Polizisten niedergerungen wurde, einen Taser, befreite sich, lief weg und schoss den Taser im Weglaufen auf seine Verfolger ab, ohne sie zu treffen. Ein Beamter schoss drei mal, zwei Kugeln trafen den Mann tödlich in den Rücken. Als er lag, “sicherte” der andere Beamte, indem er sich auf die Schultern des Liegenden stellte. Zwei Minuten verstrichen, bis sie medizinische Unterstützung anforderten. Der Mann starb. Der Milliardär-Darsteller im Weißen Haus sagt, der Mann habe sich nicht wehren dürfen.

Zu den vielen Vorfällen, deren Entsetzlichkeit unerträglich ist, gehört der eines 12-jährigen afroamerikanischen Jungen, der vor einigen Monaten im Park mit seiner Spielzeugpistole spielte. Anwohner alarmierten die Polizei. Der Streifenwagen fuhr vor, der Beamte eröffnete sofort das Feuer, der Junge starb noch am Ort. Wenn ich die Fälle jetzt nicht durcheinander bringe, was bei der großen Zahl durchaus sein kann, ist dieser Beamte nach wie vor im Dienst.

In den letzten Wochen wurden in der gleichen Region zwei afroamerikanische junge Männer im Abstand von 10 Tagen tot in öffentlichen Räumen an Bäumen hängend stranguliert aufgefunden. Die Polizei gab sofort als Todesursache Selbstmord an.

Während dessen sind immer noch Kinder, inzwischen seit Monaten, an der mexikanischen Grenze in Käfigen untergebracht und von den Eltern, die zurück geschickt worden sind, getrennt. Viele ohne Aussicht, je wieder von ihren Eltern gefunden zu werden. Einige der Kinder sind bereits umgekommen.

Menschenrechte bedeuten in den USA nichts mehr! Auf dem G-20-Gipfel erklärte Trump dem chinesischen Staatschef Xi, es sei richtig von ihm, Konzentrationslager für die Muslime seines Landes einzurichten. Im Weißen Haus äußerte er, er sei auch dafür, Journalisten einzusperren und ggf. hinrichten zu lassen. Der brutale Mord an dem amerikanischen Journalisten Jamal Khashoggi in der türkische Botschaft durch saudi-arabische Mörder ist für ihn demgemäß nichts Besorgniserregendes.

Trump will seine Wiederwahl-Kampagne starten. Er machte das mit einer Facebook-Anzeigenserie: Darin rief sein Wahlkampfteam zu einer “Petition” auf, die unterzeichnet werden solle. Diese “Petition” richte sich gegen Terrorismus der Antifa, Lügenpresse, Politiker und so weiter und so fort. Als Symbol wählte man ein auf der Spitze stehendes rotes Dreieck. Dieses Symbol wurde in nationalsozialistischen Konzentrationslagern für politische Gefangene und Homosexuelle verwendet. Die Zahl der Anzeigen wundert dann nicht mehr: Es sind 88. Der achte Buchstabe des Alphabets ist das H. Das ist so offensichtlich kein Zufall, dass selbst das, um es vorsichtig auszudrücken, rechts-tolerante Facebook diese Anzeigen wieder entfernt hat.

Die Maßnahmen der republikanischen Partei gegen echte demokratische Wahlen sind so vielfältig und das Wahlsystem so fehleranfällig, dass die Möglichkeit der Wiederwahl des orangen Utans trotz seiner derzeitig desaströsen Umfragewerte immer noch zu befürchten ist. Obwohl der schon von den Grundanlagen her ungebildete Doku-Soap-TV-Held sichtbar massiv abbaut, ist der Gegenkandidat Joe Biden nur noch dank seiner automatisierten politischen Routine auf den Beinen. Er ist ein extrem schwacher Kandidat und die demokratische Partei hat mit seiner Nominierung den Fehler von 2016 wiederholt, als Clinton nominiert worden war. Gut 25 % der US-Bevölkerung stehen zu Trump, egal was passiert. So schockierend das ist, das kann reichen, wenn sich die Wirtschaft der USA wieder erholt.

Die USA verstoßen massiv und brutal und absolut bewusst gegen Menschenrechte! Der Chefberater des übergewichtigen Fön-Frisur-Resthaar-Trägers ist Stephen Miller, ein misogyner Rassist und dünnes Männchen, dessen vor der Judenverfolgung in Deutschland geflohene Familie öffentlich ihr Befremden gegenüber seinen Überzeugungen bekundete. Die Erbärmlichkeit dieses Menschen zeigt sich besonders schön in einer Anekdote seiner Highschool-Zeit: Bei einem Sport-Event war ein Lauf für Mädchen angesetzt. Gegen Ende des Laufs lief der Hampelmann Miller plötzlich auf die Bahn und lief gegen die nun abgekämpften Mädchen, um die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau zu beweisen. Stephen Miller steht hinter der Idee, Kinder an der Grenze von ihren Eltern zu trennen. Der narzisstische Möchtegern-Milliardär an der Spitze ist von solchen Gestalten umgeben. Fachleute werden abgeschossen. Ebenso wie Strafverfolger, die den haufenweisen illegalen Machenschaften des Möchtegern-Moguls und seines Umfeldes auf den Spuren sind, aus ihren Ämtern entfernt werden.

Der Möchtegern-Golf-Könner wollte seine Kampagne am 19. Juni in Tulsa, Oklahoma, starten. Der 19. Juni ist ein Datum, das dafür erinnert wird, dass die Bürgerrechte für die afroamerikanische Bevölkerung nach dem Bürgerkrieg in Kraft traten und Tulsa dafür, dass eine inzwischen mittelständische afroamerikanische Bevölkerung durch brutale Gewalt aufgerieben worden ist. Nach massiven Druck verschob Trump das Event – um einen Tag auf den 20. Er erklärte, dass nur durch ihn jetzt dankenswerter Weise bekannt geworden sei, wie wichtig dieser Tag wäre. Eine Beraterin wagte zu korrigieren, dass dieser Tag öffentlich durch das Weiße Haus gewürdigt werde. Ja, meinte die personifizierte Bildungsverweigerung, aber zum ersten Mal. Nein, widersprach darauf die Beraterin, in seiner Amtszeit jetzt zum dritten Mal. “Nun, gut, man sieht meinen Punkt.”, antwortete das Bunker-Bübchen im Amt.

Dank solcher Idioten und menschengemachter Katastrophen, ausgelöst durch solche Machthaber, stehen wir vor einer globalen Katastrophe, deren Spitze noch nicht erreicht ist! Wir stehen in Deutschland vergleichsweise gut da. Dafür kann man nur dankbar sein! Aber das ist noch kein Sieg über die Pandemie. Bei weitem nicht. Dabei hätten wir die Kompetenz, das in den Griff zu bekommen. Wir haben die Wissenschaft, wir haben die Technik. Aber wir haben eben auch solche Wahnsinnigen wie Trump.