Unverfroren

Unverfroren ist ein viel zu milder Begriff. Aber Superlative sind mir schon lange ausgegangen, um die politische und gesellschaftliche Katastrophe, welche die USA heutzutage darstellt, zu kommentieren.

Ich wollte heute eigentlich einen schon angedachten realitätsfliehenden Artikel schreiben; mache ich vielleicht noch. Aber da kam mir mein Interesse am Weltgeschehen dazwischen: In vielen, besonders in von Krieg und Not betroffenen, Ländern entwickelt sich die Pandemie zu einer humanitären Katastrophe. Die, man kann es nicht anders nennen, bigotte und selbstgefällige Dämlichkeit der US-Führung sorgt dafür, das dieses hoch entwickelte Land in den Fallzahlen mit großem Abstand führt. “America first” of a kind.

Die Proteste gegen tödliche Polizeigewalt überproportional gegen afroamerikanische Bürger wurden derweil von weiteren Fällen angefacht: Ein leicht angetrunkener junger afroamerikanischer Mann, dessen Personalien bereits festgestellt worden waren und der, wie die Beamten auch feststellten, unbewaffnet war, bekam Panik und versuchte wegzulaufen. Er entwendete, als er von zwei Polizisten niedergerungen wurde, einen Taser, befreite sich, lief weg und schoss den Taser im Weglaufen auf seine Verfolger ab, ohne sie zu treffen. Ein Beamter schoss drei mal, zwei Kugeln trafen den Mann tödlich in den Rücken. Als er lag, “sicherte” der andere Beamte, indem er sich auf die Schultern des Liegenden stellte. Zwei Minuten verstrichen, bis sie medizinische Unterstützung anforderten. Der Mann starb. Der Milliardär-Darsteller im Weißen Haus sagt, der Mann habe sich nicht wehren dürfen.

Zu den vielen Vorfällen, deren Entsetzlichkeit unerträglich ist, gehört der eines 12-jährigen afroamerikanischen Jungen, der vor einigen Monaten im Park mit seiner Spielzeugpistole spielte. Anwohner alarmierten die Polizei. Der Streifenwagen fuhr vor, der Beamte eröffnete sofort das Feuer, der Junge starb noch am Ort. Wenn ich die Fälle jetzt nicht durcheinander bringe, was bei der großen Zahl durchaus sein kann, ist dieser Beamte nach wie vor im Dienst.

In den letzten Wochen wurden in der gleichen Region zwei afroamerikanische junge Männer im Abstand von 10 Tagen tot in öffentlichen Räumen an Bäumen hängend stranguliert aufgefunden. Die Polizei gab sofort als Todesursache Selbstmord an.

Während dessen sind immer noch Kinder, inzwischen seit Monaten, an der mexikanischen Grenze in Käfigen untergebracht und von den Eltern, die zurück geschickt worden sind, getrennt. Viele ohne Aussicht, je wieder von ihren Eltern gefunden zu werden. Einige der Kinder sind bereits umgekommen.

Menschenrechte bedeuten in den USA nichts mehr! Auf dem G-20-Gipfel erklärte Trump dem chinesischen Staatschef Xi, es sei richtig von ihm, Konzentrationslager für die Muslime seines Landes einzurichten. Im Weißen Haus äußerte er, er sei auch dafür, Journalisten einzusperren und ggf. hinrichten zu lassen. Der brutale Mord an dem amerikanischen Journalisten Jamal Khashoggi in der türkische Botschaft durch saudi-arabische Mörder ist für ihn demgemäß nichts Besorgniserregendes.

Trump will seine Wiederwahl-Kampagne starten. Er machte das mit einer Facebook-Anzeigenserie: Darin rief sein Wahlkampfteam zu einer “Petition” auf, die unterzeichnet werden solle. Diese “Petition” richte sich gegen Terrorismus der Antifa, Lügenpresse, Politiker und so weiter und so fort. Als Symbol wählte man ein auf der Spitze stehendes rotes Dreieck. Dieses Symbol wurde in nationalsozialistischen Konzentrationslagern für politische Gefangene und Homosexuelle verwendet. Die Zahl der Anzeigen wundert dann nicht mehr: Es sind 88. Der achte Buchstabe des Alphabets ist das H. Das ist so offensichtlich kein Zufall, dass selbst das, um es vorsichtig auszudrücken, rechts-tolerante Facebook diese Anzeigen wieder entfernt hat.

Die Maßnahmen der republikanischen Partei gegen echte demokratische Wahlen sind so vielfältig und das Wahlsystem so fehleranfällig, dass die Möglichkeit der Wiederwahl des orangen Utans trotz seiner derzeitig desaströsen Umfragewerte immer noch zu befürchten ist. Obwohl der schon von den Grundanlagen her ungebildete Doku-Soap-TV-Held sichtbar massiv abbaut, ist der Gegenkandidat Joe Biden nur noch dank seiner automatisierten politischen Routine auf den Beinen. Er ist ein extrem schwacher Kandidat und die demokratische Partei hat mit seiner Nominierung den Fehler von 2016 wiederholt, als Clinton nominiert worden war. Gut 25 % der US-Bevölkerung stehen zu Trump, egal was passiert. So schockierend das ist, das kann reichen, wenn sich die Wirtschaft der USA wieder erholt.

Die USA verstoßen massiv und brutal und absolut bewusst gegen Menschenrechte! Der Chefberater des übergewichtigen Fön-Frisur-Resthaar-Trägers ist Stephen Miller, ein misogyner Rassist und dünnes Männchen, dessen vor der Judenverfolgung in Deutschland geflohene Familie öffentlich ihr Befremden gegenüber seinen Überzeugungen bekundete. Die Erbärmlichkeit dieses Menschen zeigt sich besonders schön in einer Anekdote seiner Highschool-Zeit: Bei einem Sport-Event war ein Lauf für Mädchen angesetzt. Gegen Ende des Laufs lief der Hampelmann Miller plötzlich auf die Bahn und lief gegen die nun abgekämpften Mädchen, um die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau zu beweisen. Stephen Miller steht hinter der Idee, Kinder an der Grenze von ihren Eltern zu trennen. Der narzisstische Möchtegern-Milliardär an der Spitze ist von solchen Gestalten umgeben. Fachleute werden abgeschossen. Ebenso wie Strafverfolger, die den haufenweisen illegalen Machenschaften des Möchtegern-Moguls und seines Umfeldes auf den Spuren sind, aus ihren Ämtern entfernt werden.

Der Möchtegern-Golf-Könner wollte seine Kampagne am 19. Juni in Tulsa, Oklahoma, starten. Der 19. Juni ist ein Datum, das dafür erinnert wird, dass die Bürgerrechte für die afroamerikanische Bevölkerung nach dem Bürgerkrieg in Kraft traten und Tulsa dafür, dass eine inzwischen mittelständische afroamerikanische Bevölkerung durch brutale Gewalt aufgerieben worden ist. Nach massiven Druck verschob Trump das Event – um einen Tag auf den 20. Er erklärte, dass nur durch ihn jetzt dankenswerter Weise bekannt geworden sei, wie wichtig dieser Tag wäre. Eine Beraterin wagte zu korrigieren, dass dieser Tag öffentlich durch das Weiße Haus gewürdigt werde. Ja, meinte die personifizierte Bildungsverweigerung, aber zum ersten Mal. Nein, widersprach darauf die Beraterin, in seiner Amtszeit jetzt zum dritten Mal. “Nun, gut, man sieht meinen Punkt.”, antwortete das Bunker-Bübchen im Amt.

Dank solcher Idioten und menschengemachter Katastrophen, ausgelöst durch solche Machthaber, stehen wir vor einer globalen Katastrophe, deren Spitze noch nicht erreicht ist! Wir stehen in Deutschland vergleichsweise gut da. Dafür kann man nur dankbar sein! Aber das ist noch kein Sieg über die Pandemie. Bei weitem nicht. Dabei hätten wir die Kompetenz, das in den Griff zu bekommen. Wir haben die Wissenschaft, wir haben die Technik. Aber wir haben eben auch solche Wahnsinnigen wie Trump.

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