Unverfroren

Unverfroren ist ein viel zu milder Begriff. Aber Superlative sind mir schon lange ausgegangen, um die politische und gesellschaftliche Katastrophe, welche die USA heutzutage darstellt, zu kommentieren.

Ich wollte heute eigentlich einen schon angedachten realitätsfliehenden Artikel schreiben; mache ich vielleicht noch. Aber da kam mir mein Interesse am Weltgeschehen dazwischen: In vielen, besonders in von Krieg und Not betroffenen, Ländern entwickelt sich die Pandemie zu einer humanitären Katastrophe. Die, man kann es nicht anders nennen, bigotte und selbstgefällige Dämlichkeit der US-Führung sorgt dafür, das dieses hoch entwickelte Land in den Fallzahlen mit großem Abstand führt. “America first” of a kind.

Die Proteste gegen tödliche Polizeigewalt überproportional gegen afroamerikanische Bürger wurden derweil von weiteren Fällen angefacht: Ein leicht angetrunkener junger afroamerikanischer Mann, dessen Personalien bereits festgestellt worden waren und der, wie die Beamten auch feststellten, unbewaffnet war, bekam Panik und versuchte wegzulaufen. Er entwendete, als er von zwei Polizisten niedergerungen wurde, einen Taser, befreite sich, lief weg und schoss den Taser im Weglaufen auf seine Verfolger ab, ohne sie zu treffen. Ein Beamter schoss drei mal, zwei Kugeln trafen den Mann tödlich in den Rücken. Als er lag, “sicherte” der andere Beamte, indem er sich auf die Schultern des Liegenden stellte. Zwei Minuten verstrichen, bis sie medizinische Unterstützung anforderten. Der Mann starb. Der Milliardär-Darsteller im Weißen Haus sagt, der Mann habe sich nicht wehren dürfen.

Zu den vielen Vorfällen, deren Entsetzlichkeit unerträglich ist, gehört der eines 12-jährigen afroamerikanischen Jungen, der vor einigen Monaten im Park mit seiner Spielzeugpistole spielte. Anwohner alarmierten die Polizei. Der Streifenwagen fuhr vor, der Beamte eröffnete sofort das Feuer, der Junge starb noch am Ort. Wenn ich die Fälle jetzt nicht durcheinander bringe, was bei der großen Zahl durchaus sein kann, ist dieser Beamte nach wie vor im Dienst.

In den letzten Wochen wurden in der gleichen Region zwei afroamerikanische junge Männer im Abstand von 10 Tagen tot in öffentlichen Räumen an Bäumen hängend stranguliert aufgefunden. Die Polizei gab sofort als Todesursache Selbstmord an.

Während dessen sind immer noch Kinder, inzwischen seit Monaten, an der mexikanischen Grenze in Käfigen untergebracht und von den Eltern, die zurück geschickt worden sind, getrennt. Viele ohne Aussicht, je wieder von ihren Eltern gefunden zu werden. Einige der Kinder sind bereits umgekommen.

Menschenrechte bedeuten in den USA nichts mehr! Auf dem G-20-Gipfel erklärte Trump dem chinesischen Staatschef Xi, es sei richtig von ihm, Konzentrationslager für die Muslime seines Landes einzurichten. Im Weißen Haus äußerte er, er sei auch dafür, Journalisten einzusperren und ggf. hinrichten zu lassen. Der brutale Mord an dem amerikanischen Journalisten Jamal Khashoggi in der türkische Botschaft durch saudi-arabische Mörder ist für ihn demgemäß nichts Besorgniserregendes.

Trump will seine Wiederwahl-Kampagne starten. Er machte das mit einer Facebook-Anzeigenserie: Darin rief sein Wahlkampfteam zu einer “Petition” auf, die unterzeichnet werden solle. Diese “Petition” richte sich gegen Terrorismus der Antifa, Lügenpresse, Politiker und so weiter und so fort. Als Symbol wählte man ein auf der Spitze stehendes rotes Dreieck. Dieses Symbol wurde in nationalsozialistischen Konzentrationslagern für politische Gefangene und Homosexuelle verwendet. Die Zahl der Anzeigen wundert dann nicht mehr: Es sind 88. Der achte Buchstabe des Alphabets ist das H. Das ist so offensichtlich kein Zufall, dass selbst das, um es vorsichtig auszudrücken, rechts-tolerante Facebook diese Anzeigen wieder entfernt hat.

Die Maßnahmen der republikanischen Partei gegen echte demokratische Wahlen sind so vielfältig und das Wahlsystem so fehleranfällig, dass die Möglichkeit der Wiederwahl des orangen Utans trotz seiner derzeitig desaströsen Umfragewerte immer noch zu befürchten ist. Obwohl der schon von den Grundanlagen her ungebildete Doku-Soap-TV-Held sichtbar massiv abbaut, ist der Gegenkandidat Joe Biden nur noch dank seiner automatisierten politischen Routine auf den Beinen. Er ist ein extrem schwacher Kandidat und die demokratische Partei hat mit seiner Nominierung den Fehler von 2016 wiederholt, als Clinton nominiert worden war. Gut 25 % der US-Bevölkerung stehen zu Trump, egal was passiert. So schockierend das ist, das kann reichen, wenn sich die Wirtschaft der USA wieder erholt.

Die USA verstoßen massiv und brutal und absolut bewusst gegen Menschenrechte! Der Chefberater des übergewichtigen Fön-Frisur-Resthaar-Trägers ist Stephen Miller, ein misogyner Rassist und dünnes Männchen, dessen vor der Judenverfolgung in Deutschland geflohene Familie öffentlich ihr Befremden gegenüber seinen Überzeugungen bekundete. Die Erbärmlichkeit dieses Menschen zeigt sich besonders schön in einer Anekdote seiner Highschool-Zeit: Bei einem Sport-Event war ein Lauf für Mädchen angesetzt. Gegen Ende des Laufs lief der Hampelmann Miller plötzlich auf die Bahn und lief gegen die nun abgekämpften Mädchen, um die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau zu beweisen. Stephen Miller steht hinter der Idee, Kinder an der Grenze von ihren Eltern zu trennen. Der narzisstische Möchtegern-Milliardär an der Spitze ist von solchen Gestalten umgeben. Fachleute werden abgeschossen. Ebenso wie Strafverfolger, die den haufenweisen illegalen Machenschaften des Möchtegern-Moguls und seines Umfeldes auf den Spuren sind, aus ihren Ämtern entfernt werden.

Der Möchtegern-Golf-Könner wollte seine Kampagne am 19. Juni in Tulsa, Oklahoma, starten. Der 19. Juni ist ein Datum, das dafür erinnert wird, dass die Bürgerrechte für die afroamerikanische Bevölkerung nach dem Bürgerkrieg in Kraft traten und Tulsa dafür, dass eine inzwischen mittelständische afroamerikanische Bevölkerung durch brutale Gewalt aufgerieben worden ist. Nach massiven Druck verschob Trump das Event – um einen Tag auf den 20. Er erklärte, dass nur durch ihn jetzt dankenswerter Weise bekannt geworden sei, wie wichtig dieser Tag wäre. Eine Beraterin wagte zu korrigieren, dass dieser Tag öffentlich durch das Weiße Haus gewürdigt werde. Ja, meinte die personifizierte Bildungsverweigerung, aber zum ersten Mal. Nein, widersprach darauf die Beraterin, in seiner Amtszeit jetzt zum dritten Mal. “Nun, gut, man sieht meinen Punkt.”, antwortete das Bunker-Bübchen im Amt.

Dank solcher Idioten und menschengemachter Katastrophen, ausgelöst durch solche Machthaber, stehen wir vor einer globalen Katastrophe, deren Spitze noch nicht erreicht ist! Wir stehen in Deutschland vergleichsweise gut da. Dafür kann man nur dankbar sein! Aber das ist noch kein Sieg über die Pandemie. Bei weitem nicht. Dabei hätten wir die Kompetenz, das in den Griff zu bekommen. Wir haben die Wissenschaft, wir haben die Technik. Aber wir haben eben auch solche Wahnsinnigen wie Trump.

Eskapismus – oder: Das Ende Comic-Hollywoods?

Professioneller Musiker zu sein, ist nicht normal. Man arbeitet nicht normal, man engagiert sich nicht normal, man lebt nicht normal. Man arbeitet viel und intensiv, ohne dass es jemand wahrnehmen würde. Ohne diese Arbeit würde es aber nicht funktionieren. Das ist für mich erst emotional bewusst geworden, seit ich wieder gesund bin und für einen vernünftigen Arbeitgeber arbeite. Jetzt, mit etwas mehr Zeit für mich, merke, spüre, fühle ich erst so richtig, wie sehr ich an mir selbst Raubbau betrieben habe. Fast zu spät, aber eben doch noch rechtzeitig.

Man versucht als Musiker, ein normales Leben zu führen, Familie, Freizeit, Hobbys unterzubringen. Aber es ist schwieriger, als man sich das vorstellen mag. Ich übe (übte?) gerne. Stundenlang am Instrument zu arbeiten war für mich nie ein Problem. Beim Üben hatte ich echte Freude, war glücklich. Danach hatte ich immer ein gutes, erhebendes, entspanntes Gefühl. Deshalb dachte ich, dass es nicht so schlimm sein kann, wenn man weniger Zeit für anderes hat. Denn man hat doch so gerne am Instrument gesessen oder arrangiert oder komponiert, nicht wahr?

Nicht wahr. Ich weiß nicht, wie wissenschaftlich die Bezeichnungen “Disstress und Eustress” sind für “schlechten” und “guten” Stress. Aber eindeutig ist doch wohl, dass Üben bedeutet, sich mental und seinen Körper stundenlang einseitig zu belasten. Dafür muss man Ausgleich schaffen. Und das ist bei dem intensiven Tagesablauf in der Selbständigkeit viel schwerer, als man glauben sollte. Irgendetwas oder irgendwer leidet immer darunter, nicht bedacht zu werden, weil das Musikerleben, wenn man nicht irgendwo angestellt ist oder seine Schäfchen bereits im Trockenen hat, Zeit und Energie fordert.

Ich mache gerne meinen “Sport” (Anführungszeichen, weil das nur eine körperliche Beschäftigung für mich allein, ohne Partner, ohne Wettkampf, ohne jeden Show-Effekt ist), was viel, viel zu kurz gekommen ist, als ich noch selbständig und beim vorigen Arbeitgeber war. Ich lese gerne, insbesondere Sachbücher. Und ich bin Filmfan. Es gab eine Zeit, da dachte ich, ich wäre sogar Film-Nerd. Dann lernte ich einen meiner besten Freunde kennen. Buchautor, Drehbuch-Autor (ein echter mit echten Filmen), Journalist. Der Mann schwimmt in einem Ozean aus Film-Wissen, hat und hatte Bekannte und Arbeitskollegen in der Branche und analysiert vortrefflich Neuerscheinungen. Seitdem ist mir klar, dass ich doch kein Nerd bin. In gewisser Weise auch beruhigend.

Aber das ist er, mein Eskapismus, meine Realitätsflucht, meine Erholung und Stimulation. Dabei habe ich eigentlich keine besonderen Vorlieben, bin aber kein Freund des Horror-Genres. Grusel ja, Horror nein, aber selbst das ist nicht so rigoros trennbar, denn einer der großartigsten Filme ist ein Horror-Film: “Alien” mit der wunderbaren Sigourney Weaver.

Aktuelles Foto. Was für eine tolle Frau!

Und damit wären wir auch schon bei dem Thema, das mich gerade total eskapistisch beschäftigt. Aber weil ich gerade unter blauem Himmel im Schatten unserer Gartenbäume von Vögeln umzwitschert bei einer schönen Tasse Earl Grey in dem Wetter angemessen spärlicher Bekleidung (ich kann Phantasie anregen wie ein Teufel!) auf der Liege liege und die Gedanken schweifen lasse, mache ich es nicht so einfach, jetzt das Thema einfach zu nennen! Nein, lieber Leser! Ich beschreibe mal einfach nacheinander verschiedene Filme oder Franchises und würde mich freuen, wenn irgendwer mit mir meinen gerechten Zorn teilen würde.

Dr. Who

Den Anfang macht die älteste TV-Serie der Welt. Ich habe nur wenig davon gesehen. Mögen es insgesamt höchstens 10 Folgen gewesen sein? Darunter war aber eine, die mich tief beeindruckt hat und maximalen emotionalen Einschlag hatte: “The Angels Take Manhatten”. Für alle, denen Dr. Who nichts sagt, erkläre ich hier kurz, was es damit auf sich hat:

Dr. Who ist der letzte Überlebende seiner Rasse, den Timelords. Er reist mit seiner Tardis durch Raum und Zeit. Die Tardis ist äußerlich eine blaue Polizei-Notruf-Zelle, im Innern aber quasi unendlich groß und eine eigene Dimension (so ungefähr, ohne die echten Kenner ärgern zu wollen). Wenn der Doktor, der keinen Namen hat (bzw. wird dieser nicht genannt: Er stellt sich nur als “Der Doktor” vor. Wenn dann jemand fragt, “Doktor wer?” antwortet er: “Richtig.”) bei seinem ständigen Bemühen, Gutes zu bewirken, stirbt, regeneriert er, nimmt einen Teil seiner Erinnerungen in die neue Regeneration mit, ist dabei aber ein neuer Charakter. Zwölf mal insgesamt kann ein Timelord regenerieren. Bei seiner Reise rekrutiert er ihm besonders wertvoll oder liebenswert erscheinende menschliche Begleiter, die für den Zuschauer die Identifikationsfigur bilden und seine Aktionen aus menschlicher Sicht kommentieren.

In der oben genannten Folge mit dem charmant-witzigen Matt Smith als Dr. Who

Der Dr. Who, den ich am besten kenne und der mir als Typ sehr gut gefällt.

geht es darum, dass sich dämonenhafte Wesen, “weinende Engel”, als unbewegliche Steinstatuen nur dann bewegen können, wenn niemand sie ansieht. Sie schleichen sich dann langsam Stück für Stück an ihre Opfer heran und töten sie grausig. Bei dieser ausgezeichneten, gruseligen und herzzerreißenden Episode können Dr. Who und seine beiden Begleiter den unheimlichen Feind nicht besiegen und seinen Begleitern, das Mädchen ist die unwahrscheinlich entzückende und witzige Karen Gillan,

Karen Gillan nach der Dr.-Who-Serie in den neuen (empfehlenswerten) Jumanji-Verfilmungen.

bleibt nur die Flucht in die Vergangenheit und der endgültige Abschied vom Dr. ohne Aussicht auf ein Wiedersehen.

Dr. Who wurde erstmals 1963 ausgestrahlt. In der ersten Staffel wurden der Kanon der Serie bereits wie beschrieben etabliert. Nachdem nun 12 Schauspieler Dr. Who verkörpert hatten, war demnach keine 13 Inkarnation mehr möglich. Die Autoren schrieben sich da mit der Erfindung besonderer Umstände heraus. Die produzierende BBC beauftragte Chris Chibnell damit, Dr. Who in das neue Jahrzehnt zu führen und etwas ganz Radikales, total Unerhörtes, Revolutionäres und vorher noch nie Dagewesenes zu machen: Eine Frau soll die Hauptrolle spielen! Unfassbar, oder? Eine Frau? Als Science-Fiction-Heldin? Boah, raffiniert!

Gut, man behauptet jetzt also einfach, dass die bisherigen Inkarnationen des Timelords Dr. Who Männer waren, er aber jetzt eben eine Frau ist. Wer will etwas dagegen haben? Doch nur Sexisten, oder? Aber man kann noch mehr tun, dachten sich Herr Chibnell und seine Autoren: Wer die Timelords sind, wie sie lebten, was ihnen passierte ist nur in Fragmenten offenbart. Das Geheimnis um sie macht einen großen Teil der Serie aus. Nun wird aber dieses Geheimnis gelüftet! Und das sieht so aus: Der allererste Dr. Who

Der erste Dr. Who (William Hartnell) ist gar nicht der erste! Bätsch!

ist gar nicht der allererste der Serie! Nein, der allererste ist eine große, dunkelhäutige Frau, die, wenn ich das richtig verstanden habe, was bei diesem verquasten Unsinn wahrlich nicht so einfach ist, bei einem Experiment eines höheren Wesens mehrfach als Kind umgebracht wurde, um wiedergeboren zu werden, bis es unendliche Regenerationsfähigkeit besaß. Oder so. Dr. Who waren immer Frauen.

Dr. Who in seiner gendergerechten Inkarnation, die von den Männern vergessen worden war. Hier wirkt Jodie Whittaker sehr sympathisch. Ich habe in eine Folge rein gesehen: Eine Eichenbohle entwickelt mehr Charisma.

Die männlichen Dres. haben es nur vergessen. Wirklich! So geht das jetzt!

Ich könnte noch viel schreiben, aber gehe zum nächsten Film:

James Bond

Der aktuelle James-Bond-Start wurde wegen der Corona-Krise verschoben. Die Handlung, so weit man sie kennt: James Bond (Daniel Craig)

Der körperlichste Bond von allen. In der Kampf-Action knallhart und überzeugend. Aber auch der Bond, der am wenigsten Spaß an seiner Arbeit zu haben scheint und am schwersten leiden muss.

ist im Ruhestand. Eine internationale Krise veranlasst M., ihn wieder in den Dienst zu berufen. Der effektivste und berühmteste Agent ihrer Majestät wird aber am Eingang von MI6 nicht mehr erkannt. Als er sich als 007 zu erkennen geben will, erfährt er, dass seine Agenten-Nummer neu vergeben worden ist. 007 ist jetzt eine kräftige und ihm mindestens gleich große afroanglische Frau.

Gestatten? Die neue 007 (Lashana Lynch). Denn jetzt wird auch endlich Bond zur richtigen Bond …

Bond versucht, sie anzubaggern, sie lässt ihn mit einem coolen Spruch abblitzen – und ihm fällt dazu nichts ein, sodass er dumm stehen bleibt. Ist doch witzig, oder? Haha.

Ach, gehen wir einfach mal weiter:

Terminator

Dieser Film ist ein echter Lehnenkraller! Arnold Schwarzeneggers Terminator gehört zum Einschüchterndsten, Bedrohlichsten, Spannendsten, was ich im Kino je gesehen habe.

Die Stop-Motion-Technik des Endoskeletts war state of the art, aber dennoch ruckelig. Nun ist aber gerade dieses Ruckelige etwas, das den Killer-Roboter noch zusätzlich entmenschlicht und bedrohlich macht.

Der T800 (Arnold Schwarzenegger und verschiedene Puppen) wird in das Jahr 1984 geschickt, um als letzten Ausweg zum Sieg der Maschinen über die Menschen im Jahr 2029 die Mutter des Führers des menschlichen Widerstands umzubringen. Der T800 ist ein computergesteuertes Metall-Endoskelett mit menschlich-organischem “Überzug”. Der T800 tötet zielstrebig, über-effektiv, unaufhaltsam und emotionslos. John Connor, der spätere Sohn und Widerstandsführer, kann einen eigenen Soldaten, Kyle Reese, in die Vergangenheit schicken, um seine Mutter zu schützen. Wir sehen in dem Film eine grandiose Performance der Schauspieler (ja, auch Schwarzeneggers) und eine Heldin, Sarah Connor gespielt von Linda Hamilton, die von einer lebenslustig naiven jungen Frau, die sich als Kellnerin von Kindern terrorisieren lassen muss, zu einer überforderten, verängstigten, verzweifelten Gejagten wandelt und schließlich all ihre Ängste, ihre Verzweifelung, ihre Trauer überwinden muss, um sich gegen ihren maschinenhaften Mörder zu wehren.

In der Fortsetzung wird der T1000 in die Vergangenheit geschickt, um den jungen John Connor zu töten. Ein dem ersten Teil baugleicher T800 wird ausgesandt, um ihn zu verteidigen. Sarah Connor ist inzwischen eine verhärmte Kämpferin, die in ihrem Sohn nicht mehr das Kind, sondern den zu beschützenden Retter der Menschheit sieht. John leidet darunter, entwickelt sich während der Ereignisse zu einer reiferen und gefestigteren Persönlichkeit und entwickelt starke emotionale Bindungen. Der T800 wandelt sich von einer der Programmierung folgenden Maschine durch Entfernung eines Sperrchips und damit freiem Zugang zum gesammelten Input und der Fähigkeit, Informationen zu ordnen und zu bewerten, zu einer Emotionen verstehenden aber nicht nachbilden könnenden Entität und wird von der programmierten  Waffe zum verstehenden Beschützer und Vaterersatz für John. Ihm wird der Wert des Lebens klar, und schließlich opfert er sich dafür selbst. Der T1000 ist ein flüssig-fester Formwandler, der menschliche Beziehungen erfolgreich genug imitieren kann, um seine Ermittlungen klug durchzuführen. Seine einzigen emotionsähnlichen Regungen sind rudimentäre Neugier, wenn er seine Opfer beim Sterben beobachtet, und ebenso rudimentäre Angst, als er selbst sein Ende vor sich sieht. Als Sarah die bewusste Entscheidung getroffen hat, dass der verantwortliche Wissenschaftler getötet werden muss, um die Katastrophe zu verhindern, geht sie mit eiskalter Präzision und determiniertem Willen vor. Dann aber bricht sie vor dem finalen Schuss ab, weil sie eben keine Tötungsmaschine und eben auch kein psychopathischer Mörder, sondern eine Frau ist, die sich gezwungen sah, ihre Gefühle zu unterdrücken.

Nach mehreren vergessenswerten Filmen versuchte man jetzt einen Neustart. Und der geht so:

Sarah Connor und ihr Sohn John haben Skynet, das Unternehmen, das für die nahezu komplette Vernichtung der Menschheit und für die Terminatoren verantwortlich ist, besiegt. Sie sind am Strand und erholen sich kurz nach den Ereignissen des letzten Films. Da taucht ein T800 (Arnold Schwarzenegger) auf, erschießt den Jungen und lässt Sarah verzweifelt zurück. Die Geschehnisse sehen dann wie folgt aus (und bitte: So etwas denken sich Menschen aus und halten das für gute und raffinierte Unterhaltung!):

Der emotionslose T800 hat nach dem Mord an John Connor keine Aufgabe mehr und wandert ziellos umher. Er wird Zeuge, wie ein Mann seine Frau misshandelt und bringt ihn um, um sie zu schützen. (Ja, richtig gelesen.) Daraufhin nimmt er die Rolle des Mannes ein und sorgt für die Familie, indem er in einer Fabrik arbeitet. (Ja, richtig gelesen.) Es wird Wert darauf gelegt, dass er mit der Frau nie Geschlechtsverkehr ausübt. (Ja, richtig gelesen.) Weil er immer, wenn ein Terminator aus der Zukunft ankommt, diese Ankunft wahrnimmt, schickt er jedes Mal an Sarah Connor die Koordinaten dieses Terminators mit der Bemerkung “Für John”. Sie zieht dann los und eliminiert diese Terminatoren routiniert. (Ja, richtig gelesen. Und das waren erwachsene Männer, keine vorpubertären 12-Jährigen, die sich das ausdachten. Männer, die denken, das wäre Unterhaltung für Erwachsene. Aber dabei bleiben, denn es geht ja noch weiter!)

Und so kommt Sarah Connor auf einer Brücke an, wo ein Terminator, dessen Bezeichnung so vergessenswert war wie der Schauspieler, also kann ich mit beidem nicht dienen, in einer lächerlichen Action-Sequenz versucht, ein junges Mädchen und ihre Beschützerin zu töten. Das Mädchen ist ein total liebes Mädchen, das sich rührend um ihren Vater (?, ist aber egal) kümmert.

So niedlich und unschuldig sah Sarah Connor am Anfang auch aus. Nur: Am Ende war sie ein anderer Mensch! Dieses Mädchen nicht. Aber: Diese dünnen Ärmchen dieses kleinen Mädchens können gewaltige Waffen halten und bedienen! Jawollja!

Die Beschützerin ist ein menschlich-kybernetischer Organismus, der nach jedem Kampf gekühlt werden muss, weil er sonst innerlich verkocht, nur mit Medikamenten lebensfähig ist und nur eine stark begrenzte Lebenszeit hat. Das Gehirn ist menschlich. Die sehr schlanke, sehr große Frau ist menschlich. Aber sie hat nicht einen Augenblick lang in diesem Film ein echtes Problem mit ihrem Schicksal. Auf der Brücke steigt also mit eiskalter Mine Sarah Connor aus ihrem Truck, nimmt eine Panzerabwehrrakete und schießt damit den Terminator in die Schlucht, um ihm noch eine Granate hinterher zu werfen. Cool von der Explosion sonnenbebrillt weggehend sagt sie lässig: “Kommt mit mir, wenn ihr leben wollt.” (Ja, alles richtig gelesen. So ist das in dem Film. Aber es kommt noch toller!) [EDIT: Falsch erinnert. Sie sagt den anderen ikonischen Oneliner: “I´ll be back.”]

Man findet den T800, der sich jetzt Carl nennt, und es stellt sich heraus: Nicht John Connor ist der Retter der Welt! Nahein! Es ist dieses total nette, etwa 1,50 Meter große, schlanke, niedliche Mädchen, das so total entschlossen und kämpferisch zu gucken versucht! Sie muss jetzt an Waffen ausgebildet werden! Das wird dann mal eben gemacht und – wir freuen uns im Kino alle sehr – sie macht das ganz, ganz toll! Auf Anhieb! So ein tolles Mädchen! So tough! Wir sind alle für sie!

Eindeutig: Die Waffe ist genau richtig für dieses kleine Mädchen! Sieht absolut sicher und glaubwürdig aus. Kriegt die hin. Ganz sicher. Übrigens: Das ist ein echter Shot aus dem Film. Einem Action-Kracher. Kein Zufallsphoto von einem Grillnachmittag mit Feunden.

Showdown, große Beschützer-Tante und T800 opfern sich, böser Terminator … äh … terminiert: Film 1 und 2 waren ohne Bedeutung. Denn die Rettung bringen diese Frauen! Und nicht etwa, indem sie sich charakterlich entwickeln, menschlich fehlerhaft und gar Mutter eines Kriegers wären! Nein! Sie selbst. Hobbitgroß, aber können mit Wummen ballern und Roboter verprügeln!

Da sind sie: Die drei Frauen, die die Menschheit retten. Unterwältigend …

Regisseur Tim Miller findet aber alles toll:

Aha. Wer den Film nicht mag, ist ein frauenfeindlicher Internet-Troll und ihm wird die Angst eingetrieben (frei übersetzt aus offensichtlichen Gründen).

Also diese schlanke, junge Dame im Tanktop soll einem Angst einjagen. Hm … tja … eigentlich … nicht so sehr …
Bei dem hier, ja, jetzt würde ich die Beine in die Hand nehmen.

Der Film floppte böse. Miller versteht öffentlich nicht, warum, und mutmaßt: Franchise-Müdigkeit oder toxische Frauenfeindlichkeit. Dass der Film auf mehreren Ebenen absoluter Unsinn ist, kommt ihm nicht in den Sinn.

Aber ich bin noch nicht fertig:

Star Wars

Eine ferne Galaxie vor unbestimmt langer Zeit wird von einem bösen Imperium beherrscht. Die Herrscher verfügen über eine quasi-magische Kraft, die “dunkle Seite der Macht”. Ein naiver Junge vom Land, Luke Skywalker, lernt im Verlauf von drei Filmen, das ihm und seiner ihm unbekannte Zwillings-Schwester die Aufgabe quasi vorbestimmt ist, gegen diese dunkle Seite anzutreten. Luke ist besonders begabt mit der guten Seite dieser “Macht”, kann einen wichtigen Etappensieg erringen, tritt zu früh und ungeschult gegen den Großmeister der dunklen Seite an, der ihn schlägt, aber nicht tötet, weil Luke durch einen vermeintlichen Sturz in den Tod für ihn selbst überraschend entkommt. Gefährte der Geschwister ist Han Solo, ein skrupelloser aber charmanter Schmuggler, bei dem für lange Zeit nie ganz klar ist, wie sehr man ihm vertrauen kann. Gemeinsam erringen sie schließlich den Sieg über die dunkle Seite, indem Luke aufopferungsvoll kämpft und es ihm gelingt, der Verlockung der dunklen Seite zu widerstehen. Sein Gegner, der Großmeister und sein leiblicher Vater, wird schließlich von seinen Vatergefühlen für Luke geleitet und opfert sich für dessen Leben und dessen Sieg auf.

Über die neu geschnittenen Fassungen dieser Trilogie und die Prequel-Trilogie verliere ich kein Wort. Na, vielleicht diese: Bonbonbunter Bombast. Operettenhafte Geckenhaftigkeit, die versucht, Oper zu sein, wobei der Schöpfer den Wert seiner ersten Arbeit selbst nicht erkennt und deshalb vollständig daran vorbei arbeitet.

Jetzt kam es zum Abschluss der größten Kino-Saga der Film-Geschichte mit einer neuen Trilogie. Im Zentrum der Handlung steht ein junges Mädchen, das von vornherein über so viel Macht verfügt, dass Luke nur staunen könnte. Was er dann auch tut, als sie ihn in einem Kampf besiegt und buchstäblich auf den Hintern setzt. Sie übersteht alle Kämpfe nicht nur, sondern versohlt ihren Gegnern auch gerne kräftig den Pöter. Was passiert aber mit den originalen Helden? Han Solo und Leia sind ein Paar geworden und haben einen Sohn. Irgendwie steigt die dunkle Seite der Macht wieder auf und vor allem: Das in den vorigen Filmen besiegte Imperium ist gar nicht wirklich besiegt! Wie ärgerlich. Haben wir uns doch wieder zu früh gefreut und Luke, Han und Leia waren gar nicht so toll, wie wir dachten.

Leia führt den Widerstand und zieht den Jungen groß. Was verantwortungsvolle Frauen so tun. Was tut der Ehemann? Er verscherbelt seine im Widerstand erworbene Medaille, um sich zu betrinken, verlässt Frau und Kind, um wieder als Schmuggler umher zu ziehen. Aber auch Luke taugt nichts mehr. Er zieht sich verbittert als Einsiedler zurück und hängt an der Brust. Ja, richtig gelesen: Er melkt große, auf ihrem Hinterteil sitzende Rüsseltiere, die mit menschlich aussehenden Brüsten ausgestattet sind. Daraus saugt er dann die Milch und füllt sie in seine Flasche ab. Und das, meine Damen und Herren, ist eine deutliche Bildsprache: Der vorgebliche Held, der Mann hängt an der Brust und sabbert sich die Milch in den Bart. Beweise? Gerne doch, bitte sehr:

“Das”, lacht uns der Film höhnisch ins Gesicht, “das ist euer angeblicher Held! HAHAHA!”

Han und Leia haben als Eltern allerdings versagt, denn der böse Bube ist der dunklen Seite der Macht zugeneigt wie sein Opa. Um das zu bekräftigen, bringt er seinen Papa, den Helden der originalen Saga, mit dem selbst zusammengelöteten Laserschwert um, als dieser ihn väterlich umarmen will. Dessen best friend for life Luke lässt das allerdings ziemlich unbeeindruckt. Männer! Was soll man machen …

Dieser andere Held der originalen Saga, Luke, tritt sang- und klanglos aus dem Leben. Leia dann auch irgendwann. Spielen aber alle keine Rolle. Denn das total begabte Mädchen versohlt allen böswatzigen Böswatzen aber sowas von den Hintern! Ach ja: Der seinen Vater umgebracht habende ständig weinerliche Möchtegern-Großmeister der dunklen Seite, wird natürlich auch tödlich geschlagen.

Wir lernen: Die alten Helden und ihre männlichen Abkömmlinge sind Weicheier, die nichts auf die Kette bekommen haben. Die Macht, “The Force” auf englisch, ist nur wirklich stark in diesem Mädchen. Die Produzentin und ihr Team, der wir dieses großartige Meisterwerk zu verdanken haben (sie im schwarzen T-Shirt):

“Die Macht ist weiblich.” Ach so! Das hätte mal jemand dem Luke sagen sollen. Wär´ der doch gleich auf seiner Farm geblieben.

Aber kein Problem! Es gibt ja noch andere Helden! Gucken wir doch mal nach:

Ghostbusters

Drei Forscher des Paranormalen, ein Hallodri, der das nur als Mittel für einen lässigen Lebenswandel betreibt, ein Naivling, der fest an Übersinnliches glaubt und mit Fachwissen glänzt, und ein wissenschaftliches Genie gründen eine Firma zur Geisterbekämpfung. Bald kriegen sie alle Hände voll zu tun, weil in zwei Filmen Portale in die dämonischen Dimensionen geöffnet werden und die Vorboten Angst und Schrecken verbreiten.

War total erfolgreich: Machen wir neu, dachte sich Paul Feig, ein popanziger, overdressed herumlaufender “Regisseur”.

Gefällt sich: Paul Feig.

Idee: Jetzt sind die Ghostbuster weiblich! Und die vorige Sekretären, mit Mutterwitz und frecher Intelligenz ausgestattet, wird von einem männlichen Sekretär ersetzt, der zu dumm ist, ein Butterbrot zu schmieren, aber total sexy! So witzig! Dann dreht man Punkt für Punkt den alten Film mit neuer Technik nach, macht aber alles größer, bunter, lauter! Knaller-Idee! Und weil man doch so witzige weibliche Comedians an Bord hat, sagt man als Regieanweisung: “Improvisiert doch mal was Lustiges!” Und schon schreien, toben, quatschen, schießen, lachen, blödeln die Frauen total lustig durcheinander und purzeln, hohoho, hahaha, übereinander! Und wer das jetzt nicht sehen will oder doof findet, der ist ein böser Frauenfeind. Ich schreibe das hier hin, und es ist übertrieben formuliert. Aber exakt das war und ist der Vorwurf des Regisseurs! Der Film sei großartig, die Frauen toll, aber es gebe ja das toxische Patriarchat und die Frauenfeindlichkeit. Die sind so gemein! Und er so für Frauen!

Was bringt die Zukunft?

Marvel Cinematic Universe (MCU)

In den Marvel-Comics gab es einen Charakter der zweiten oder dritten Reihe: Iron Man. Vor zwölf Jahren entschloss sich Marvel, diesen Charakter auf die Leinwand zu bringen. Darsteller sollte ein etwas in der Versenkung verschwundener Schauspieler sein, der durch Charme, Witz und Talent längst hätte einer der größten sein sollen: Robert Downey Jr.

Charisma, Witz und Charme: Robert Downey Jr.

Und was hat der Mann abgeliefert! Das großartige Drehbuch zeichnete ein Genie, das moralisch korrumpiert ist, aber durch seine Grenzerfahrung zur Verantwortung reift. Es gibt viele unvergessliche Charaktere der Filmgeschichte. Dieser hier ist einer. Mit einem schwächeren Schauspieler wäre das nicht das geworden, was es jetzt ist und mit “Avengers: Endgame” seinen abschließenden Höhepunkt und Ende der Charakterentwicklung Tony Starks/Iron Mans (Downey Jr.) fand.

Wie machen wir da weiter, fragt man sich in Hollywood. Die Idee: Es würde Zeit, die alten Helden vom Thron zu stoßen! Mit Thor fängt man an, nachdem er in “Avengers: Endgame” bereits demontiert worden war.

Die absolut entzückende, wunderschöne und talentierte Natalie Portman wird zum weiblichen Thor. Thor! Chris Hemsworth, der über 1,90 m große, athletische, humorvolle, wirklich schöne Mann schwingt den Hammer Thors seit mehreren Jahren.

Dieser Mann ist schön. Da! Ich habe es gesagt! Ganz neidlos.

Überreicht wurde das Teil jetzt knieend von einem der Autoren an Natalie Portman. Der Hammer ist so groß wie ihr gesamter Oberkörper.

Ich mag sie. Sie ist talentiert und schön. Aber das hier ist nur eines: Lächerlich. Nein, noch ein Zweites: Betrug am originalen Thor und am Publikum.

Aus dem Hulk soll She-Hulk werden. Denn, so stand zu lesen, Frauen müssten die Heldenrollen übernehmen.

Wie soll das passieren? Beispiel Iron Man, weil dieser Charakter das MCU in Gang setzte: Nachdem Iron Man/Tony Stark nicht mehr da ist, bricht ein 15-jähriges Mädchen in sein Labor ein. (Ja, richtig gelesen.) Weil sie total smart ist, gelingt es ihr sofort, sich die Technik anzueignen und wird zu Ironheart.

Bitte sehr: Die Comic-Version der neuen Superheldin. Das ist es, worauf wir alle gewartet haben, richtig?

Der im Computer reproduzierte Charakter Tony Starks wird zu ihrem dienendem Geist. (Ja, richtig gelesen.) Also sammelt dieses Mädchen Schulkameraden um sich, um mit High Tech schwer bewaffnet böswatzige Böswatze zu vermöbeln. Cool, oder?

Die Leute, die diese Agenda vorantreiben (Frauen sind toll, Männer sind Schweine, Frauen sind ihnen in Wirklichkeit in jeder Hinsicht überlegen, brauchen sie zu nichts (gar nichts!), sind in keiner Weise abhängig von ihnen oder von männlichen Mentoren betreut und so weiter und so fort), klopfen sich auf die Schulter: So etwas hätte es noch nicht gegeben, sei neu und revolutionär! Ein inspirierendes Vorbild für Mädchen und Frauen, die doch diese ganzen sexuell überladenen, männerdominierten Filme so abstoßend finden!

Ich fing meinen Artikel mit Ellen Ripley/Sigourney Weaver an. Eine echte Heroin! Ein echter Charakter! Aus der hinteren Reihe der Besatzung muss sie sich monströsen Ängsten stellen und sie bewältigen. Im zweiten Teil hört man erst auf ihre Vernunft und Erfahrung, als es fast zu spät ist. Sie allein rettet das Kind, den schwer verletzten Marine, den kybernetischen Organismus und sich selbst.

Reicht nicht mehr als Heldin: Zu verletzlich, gewinnt nicht leicht genug.

Sarah Connor rettet sich, ihren Sohn und damit die Welt nicht nur mit militärischer Kampfkunst und gnadenloser Selbstdisziplin, zu der sie erst reifen musste, sondern durch menschliche Wärme und Empathie.

Durchlebte und überstand den Horror, ging gestählt daraus hervor. Aber: War mit einem Mann zusammen und trug ein Kind aus. Pech, denn das passt nicht mehr in das heutige Heldinnen-Bild im Kino.

Haufenweise fallen mir starke Frauencharaktere in Filmen ein! Diese Charaktere sind gerade dadurch so stark, dass sie in der Realität der jeweiligen Zeit verhaftet sind, aber Widerstände und Nöte überwinden. “Titanic”, “Vom Winde verweht”, “Der Zauberer von Oz”, “Zwölf Uhr mittags” (mit gleich zwei ausgesprochen starken Frauenfiguren!), “Das Schweigen der Lämmer”, “Wem die Nachtigall schlägt”, “Wonderwoman”,

Wer Gal Gadot nicht phantastisch findet hat einen an der Waffel. So wunderschön wie symphatisch.

“Alita, Battle Angel”, “Knives Out”: Frauen haben nicht nur entscheidenden Anteil sondern sind auch alleintragende Protagonisten.

Und, shocking: Das ist nichts Neues. Kriegsgöttinen gab es (Pallas Athene ist mehr als das: Göttin der Weisheit und der Strategie). Hera hat ihrem Zeus mehr als einmal einen auf die Mütze gegeben. Kriemhild hat für den Untergang der Burgunder gesorgt. Nicht der mächtige Hagen oder Gunther.

Habe ich irgendeinen Zweifel, dass es die Unterdrückung der Frau gibt oder gab? Nein. Finde ich das in irgendeiner Weise gut oder richtig? Nein. Neben der für mich offensichtlichen Gleichberechtigung als moralische Basis ist festzustellen, dass Gesellschaften nachweislich umso besser prosperieren, je unabhängiger Frauen über sich, ihren Körper und ihre Finanzen entscheiden können.

Außerdem: Wie viele echte Freunde hat man so? Richtige Freunde, auf die man sich in der Not verlassen kann? Ich will nicht zählen, aber ich habe zwei männliche und mehr weibliche sehr enge Freunde, die ich jederzeit um Hilfe oder Unterstützung bitten könnte. Von den meisten Frauen meines Umfeldes, privat wie beruflich, bin ich einfach nur Fan. Sie wissen nicht, wie sehr, denn das würde sicher gruselig auf sie wirken. Aber ich empfinde und empfand Frauen im privaten und beruflichen Umgang immer als angenehmer und entspannter. (Frauen durchschaue ich deshalb schwerer, wenn es notwendig wäre, wie ich zuletzt letztes Jahr bitter neu erfahren musste; ich vertraue ihnen grundsätzlich schneller und rückhaltloser.)

Aber das, was da jetzt im Kino (und übrigens in der Sprache auch) geschieht, hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Da wird eine Agenda vorangetrieben, die so realitätsfern ist, wie sie nur sein kann. Und sie ist nicht nur männerverachtend sondern auch sogar frauenverachtend. Denn ist es so, dass die Frauen bisher nicht in der Lage waren, Stärke zu zeigen, sich zu behaupten? Haben die Frauen, die für Frauenrechte aufopferungsvoll kämpften, nichts erreicht? Jetzt kommen die jungen Frauen, stubsen die älteren beiseite und erklären, was sie alles tolles Neues machen würden. Aber nichts davon ist neu.

Mir ist vollkommen egal, ob der Held männlich, weiblich, divers, hetero- oder homo- oder bi- oder asexuell ist. Mir ist die Hautfarbe egal. Wichtig sind Story und Charakter. Ich bin für Frodo Beutlin. Mir ist egal, ob er zwergenklein ist und riesige bepelzte Füße hat! Er ist ein gutes Wesen, das durch schwere Prüfungen geht. Ich will, dass er sie besteht.

Ich befinde mich in einer Mehrheit. Sonst hätte die Film-Industrie nie funktioniert; sie wäre nie Industrie geworden. Dr. Who bricht zusammen. Das erste Mal in der Geschichte dieser Serie bricht sie irreparabel ein. Sie wird sich davon nicht erholen. Macht Marvel wahr, was drohend am Horizont schwebt, können wir uns nur noch rückblickend über ein gutes Jahrzehnt teilweise exzellenten Storytellings freuen. Nach der goldenen Operette kam die sogenannte blecherne. MCU bewegt sich eindeutig darauf zu. Kino als Achterbahnfahrt, nicht als anregende Unterhaltung.

Die Sonne steht noch am Himmel, es ist noch warm. Das war ein schöner Tag in der realen Welt und der im Kopf.

Die neuen Wörter

In den letzten beiden Artikeln beschäftigte ich mich mit den ältesten Wörtern, die aus der urindogermanischen Sprache erhalten sind, den Wörtern die auf *er enden. Um weiter zu machen, wollte ich mir ein indogermanisches etymologisches Wörterbuch kaufen; aus der Erinnerung zu schreiben, ist zwar irgendwie bequem, aber auch fehleranfällig. Ich war einigermaßen entsetzt, als ich feststellen musste, dass es so etwas nur noch antiquarisch zu erwerben gibt! Brauchen beispielsweise Germanisten so etwas nicht mehr? Hat Expertise auf gar keinem Gebiet mehr eine Bedeutung? Kein Wunder, dass der Berliner Flughafen nicht fertig wird …

Jedenfalls, ich bin kein Germanist und möchte als interessierter Laie möglichst Richtiges zusammenschreiben. Also habe ich dieses zweibändige Wörterbuch antiquarisch teuer erworben, um darin zu forschen. Als erstes sah ich meine bisherigen Beispiele nach, um die ältesten Formen zu ermitteln. “Schwester” fand ich nicht auf Anhieb. Mir war klar, dass “sch” “s” gewesen sein muss und “w” “u” (nicht in der Schrift, denn die hatten die Urindogermanen nicht). Der Wortstamm musste also “sue-” gewesen sein. Habe ich trotzdem nicht gefunden (ist aber da: ich habe es einfach übersehen). Also dachte ich, ich leite das falsch her und schaute im Netz nach, unvermeidlicher Weise Wikipedia. Dort steht dann ebenso unvermeidlicher Weise sehr “woke”, unrassistisch und genderneutral, das Wort sei “indoeuropäischen” Ursprungs und heiße “suesor” (das “u” muss man etwas anders schreiben, aber ich verfüge nicht über diese Buchstaben). “Suesor” stimmt, das habe ich jetzt im Wörterbuch gefunden. “Indoeuropäisch” stimmt nicht. Es ist nicht rassistisch oder deutschnational sondern einfach fachlich richtig, dass die Sprache “indogermanisch” heißt. Aus dem Urindogermanischen gingen das Uritalische, das Urgermanische und das Urindoiranische hervor. Daraus wiederum jeweils das Lateinische, das Deutsche und das Vedische. Zu den germanischen Sprachen gehören Deutsch, Niederländisch, Gotisch, Friesisch, Dänisch, Englisch, Schwedisch, Faröisch und Isländisch. Das hat gar nichts damit zu tun, dass unser Land international auch als Germanien und wir als Germanen bezeichnet werden. Sondern: “Europäisch” ist keine Sprache und keine Sprachfamilie. Germanisch aber schon. Europa ist ein Kontinent und ein sinnvolles und sehr wichtiges Staatengebilde, aber keine sprachliche Identität.

Zurück zum Kern: Die ältesten Wörter sind also *er-Wörter wie etwa Leb*er, Diet*er, Somm*er etc. Da das Urindogermanische keine bestimmten Artikel kannte, wusste niemand, dass die Leber weiblich war. Aber irgendwann wurde sie das. Warum? Wann hatten die Menschen vor etwa 10.000 Jahren etwas mit diesem Organ zu tun, das dazu führte, dass es in das “weibliche” Genus fiel?

Vor 10.000 Jahren vollzog sich immer noch der Wechsel aus der neolithischen Revolution. Die Urindogermanen zogen im Raum Wolgograds (früher Stalingrad) nördlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres nomadisierend und land-bebauend umher. Niemand weiß bisher, was dazu führte, dass sie in mehreren Wellen von dort aus Richtung Europa und den nahen Osten zogen. Jedenfalls taten sie das offenbar und nahmen ihre Sprache und Dialekte mit, welche die bis dahin dort jeweils gesprochenen Sprachen verdrängten. Das passierte überall gleichermaßen. Irgend etwas an der Sprache der indogermanischen Völker oder an ihren mitgebrachten Kompetenzen muss so vorteilhaft gewesen sein, dass sich ihre Sprache so durchsetzen konnte.

Wenn man also gejagtes Wild ausweidet oder Tiere schlachtet, lernt man die verschiedenen Organe kennen und benennt sie. Die Urindogermanen wussten nichts von Vitaminen. Sie waren aber keine uga-uga-rufenden Primitivlinge sondern verstanden sehr wohl, dass gebratene Leber gut schmeckt. Was gut schmeckt, ist grundsätzlich gut; jedenfalls, wenn man nicht an einem Überangebot von Kohlenhydraten leidet, einem ein wohlstandsverwöhnter Geschmack nicht im Wege steht oder das Essen nicht Ausdruck einer Ideologie ist. Leber und Fisch waren die Lebensmittel der Wahl, um den Körper mit Vitamin D zu versorgen, wenn die Tage kürzer und die Sonneneinstrahlung geringer wurde. Das Organ bekam seinen Namen durch seine Erscheinung: ein glibbriges, glattes, schlaffes Gebilde. Der Wortstamm leb- bedeutet so viel wie “schlaff herabhängen”. (Das finde ich übrigens sehr ärgerlich! Denn es gab eine sehr überzeugende Erklärung für den Namen Leber bzw. liver in der Fernsehserie “Dr. House”, bevor sie in den letzten Staffeln lächerlich wurde: Dr. House erklärte, dass man ohne die Leber nicht leben könne, weswegen sie eben Leber hieße. Ich fand das in der Szene sehr amüsant und als Erklärung so attraktiv, klug und überzeugend, dass ich das glaubte. Bis ich jetzt echte Quellen nachschlug. Sprache ist spannend und Wissenschaft voller Entdeckungen. Was einem schön und richtig erscheint, ist aber nicht zwangsläufig wahr, und man muss bereit sein, sich von Liebgewonnenem zu verabschieden, wenn man ehrlich ist.) Das ist das, was die Leber tut, wenn man sie entnimmt. Als Wort, das aus einem Tun entwachsen ist, ist es entweder Neutrum oder Femininum. Die Lippe ist ebenfalls feminin und entstammt dem gleichen urindogermanischen Wort.

Die *er-Wörter haben also ein Genus erhalten, nachdem (!) sie sich entwickelt hatten; erst waren die Wörter da, dann erhielten sie ihr Genus. Der Ursprung ist, mir jedenfalls, denn ich konnte dazu nichts finden, unklar, aber nach diesen *er-Wörtern tauchten die *s-Wörter auf. Sie machen auch heute noch den oder zumindest einen Großteil der Nomina aus. Der Stein war gotisch noch stain*s. Das “s” ist verloren gegangen wie in “Tag”, der gotisch noch dag*s hieß. So heißt der große Krieger der Gallier, der dem Cäser final unterlegene Vercingetorix, also Vercingetorik*s. Mit dem Auftauchen der *s-Wörter oder um dieses Auftauchen herum ist also offenbar in der indogermanischen Sprache etwas passiert, das die Genera entstehen ließ. Irgendetwas machte Genera notwendig, um sich sinnvoll mitzuteilen, oder irgendein sprachlicher Vorteil entstand mit diesen.

Die *s-Wörter und ihre Entwicklung in den Sprachen indogermanischen Ursprungs sind sehr interessant, und hier wird tiefere Recherche erforderlich. Wie gesagt möchte ich nicht einfach nur aus der Erinnerung zusammenschwadronieren. Das machen andere, und ich finde so etwas extrem ärgerlich. Wenn z. B. solche selbsternannten Experten wie Sebastian Sick über den vermeintlichen Schwund des Genitiv parlieren, glauben das viele. Sebastian Sick ist ein Journalist. Ich bin ein Musiker (gewesen). Beide Berufe sind keine sprachwissenschaftlichen Berufe. Wenn man sich mit diesen Fragen beschäftigen will, muss man das besonders sorgfältig tun. Ich bin mir über einige Fragen noch nicht klar, und solange ich das noch nicht bin, schreibe ich darüber noch nicht. Es geht mir im Gegensatz zu Sebastian Sick auch nicht darum, mit vermeintlich korrektem Wissen Spracherziehung zu betreiben und mit reißerischen Thesen Geld zu verdienen (obwohl es bei ihm eigentlich nur eine ist; zu mehr reicht es da nicht). Ich möchte verstehen, woher das Genus in der Sprache kommt und teile diese Entdeckungsreise öffentlich. Wir sind nah dran! Aber jetzt wird es etwas dauern bis zum nächsten Artikel. Denn ich muss mich gründlicher damit beschäftigen, wann genau ein einem Tun oder einer Entwicklung entstammendes Wort nun feminin und wann neutral ist; das ist mir nur ahnungsweise dunkel klar. Ich hätte da gerne ein klares System. Das sollte es geben, denn sonst würde Sprache nicht funktionieren.

Das fehlende Teilchen

99,9 %. Das sagte mir mein jetziger Dienststellenleiter. 99,9 % Wahrscheinlichkeit, dass ich bei ihm fest angestellt würde. Ich vertraue ihm und war erleichtert und froh.

Es würde Zeit, dass Ruhe und Gleichlauf in mein berufliches Leben einkehren. Zu viele Versprechungen mir gegenüber waren in meiner bisherigen “Karriere” gebrochen worden oder konnten durch widrige Umstände nicht gehalten werden, bevor ich hier angestellt wurde. Ich ging also bis zu diesem Gespräch davon aus, dass ich die Stelle letztendlich doch nicht bekommen würde und habe mich ernsthaft nach beruflichen Alternativen umgesehen. Nerven zerrüttend.

Mir wurde erklärt, dass ich trotz Ausplanung und Abordnung bei meiner vorigen Dienststelle einen Versetzungsantrag stellen müsse, der dort zu genehmigen sei. Umstände, die ich aus nahe liegenden Gründen beunruhigend fand. Aber, zu meiner ehrlichen Überraschung, erfolgte die Genehmigung reibungslos und prompt.

Damit sollte der Weg frei sein in eine endlich sichere und ruhigere berufliche Zukunft. Ganz entspannt bin ich noch nicht; dafür habe ich einfach zu viel erlebt, um jetzt schon beruhigt zu sein. Ich kann mir nämlich folgendes Szenario als durchaus möglich vorstellen: Die Versetzung ist genehmigt, meine jetzige Dienststelle möchte mich fest anstellen. Oberster Dienstherr ist aber die Landesbehörde. Die könnte einzuhaltende Fristen (als ehemaliger Personalrat könnte ich mir auch vorstellen, welche) oder Formalitäten (auch da hätte ich eine Idee) heranziehen und damit begründen, dass eine Einstellung nur später möglich sei. Das könnte bedeuten, dass ich bis dahin ohne Einkommen wäre. Dies könnte ich mir nicht leisten und müsste mich nach anderer Arbeit umsehen. Somit wäre ich aus diesem Beruf komplett und endgültig raus.

Ob ich glaube, dass das so gemacht wird? Etwa, um Personalkosten zu sparen? Wirklich: Ich habe keinerlei Ahnung. Es ist ziemlich gruselig, aber ich bin tatsächlich durch meine Erfahrungen bis in den Kern erschüttert und besitze keinerlei positive Naivität mehr, wenn solche Entscheidungen anderer über mich vor mir liegen. Sie wurde von zynischem Pessimismus abgelöst.

Deshalb halte ich das fehlende 0,1 % für eine bedrohliche und realistische Möglichkeit.

Purer Ekel

Etwas anderes kann ich nicht empfinden für nur zwei (!) der vielen Beispiele der Staatsrüpelei und des Staatsterrors in den USA. Nicht darauf eingehen will ich, dass unidentifizierte und unidentifizierbare Truppen in Washington DC brutal gegen Demonstranten vorgingen. Niemand weiß, zu welcher Behörde diese Männer gehören. Man weiß nur, dass der Generalstaatsanwalt William Barr diese Truppen mobilisiert hat. Auch nicht auf die vielen, vielen Beispiele brutaler und widerrechtlicher Polizeigewalt.

Ich will nur zwei exemplarische Beispiele für Widerwärtigkeit bringen. Das erste ist eine Grafik des Propaganda-Senders Fox-News:

Die Beschriftung von oben nach unten:

  • Martin-Luther-King-Attentat
  • Rodney-King-Freispruch
  • Michael-Brown-Tod
  • George-Floyd-Tod

Die Polizisten, die Rodney King zu Tode prügelten und traten, wurden freigesprochen, und das führte zu Unruhen. Der 18-jährige Schüler Michael Brown wurde von einem Polizisten erschossen und jetzt George Floyd knapp neun Minuten lang erstickt. Fox-News stellt hier fest: Jedes Mal nach solchen Morden und Ungerechtigkeiten gegenüber Afroamerikanern gebe es einen Aufwärtstrend an der Börse. Ich bin derart angeekelt von dieser “Analyse”, dass ich mich nicht damit abgebe, auch nur einen Gedanken an diese Widerwärtigkeit zu verschwenden.

Aber der orange Utan im Weißen Haus kann das auch ganz gut: Der 75-jährige Menschenrechtsaktivist Martin Gugino wurde von Polizisten in Buffalo heftig gestoßen, fiel und verletzte sich schwer. Er liegt unter kritischen Bedingungen im Krankenhaus. Nach dem Sturz wurde ein Beamter, der sofort helfen wollte, von einem anderen Beamten weggezogen und ein weiterer schaute missbilligend den Kopf schüttelnd auf Gugino runter. Dazu meint der Multimilliardär-Darsteller im Amt:

“Buffalo-Demonstrant gestoßen von der Polizei könnte ein Antifa-Provokateur sein. 75 Jahre alter Martin Gugino wurde weggestoßen, nachdem er die Polizei-Kommunikation zu scannen schien, um das Equipment lahmzulegen. Ich schaute OANN, er fiel härter, als er gestoßen wurde. Hat Scanner gezielt. Könnte eine Falle sein?”

Meine Damen und Herren: So einen verschwörungstheoretischen, widerwärtigen, menschenverachtenden Quatsch schreibt der mächtigste Mann der Welt! Das Bunker-Bübchen lässt das Licht ausmachen, verkriecht sich im Bunker, fordert 10.000 Soldaten und Panzer an, die in Washington patrouillieren sollen (er bekam keine Panzer aber 1.600 Soldaten plus Kräfte, die nicht zugeordnet werden können) und schrieb in 24 Stunden 75 (!) Tweets!

Kompletter Wahnsinn.

USA = faschistische Ideokratie

Man kommt nicht mehr hinterher. Trump ist der fleischgewordene Internet-Troll, der einen Schwachsinn nach dem anderen da heraus zieht, wo die Sonne nie hin scheint, und mit verbalen Fäkal-Attacken um sich wirft. Im Gegensatz zum Troll weiß Trump aber oft nicht, wie unglaublich dumm und anmaßend sein Schwachsinn ist.

Nur ein paar Beispiele der systemischen Polizeigewalt in den USA:

  • In New York wird ein die Straße am Zebrastreifen überquerender Fahrradfahrer zuerst von einem Polizisten wiederholt mit seinem Schlagstock geschlagen. Dann kommen weitere Polizisten zu Hilfe und gemeinsam wird der Fahrradfahrer schlicht und einfach zusammengeschlagen:

Genfer Konvention? Menschenrechte? Demokratie? Pfff, ihr Weicheier! Trump und diese Polizisten! Das sind noch echte Kerle!

  • In North Carolina wird ein Ersthilfe-Stand von Polizisten zerschmettert und die Schwestern und Ärzte weg geprügelt (und einer diabetes-erkrankten Frau ihr Insulin weggenommen. Und nicht wieder gegeben. Der Polizist grinsend: “Ich weiß, was Diabetes ist.”). Nicht, dass man gerade in dieser Zeit diesen Menschen besonders dankbar sein müsste, nicht wahr?
Zerstörter Stand mit stolzen Polizisten
Geschlagene und verzweifelte Ersthelferin

Trump fordert die Gouverneure auf, nicht stolz zu sein, sondern die Polizeikräfte aufzufordern, die Straßen zu “dominieren” und härter gegen die Proteste wegen des Polizeimordes an George Floyd vorzugehen. Und dann sagt er dies: “Hoffentlich guckt George genau jetzt herunter und sagt: ´Das ist ein großartiges Ding, das gerade für unser Land passiert!` Es ist ein großartiger Tag für ihn, es ist ein großartiger Tag für jeden. Es ist ein großartiger Tag für jeden. Es ist ein großartiger, großartiger Tag.”

Die brutale Idiotie dieses Mannes ist unerträglich.

Der entsetzlicherweise nominierte Kandidat der Demokraten, Joe Biden, führt in Umfragen einigermaßen deutlich. Das heißt noch gar nichts. Eines aber ist klar: Der offensichtliche Faschist Trump wird nicht geräuschlos gehen. Er ist der erste Präsident, der sich geweigert hat, seinen Vorgänger einzuladen und dessen Porträt in die Galerie zu hängen.

  • Aber keine Sorge: Es trifft nicht nur Jugendliche, die protestieren. Es trifft auch beispielsweise 75-Jährige, die nach Hause wollen und im Weg sind [EDIT: Beim nochmaligen Ansehen fiel mir auf, dass der Mann einen Polizei-Helm in seiner linken Hand hält. Er scheint also auf die Polizei zugegangen zu sein, um diesen zu übergeben. EDIT 2: Der misshandelte Mann ist Martin Gugino. Er ist zeitlebens ein Aktivist für Menschenrechte und sah die Polizei auf die jungen afroamerikanischen Protestierenden zu marschieren. Er liegt derzeit, 8.6., unter stabilen aber kritischen Bedingungen im Krankenhaus und ist nicht außer Lebensgefahr.]:
Der 75-Jährige wird in gut erprobter Weise mit einem Stoß vor die Brust aus der Balance gebracht.
Er kann sich nicht halten und taumelt mehrere Meter zurück, bevor er fällt und mit einem knackenden Geräusch mit dem Schädel auf das Pflaster schlägt.
Ein Polizist beugt sich zu dem Bewusstlosen, wird von seinem Kollegen aber an der Schutzweste weggezogen. Ich habe den Bildausschnitt bewusst so gewählt, dass die Folgen des Sturzes nicht zu sehen sind.
Die Kräfte, “Zu schützen und zu dienen”, ziehen weiter. Der Mann bleibt blutend, bewusstlos, schwer verletzt liegen. 75 Jahre alt.
Schließlich braucht man ja alle Kräfte, um den wenige Meter entfernt mit gefährlich erhobenen Händen stehenden Demonstranten zu verhaften!
  • In New York hält ein Mann mit seinem Auto an, um sich darüber zu beschweren, dass er und seine im Auto sitzende Frau zuvor mit Tränengas beschossen worden seien. Er steht auf der Fahrerseite in der offenen Tür und stellt die Polizisten zur Rede: Was ihnen einfiele, Bürger zu beschießen, die nichts getan hätten. Seine Frau sei schwanger und durch den Beschuss in Gefahr. Der aufgebrachte Mann schimpft eine Weile. Dann eröffnet die Polizei das Feuer auf ihn, das Auto und die schwangere Frau mit “weniger lethaler Munition”, wie es in den USA heißt. Die Gummigeschosse treffen ihn mehrfach, er sackt zusammen, splitterndes Glas der Windschutzscheibe und der Seitenscheiben spritzt mehrfach auf, Einschläge im Blech sind zu hören, der Mann lässt sich auf den Fahrersitz fallen und bringt seine Frau flüchtend in Sicherheit.
  • In der Zwischenzeit sitzen friedliche Demonstranten zusammengeschlagen seit mehr als zwei Tagen im Gefängnis. Ohne Anklage. Das ist in den USA widerrechtlich. Also wurde ein New Yorker Gericht angerufen. Der Richter hat verordnet, dass keine Klageerhebung erforderlich ist. Die Demonstranten sind also inhaftiert und ein Ende ist nicht in Sicht.

Derweil hat Trump angewiesen, dass die Ökonomie befeuert werden soll, indem man keine Umweltverträglichkeitsprüfungen mehr durchführt und freut sich, dass der Börsenindex etwas hoch geht. “Hoffentlich guckt George genau jetzt herunter und sagt: ´Das ist ein großartiges Ding, das gerade für unser Land passiert!` Es ist ein großartiger Tag für ihn, es ist ein großartiger Tag für jeden. Es ist ein großartiger Tag für jeden. Es ist ein großartiger, großartiger Tag.”

Die USA bewegen sich nicht auf eine faschistische Staatlichkeit zu, sie sind schon drin.

Eine Gesellschaft zerfällt, Nachtrag

Um Demonstranten zu erschrecken lässt Trump Helikopter unterhalb der Gebäudehöhe über Demonstranten schweben. Eine militärische Einschüchterungstaktik aus Kriegsgebieten. Den friedlichen Protest singender und tanzender Menschen lässt er mit Tränengas und Gummigeschossen und berittenen Polizisten und Blendgranaten auflösen, um vor einer Kirche so zu tun, als sei er Christ. Der Kirche wurde das nicht angekündigt. Der Priester selbst ist unter den Opfern der Gas-Attacke. Reporter sind unter der auseinander getriebenen Menge friedvoller Demonstranten.

Washingtoner Polizist hinter seinem Schild schlägt einem australischen Kameramann, Tim Meyers, der beobachtend an der Seite und nicht im Weg steht, ins Gesicht. Die Faust des Polizisten taucht gerade im Bild links über dem Schild auf.
Jetzt ist es zu spät, dem Treffer auszuweichen. Besonders, wenn man eine schwere Kamera trägt.
Das letzte klare Bild vor dem Gesichtstreffer. Wer jetzt noch bezweifelt, dass die USA sich immer weiter von der Rechtsstaatlichkeit entfernen und unter Trump in den Faschismus driften, ist entweder unehrlich, oder, lasst es uns offen sagen, unfassbar dumm.
Die entsetzte Reporterin Emilia Brace berichtet atemlos, panisch und fassungslos, wie sie mit ihrer Crew von der Polizei gejagt worden ist. In einem angeblich demokratischen Land, einem angeblich alliierten.
Aus anderer Perspektive: Der Polizist holt mit seinem Schild aus, um dem rechts im Bild stehenden Kameramann in die Magengrube zu schlagen. Völlig unbeeindruckt davon, bei diesem unnötigen und widerrechtlichen Gewaltakt von der australischen Presse aufgenommen zu werden.
Der Kameramann sackt nach dem blitzschnell ausgeführten und für ihn unvorhersebaren Schlag zusammen.
Und hier folgt der schon dokumentierte Schlag ins Gesicht.
Mehrere Polizisten kommen hinzu, um ihren Kollegen zu unterstützen – gegen den nun offenbar benommenen Kameramann auch dringend erforderlich, weil der so gefährlich ist.
Seine mutige Kollegin Emilia packt den Wehrlosen am Kamerageschirr und leitet ihn aus dem Gefahrenbereich, während einer der anderen Polizisten bereits mit dem Schlagstock ausholt. Er möchte schließlich auch ein bisschen an der Action teilhaben!
Zum angemessenen Selbstschutz und als adäquate Maßnahme gegen diese hoch gefährliche Frau schlägt der Polizist mit dem Schlagstock zu und trifft sie leider nur knapp unter ihrem Genick. Aber er hat bestimmt noch viel Gelegenheit, seine Treffsicherheit zu entwickeln.

Das total religiöse und sagenhaft überzeugende Ergebnis sieht dann so aus:

Es gibt Reporter, die sagen, er habe die Bibel falsch herum gehalten. [EDIT: Nahaufnahmen zeigen allerdings, dass das nicht stimmt.]
Reporterin: “Ist das ihre Bibel?”

Multimilliardär-Hochstapler im Amt: “Das ist eine Bibel.” Mit Betonung auf “eine”.

Na, dafür hat es sich doch gelohnt, die eigenen Bürger mit Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschossen zu verletzen.

Immer wieder ist es ein Vorwand der USA, in andere Länder einzumarschieren, weil sie chemische Waffen gegen ihr eigenes Volk richten würden. Tränengas ist ein militärisches chemisches Kampfmittel. Es wird von den USA (!) gegen die eigenen Bürger eingesetzt. Damit der orange Utan so tun kann, als sei er religiös. Ein Buch hochhaltend, das er nicht kennt (“Können sie etwas aus der Bibel zitieren? Ein Satz, der ihnen besonders wichtig erscheint?” – “Darauf möchte ich nicht eingehen, denn für mich ist das sehr persönlich.” – “Sind sie ein Alter-Testament-Typ oder ein Neuer-Testament-Typ?” – “Wahrscheinlich beides. Wahrscheinlich beides.”) und mit seiner schwach entwickelter Lesekompetenz auf Grundschulniveau auch nie lesen wird.

Eine Gesellschaft zerfällt

Der brutale gemeinschaftliche Mord der Polizei von Minnesota [EDIT: Minneapolis] an George Floyd führte zu nachhaltigen landesweiten Protesten in den USA.

Jugendliche Mädchen beim Protest gegen den Polizeimord an George Floyd. Sie sind so bedrohlich, dass neben der schon vorhandenen Polizeigewalt Nationalgarde, Bodentruppen und Fliegerstaffeln gegen sie eingesetzt werden sollen.

Die Bandbreite des Polizeiverhaltens ist groß, hat aber eine Tendenz. Zwar gibt es Polizeikräfte, die sich dem Protest sogar anschließen, vor allem aber gibt es Polizeigewalt.

Nur als Standbild, aber man sieht die Vorfreude des Polizisten im Gesicht: Im Video tritt er mit pendelndem Oberkörper und wackelndem Kopf breitbeinig stehend von einem Fuß auf den anderen. Dann sieht er nach links, macht einen Demonstranten aus und stürmt darauf zu.

Man sieht unangemessenen Einsatz von Tränengas, von Pfefferspray

Dieses Kind in Seattle wurde direkt und absichtlich von Pfefferspray eines Polizisten getroffen und schreit vor Schmerzen. USA – Land of the free.
Diese gefährliche junge Frau ist beim Weggehen von der Demonstration nur mit überraschendem Einsatz von Pfefferspray unter Kontrolle zu bekommen.

unter anderem aus einem unbehindert passierendem Polizeiwagen,

von Pfefferspray gegen Jugendliche, die einem gestürzten hoch helfen wollen.

Man sieht, wie Polizisten Jugendlichen unvermittelt vor die Brust stoßen, sodass sie meterweit nach hinten fliegen und auf das Pflaster knallen.

Man sieht, wie ein schlankes, hübsches Mädchen mit schwarzem Tanktop, Shorts und Sneaker total aggressiv und militärisch und bedrohlich gekleidet nach so einem Stoß sich benommen aufrappelt.

Das Mädchen landet nach dem Stoß des Polizisten nach gut zwei Metern Flug durch die Luft auf dem Pflaster.

Wie ein sehr schlanker, vielleicht etwa 60 kg schwerer Junge von einem bulligen Polizisten buchstäblich aus seinen Schuhen gestoßen mit dem Kopf auf die Bordsteinkante schlägt und nicht mehr aufstehen kann.

Man sieht berittene Polizisten über Jugendliche reiten und ein Pferd ein Mädchen im schwarzen Tanktop niedertrampeln.

Polizeiwagen, die protestierende Jugendliche überfahren.

Gefährliche Mädchen werden glücklicherweise von heldenhaften Polizisten in Schach gehalten.

Man sieht Polizisten, die Reporter, welche sich auswiesen (!), vor laufenden Kameras verhaften und schlagen. Alles das ist keine Übertreibung und hat mit angemessenem Verhalten gegenüber Demonstranten in einer Demokratie nichts zu tun.

Trump lässt derweil das Licht im und am Weißen Haus löschen, tut so, als wäre “niemand zuhause” und versteckt sich im Bunker des Gebäudes. Gestern Nacht “erklärte” er im Rosengarten und zuvor per Twitter, was er zu tun gedenkt, nachdem er “Antifa” als terroristische Vereinigung eingestuft hatte (was “Antifa” nicht sein kann, denn das ist keine Vereinigung):

  • Er fordert die Gouverneure zu härterem Durchgreifen auf und will diejenigen, die das nicht tun, dazu zwingen.
  • Er wolle die Protestanten für zehn Jahre und mehr einsperren, dann würde “so etwas nie wieder” auftreten.
  • Er fordert von den Gouverneuren, die Nationalgarde anzufordern, um die Straßen zu “dominieren”.
  • Er würde “grausame Hunde” und “unheilvolle Waffen” auf die “Terroristen” ansetzen.
  • Er erklärt, dass er das Militär einsetzen werde, um mit Waffengewalt vorzugehen. Gegen die eigenen Bürger mit dem Militär!
  • Er erinnert an den zweiten Zusatzartikel.

Wer sich fragt, “Was soll das mit dem zweiten Zusatzartikel?”, dem möchte ich das erklären: Der zweite Zusatzartikel regelt, nach absichtlich falscher Interpretation der reaktionären Kräfte in den USA, das Recht auf Waffenbesitz- und Gebrauch. Dieses Recht völlig zusammenhanglos anzusprechen ist nichts anderes als ein wohlverstandener Code an die faschistoiden Waffenträger, Waffen gegen die Demonstranten einzusetzen. Trump versucht tatsächlich, einen asymmetrischen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen!

Und das funktioniert: Ein LKW-Fahrer fühlte sich berufen, seinen Truck gegen Demonstranten einzusetzen und in eine Gruppe von protestierenden Menschen zu fahren. Der Highway war gesperrt. Der Truckfahrer umfuhr die Sperrung, um absichtlich in die Demonstranten zu fahren.

Menschen rennen auseinander, als der Truck ungebremst auf sie zuhält. Zum Glück ist niemand gestürzt oder war gehbehindert, und zum Glück behinderten sich die Menschen nicht gegenseitig.

Trump ist aber nur das Symptom eines größeren Problems: Senatoren der Republikaner und die Sprecherin des Weißen Hauses geben vor, als was die Demonstranten zu sehen seien. Als  “Antifa-Terroristen” und “Anarchisten”. Senator Tom Cotton spricht von Luftunterstützung einer Militär-Luftlandedivision gegen die zum größten Teil jugendlichen Demonstranten.

Trump wird versuchen, dies politisch zu nutzen, um im Amt zu bleiben. Ein zunehmend mental degenerierender Doku-Soap-Darsteller, der davon lebte, so zu tun, als sei er Milliardär, ein wirklich dummer, feiger Mensch ist erfolgreich dabei, die Demokratie der USA zu zerstören.

Fairness zählt

Ich habe heute Abend nochmal nachgesehen, ob “Sabine Wren” geantwortet hat und bei der Gelegenheit die Seite Peter Jägers, des Verfassers des Gegenkommentars aufgerufen. Seine eigenen Stücke möchte ich nicht bewerten. Was ich aber bewerten möchte, ist seine Qualität als Liedbegleiter auf der Gitarre: Exzellent! Ich habe einen weichen Punkt für Kirchenmusik, die für Kinderchöre geeignet ist, weil ich gerne an meine Zeit mit dem Kinderchor in Meinerdingen zurückdenke und mir die Arbeit dort viel Freude bereitete. Auf dieser verlinkten Aufnahme begleitet Peter Jäger die wunderbare Sängerin, für mich eine echte Entdeckung, Bernadette Philipp. Sie hat eine warme, gefühlvolle Stimme, die sie phantastisch beherrscht und sehr flexibel den jeweiligen Stücken anpasst. Ihr Somewhere Over the Rainbow, begleitet von einer sehr guten Pianistin, treibt mir etwas Tränen in die Augen. Hier gewinnt das Duo einem schönen, aber doch irgendwie abgenudeltem Kirchenlied eine neue, sentimentale Seite ab. Man hört das Lächeln, mit dem sie das Stück singt: