Idiotie in der Pandemie

Mir ist natürlich klar, dass die Politik in den USA von Unternehmen finanziert und damit interessengeleitet ist. Deshalb wundert es nicht, dass die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen von republikanischen Politikern nicht nur angefeuert, sondern sogar initiiert werden. Das weiß man, weil immer wieder der eine oder die andere damit geprahlt hat.

Trotzdem erschlägt einen das Ausmaß an unverfrorener Dämlichkeit, mit dem die Bürgermeisterin von Las Vegas anregt, die Casinos wieder zu öffnen: Im Interview mit dem fassungslosen Anderson Cooper, CNN, erklärte sie und bestätigte dies auf seine entsetzten Nachfragen, dass die Casinos geöffnet werden sollten. Die Hygiene-Maßnahmen müssten die Geschäfte selbst herausfinden. Sie wisse nicht, wie das geht, denn sie selbst hätte leider kein Casino. Hätte sie eines, wäre es das sauberste. Sie würde Las Vegas als Kontrollgruppe anbieten, ob wirklich die bisherigen Maßnahmen dafür gesorgt hätten, dass es nicht mehr Tote gibt. Als Cooper mit exakt den gleichen Worten nachfragt, ob das ihr Ernst sei, wirft sie ihm vor, er würde ihr Worte in den Mund legen. Sie hätte gesagt, sie würde anbieten, dass Las Vegas die Rolle eines Placebos übernimmt. Sie versteht offenbar nicht nur nicht, wie sich der Virus verbreitet, sondern auch nicht, was Kontrollgruppen und Placebos sind und welche Funktion sie in der Wissenschaft haben.

Getoppt wird das aber natürlich von dem orangen Utan, Donald Trump, dem wir beispielsweise die Erkenntnisse verdanken, dass Windkraftanlagen Krebs verursachen (nein, tun sie nicht) und man Hurrikane mit nuklearen Explosionen zerstören könne (nein, kann man nicht). Auf der letzten Pressekonferenz erklärt ein Wissenschaftler, dass UV-Strahlung und Haushaltsreiniger in der Lage sind, den Virus auf Oberflächen zu deaktivieren. Ich erspare mir jetzt die wörtliche Übersetzung von Trumps ergänzenden Anmerkungen, sondern gebe sinnentsprechend (gleich wird man sehen, wie schwer das ist) wieder: Trump eröffnet damit, dass er nicht wisse, wer sich von den anwesenden Reportern so sehr für dieses “Zeug” interessiere, wie er. Er jedenfalls finde das wahnsinnig interessant. Er habe den Wissenschaftlern gesagt, wenn dieses Licht den Virus töte, dann könne man dieses wahnsinnig starke Licht ja in den Körper bringen, um den Virus zu töten. Die Wissenschaftler hätten gesagt, das sei eine interessante Idee. Wenn nun Haushaltsreiniger den Virus töten, könne man diesen ja auch, unterstützt von medizinischen Doktoren (seine Wortwahl, wie alles hier; ich will nur sichergehen…), ebenfalls in den Körper injizieren. Zum Beispiel in die Lunge, damit die gereinigt werde.

An dieser Stelle schließe ich mit unserer kollektiven Fassungslosigkeit. Bleiben Sie, bleibt Ihr gesund!

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