Reite, Cowboy!

Ein sonniger klarer Morgen, Raureif auf der frisch umgegrabenen ehemaligen Rasenfläche, die jetzt ein Blumenmeer werden soll, vor dem Haus. Ich warte auf die übliche Zeit, um zu meiner Mutter zur Hilfe zu fahren. Was also gibt es Netteres zu tun, als Trumpisch zu übersetzen? Trumpisch ist ein neuer Sprachstamm, entstanden in den USA, gesprochen von dem selbsternannten “sehr stabilen Genie” Donald Trump allein.

In New York entsteht eine gesellschaftliche Katastrophe, weil aufgrund der Pandemie die Krankenhäuser überlastet sind. Die Regierung soll Hilfe leisten. Finanziell und materiell. Unter anderem werden Masken gebraucht.

Trump sieht das nicht ein. Warum fehlen denn Masken?! Unglaublich! Das sehr stabile Genie analysiert vor laufenden Kameras gegenüber der von ihm so genannten “Lügenpresse”: “Es ist ein New-York-Hospital, sehr – es ist immer brechend voll. Wie kommt man von zehn- zu zwanzig- zu dreihunderttausend?” In geduldig belehrendem Ton fährt er fort: “Zehn- bis zwanzigtausend Masken bis drei-hundert-tausend!” Bedeutungsschwangere Pause. Und dann: “Selbst wenn das unterschiedlich ist, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Und ihr müsst euch das als Reporter genau ansehen! Wo sind die Masken hin? Sind sie zur Hintertür rausgegangen? Ich denke, Leute sollten das untersuchen, weil etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, ob – es ist nicht – es ist Horten, ich denke, es ist vielleicht schlimmer als Horten.”

Danach freut er sich auf Twitter: “Präsident Trump ist ein Einschaltquoten-Hit. Seit Wiederbelebung der täglichen Weißes-Haus-Pressekonferenzen haben Herr Trump und seine Corona-Virus-Updates ein durchschnittliches Publikum von 8.5 Millionen im Kabelfernsehen angezogen, ungefähr die Einschaltquote des Staffelfinales von ´Der Bachelor`.” Bei 150.000 nachgewiesen (es fehlen Tests) Infizierten und 2.500 Toten in den USA kann man sich ja auch schon mal über Einschaltquotensiege gegen dämliche Schows freuen, oder?

Die Demokraten in den USA haben ihn ins Amt gehoben, das Amtsenthebungsverfahren ist gescheitert, obwohl er sich seine privaten Taschen füllt, Steuern hinterzieht, Frauen und Mädchen mindestens belästigt und wahrscheinlich sogar vergewaltigt hat, mit ausländischer Hilfe Wahlbetrug begangen hat und mental buchstäblich zerfällt. Aber er findet seine Einschaltquoten toll.

Und jetzt hat die demokratische Partei gemeinsam mit der Presse mit Bernie Sanders den einzigen Gegenkandidaten, der echte Sozialreformen, die von mehr als 60 % der Bevölkerung ersehnt werden, glaubhaft im Programm hat, vernichtet und mit Joe Biden einen Kandidaten hochgeschrieben, der für Stillstand steht und selbst mit mentalem Niedergang ringt. Trump und seine Anhänger werden den plattwalzen wie Clinton, und am Ende wird Trump weiter im Amt bleiben.

Bei tollen Einschaltquoten.

Aber ich will auch noch ein wenig richtigen Spaß haben! Und dafür ist der orange Utan auch immer wieder gut:

Wenn er behauptet, man hätte etwas nicht gewusst, bedeutet das immer, dass er selbst etwas nicht gewusst hat. Beispielsweise hat er die Gesundheitsreform Obamas zurückgezogen, ohne seine eigene groß angekündigte umzusetzen. Warum hat er keine eigene fertig bekommen? Nun: “Niemand wusste, dass das so kompliziert ist.” Seine Worte. Jetzt erklärte er auf der Pressekonferenz, der Virus sei in 151 Ländern ausgebreitet: “151! Könnt ihr euch das vorstellen?! Jemand sagte zu mir heute, er wusste gar nicht, dass es so viele Länder gibt.” Donald Trump: Gelebter Bildungsmangel.

Ihm sei empfohlen worden, die Pandemie “auszureiten”: “Wir hatten viele Leute, die sagten, vielleicht sollten wir gar nichts machen. Einfach ausreiten. Sie sagten, reite es wie ein Cowboy!” Das imaginäre Lasso schwingend, unerschrockene Tapferkeit in Stimme und Gesicht: “Reite es einfach! Reite diesen Lutscher! Reite mittendurch!” Eloquent, staatsmännisch, tröstend, ein rhetorisches sehr stabiles Genie, fürwahr.

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