ad infinitum

Der Verband hat auf meine Antwort zum Wettbewerb reagiert: Ich erhielt eine sehr freundliche, etwas bestürzte und offene erste Reaktion mit der Erklärung, meine Mail an andere Stellen weiterzuleiten. Wir wünschten einander eine schöne Adventszeit, grüßten herzlich, ich habe mich über diese Reaktion ehrlich gefreut und für mich wäre es damit erledigt gewesen.

Wäre.

Dann erhielt ich heute die Mail eines führenden Kollegen des Verbandes (nach dem Ton nicht nur dieser Mail zu urteilen ist ziemlich klar, dass er mich nicht auf seiner Augenhöhe sieht, um es mal vorsichtig auszudrücken). Die veröffentliche ich natürlich nicht! Ich gebe auch keinerlei Hinweis auf seine Identität. Aber meine Antwort veröffentliche ich:

Sehr geehrter Herr XY,

wenn Sie gelesen haben, dass ich länger krank war, haben sie falsch gelesen: Ich musste nach den Auseinandersetzungen im Langenhagener Akkordeon-Club mit lebensgefährdendem stressbedingtem Krankheitsbild in das Krankenhaus, wurde dort behandelt und habe mich schnell wieder erholt. Aber ich danke für die guten Wünsche.

Ich könnte jetzt ohne Schwierigkeiten mit Namensnennung Beispiele von “Fehlverhalten” bringen: Sie würden dabei bleiben, dass das Einzelfälle wären und das nicht dem DHV anzulasten wäre. Nur besteht der DHV aus Einzelnen. Juroren, die mir nach Wettbewerbsbeiträgen wörtlich erklären, ich wüsste nicht, was Dur und Moll wäre, oder ich solle mal einen C1 Lehrgang besuchen, damit ich dirigieren lerne, oder man könne, als ich mit einem Kinderorchester spielte, mit zweichörigen Schüler-Akkordeons einen “schönen Cembalo-Klang erzeugen”, was ich versäumt hätte (drei Beispiele dreier Wettbewerbsbesuche), sind ebenso grenzwertig.

Mir ist klar, dass Sie gehofft hatten, dass das Kapitel für mich “abgeschlossen” wäre. War es auch: Die Hälfte des Orchesters bei dem Wettbewerb bestand aus meinen Schülern, die danach die Orchestermitgliedschaft kündigten und ich habe nach turbulenten, arbeitsintensiven, streitvollen und krankmachenden Jahren im Anschluss an diese Teilnahme das Engagement nach gut 10 Jahren verloren, weil man nun den Beleg hatte, dass ich nichts könne bzw. “ausgebrannt” wäre. Das kann man durchaus als “Abschluss” bezeichnen; vielen Dank. Und jetzt lassen Sie mich raten: Sie kommen mit dem Argument, dass das auch andere Gründe haben müsse, oder ähnlichem. Das nennt man selbsterfüllende Prophezeiung.

Mir den Wunsch anzubieten, nicht weiter eingeladen zu werden, zeigt deutlich, dass Sie nicht verstehen wollen, worum es geht. Diesen Eindruck habe ich nicht das erste Mal: Als ich offenbar am Ende vergeblich versuchte, für ein besonderes Festival-Ereignis des NDR in Niedersachsen Aufmerksamkeit beim DHV zu erzeugen und Ihnen den Link als Information schickte, bewerteten Sie unaufgefordert am Sinn der Veranstaltung und des Stücks vorbei die vermeintliche Qualität meines Arrangements und kritisierten den Sinn des Werkes. Dabei war das Werk genau so anzulegen, denn exakt das, was ich da getan hatte, war meine Aufgabe, um Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, der jüngste Teilnehmer des Auftritts war erst neun Jahre, Musik von Sofia Gubaidulina auf Orchester-Ebene erfahrbar zu machen. Ich finde, ich habe da etwas sehr Wertvolles in Zusammenarbeit mit Elsbeth Moser und den Solisten für den DHV hinsichtlich der Laienmusik geleistet! Unbemerkt vom DHV. Aber Ihnen war wichtiger, mir unbedingt klar zu machen, dass ich kein ernst zu nehmender Komponist oder Arrangeur sei.

Sie selbst erklärten mir, dass, wenn ich im DHV Erfolg haben wolle, ich einen Mentoren bräuchte. Wertvoller Hinweis. Wir beide sind exakt gleich alt. Suchen Sie noch als jugendlicher Newcomer Mentoren? Ich kann das nicht und konnte das nicht, denn ich hatte einen ziemlich steinigen und langen Weg bis zum Diplom. Aber Hamburg ist eben irgendwie nicht Trossingen, nicht wahr?

Es geht nicht darum, dass ich nicht zu Wettbewerben eingeladen werden möchte; Sie lassen meine Aussagen schon sehr routiniert abperlen, Kompliment! Wettbewerbe haben für mich nur eben keinen beruflichen Sinn mehr. Ich hatte sie für sinnvoll gehalten, um Orchester und Orchesterspieler aufzubauen, Gemeinschaft zu kreieren, Klangkörper zu formen undnatürlich als Werbung für mein berufliches Angebot. Das war ein schwerer Fehler! Sie haben mir geschadet und waren ein wesentlicher Grund, warum ich den Beruf aufgeben musste.

Ich kann den Beruf also nicht mehr ausüben. Da allerdings haben mir der DHV und die Wettbewerbs-Juroren sehr geholfen…

Ich habe vor diesem Hintergrund erhebliche Schwierigkeiten, die guten Wünsche als solche ernst zu nehmen. Das ist in meinen Augen verbandspolitisches Gerede ohne Inhalt. Tut mir leid. Ich kann da nach 43 Jahren im DHV keine Substanz mehr erkennen.

Klingt verbittert? Gut erkannt. Aber sagen Sie nicht, ich wäre der erste, dem das so ginge! Wir wissen alle um die grandios an die Wand gefahrenen Existenzen in der Akkordeon-Szene, oder?

Ich erwarte nichts mehr vom DHV und arbeite jetzt als Pädagoge im öffentlichen Dienst und nicht mehr als Instrumentallehrer und Orchesterleiter; wir können es also dabei belassen.

Alles Gute

Dietmar Steinhaus

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