Morgengedanken

5.45 Uhr, die Vorbereitung für den Unterrichtstag ist fertig, ich hänge in Gedanken meinem Gespräch mit einem Kollegen gestern nach: Für ihn sieht es genau so aus, wie für mich vor einem dreiviertel Jahr und wie für alle, die ich beobachte. Man hat keine Gelegenheit, gleichzeitig sein Niveau zu halten, einkömmlich zu arbeiten und ein schönes Privatleben zu führen. Das kann nur den wenigsten gelingen, der Rest von uns ist im Grunde Kanonenfutter in einer rücksichtslosen Szene, in der Beziehungen den Erfolg bestimmen.

Sogar Selbstverständlichkeiten hängen davon ab. Beispiel? Aber bitte: Ich fing 1993 an, Akkordeon-Orchester zu leiten und tue das seitdem kontinuierlich (in meiner erfolgreichsten Zeit vier Orchester und Ensembles). 2013 rechnete ich mit der routinemäßigen Ehrung des Dachverbandes. Die kam nicht. Also feierte ich mein Jubiläum mit meinem Orchester ein Jahr später nach.

Mir gegenüber wurde dann hartnäckig, als ehemaliger Bezirksvorsitzender weiß ich sicher, falsch behauptet, diese Ehrung gebe es für 25-jährige Orchesterleitung. Dieser Termin verstrich 2018.

Abgesehen davon, dass ich an die Aufrichtigkeit dieser Ehrung nicht mehr glauben würde, zeigt alleine das schon, wie die Verhältnisse in diesem Beruf sind.

Das war für mich der schönste Beruf der Welt. Er ist es noch. Aber zum Glück kann ich jetzt im zweit schönsten arbeiten.

5.55 Uhr: Aufbruch zur Arbeit.

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