Widerspruch von “Felix Hartmann”

Ich erhielt vor Kurzem einen Kommentar zu meiner Betriebsaufgabe und meiner Zwischenbilanz. Der Autor stellt sich als “Felix Hartmann”, angeblich Diplom-Musiklehrer, Akkordeon-Orchesterleiter und Kulturjournalist vor. Auf meine Antwort-Mail reagierte er nicht, ich kenne ihn nicht persönlich und konnte im Internet auch keine seine Identität verifizierenden Spuren entdecken.

Ich halte meine Entscheidung, meinen geliebten Beruf aufzugeben, für richtig und bereue sie nicht. Bereut hätte ich, wenn ich in dem Beruf, wie viele meiner Kollegen (Beispiele aus meinem direkten Umfeld: ein Lehrer, ein Kollege, mein Professor), finanziell und/oder gesundheitlich daran zugrunde gegangen wäre.

“Felix Hartmann” versucht einen Gegenentwurf zu meiner Entscheidung. Im Kern läuft dieser darauf hinaus, zu sagen, dass man sich für die gute Sache quasi aufopfern muss, sich an kleinen Erfolgen erfreuen soll und, wenn es nicht klappt, im Grunde auch selbst daran schuld ist. So naiv war ich in seinem angegebenen Alter auch noch, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich aus Naivität heraus oder anders motiviert geschrieben ist.

Heute sehe ich das nicht so. Ich sehe es so, dass Musiklehrer im freien Beruf insbesondere in Vereinen und den Dachverbänden nicht genügend Anerkennung und Respekt für ihre Leistung bekommen (eher im Gegenteil) und spreche damit keineswegs nur von mir. Beziehungen stehen in der Szene ganz weit oben, wenn man sozusagen etwas erreichen will. Somit ist der Beruf Akkordeon-Lehrer weitgehend ausgestorben und das liegt nicht an den Profis, die diesen Beruf ausüben oder ausgeübt haben.

“Felix Hartmanns” Kommentar ist lesenswert. Ich meine nicht, dass er meine Logik hinter meiner Entscheidung entkräftet oder der Vernunft dieser Entscheidung  erfolgreich widerspricht, aber ich möchte seinen Einwand auch nicht unter den Teppich kehren.

Ich bin absolut sicher, dass weitere Kolleginnen und Kollegen derzeit vor einer ähnlichen Entscheidung stehen wie ich letztes Jahr. Außerdem stehen viele junge Talente hoffnungsfroh vor der Entscheidung, ob sie Musik studieren sollten. Für diese Personen mag diese Debatte interessant sein (obwohl mir klar ist, dass ich nach meinem Rückzug aus der Szene nicht einmal die wenige Beachtung mehr bekomme, die ich mal hatte).

Aber mein Urteil ist klar: Wer aussteigen kann, sollte das tun; insbesondere aus der Akkordeon-Szene. Das Studium ist emotional und intellektuell bereichernd, wenn man das Zeug dazu hat und sich voll einbringt. Aber: Am Ende steht nur für die wenigsten Musiker ein hinreichendes Auskommen! Außerdem sieht die berufliche Realität so aus, dass man nur in absoluten Ausnahmefällen wieder an die Übezeiten herankommt, die man im Studium aufbrachte und es kaum möglich ist, sein Niveau zu halten. Wer arbeitet, um Geld zu verdienen, vielleicht eine Familie gründet, kann vom Üben und Spielen nicht leben und muss da zurückstecken. Das kann sehr frustrierend sein!

Und letztlich muss man sagen: Kein Verband und kein Verein gibt Rückhalt. Es zählen Beziehungen und Eigeninteressen.

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