Danke, Herr Kück

Heute, 17.3.2019, erzählte mir meine Schwester, dass Heinz-Gerhard Kück, ehemaliger Rektor der Wilhelm-Röpke-Schule Schwarmstedt, überraschend verstorben ist. Mich hat diese Nachricht tief erschüttert.

Ich besuchte die Wilhelm-Röpke-Schule in der damaligen Orientierungsstufe und der Hauptschule und muss sagen, dass ich ein problematischer Schüler mit großen Schwierigkeiten war. Nachdem die Situation für mich dramatisch eskaliert war, fand ich eine gewisse Konzentration auf den Unterricht und konnte mich für die damals erstmalig eingeführte 10. Klasse qualifizieren, um den Realschulabschluss zu erlangen.

Klassenlehrer der 10. Klasse Hauptschule war Herr Kück. Unmittelbar wurde Herr Kück für mich zu einem Vorbild: Herr Kück war humorvoll, ohne albern zu sein. Er war durch seine verlässliche Verbindlichkeit und klare Ordnung eine Autoritätsperson. Herr Kück beobachtete seine Schüler genau und gab ihnen immer verbal und nonverbal Rückmeldung über ihren Stand.

Als ich die Schule vor einigen Jahren das erste Mal nach meinem Realschulabschluss dort mit meinem Sohn besuchte, um ihm mal meine Schule zu zeigen, als wir auf dem Rückweg von einer meiner Proben durch Schwarmstedt fuhren, war Herr Kück Schulleiter aber nicht in der Schule.

Ich hätte ihm gerne gesagt, was ich jetzt hier hinschreibe:

Herr Kück war für mich das Idealbild eines Lehrers und ein menschliches Vorbild. Völlig gewaltfrei aber mit gesunder Autorität leitete er seine Klasse. Viele gute Erinnerungen meiner Schulzeit sind mit ihm verknüpft und werden es immer sein. Ich verdanke ihm nicht nur, dass ich den Realschulabschluss mit hervorragenden Noten erreichte, sondern auch meine Grundeinstellung zur Bildung. Ohne ihn hätte ich nicht versucht, das Abitur zu erlangen und ohne ihn hätte ich wohl auch nicht mit dem Lehramts-Studium angefangen und letztlich wohl auch nicht mein Diplom erlangt. Bei Herrn Kück und durch seinen Unterricht ist mir klar geworden, dass ich mehr erreichen konnte, als die Hauptschule gut abzuschließen.

Ich habe ihm das nie gesagt und werfe mir vor, keine Gelegenheit dazu geschaffen zu haben.

Danke, Herr Kück!

Widerspruch von “Felix Hartmann”

Ich erhielt vor Kurzem einen Kommentar zu meiner Betriebsaufgabe und meiner Zwischenbilanz. Der Autor stellt sich als “Felix Hartmann”, angeblich Diplom-Musiklehrer, Akkordeon-Orchesterleiter und Kulturjournalist vor. Auf meine Antwort-Mail reagierte er nicht, ich kenne ihn nicht persönlich und konnte im Internet auch keine seine Identität verifizierenden Spuren entdecken.

Ich halte meine Entscheidung, meinen geliebten Beruf aufzugeben, für richtig und bereue sie nicht. Bereut hätte ich, wenn ich in dem Beruf, wie viele meiner Kollegen (Beispiele aus meinem direkten Umfeld: ein Lehrer, ein Kollege, mein Professor), finanziell und/oder gesundheitlich daran zugrunde gegangen wäre.

“Felix Hartmann” versucht einen Gegenentwurf zu meiner Entscheidung. Im Kern läuft dieser darauf hinaus, zu sagen, dass man sich für die gute Sache quasi aufopfern muss, sich an kleinen Erfolgen erfreuen soll und, wenn es nicht klappt, im Grunde auch selbst daran schuld ist. So naiv war ich in seinem angegebenen Alter auch noch, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich aus Naivität heraus oder anders motiviert geschrieben ist.

Heute sehe ich das nicht so. Ich sehe es so, dass Musiklehrer im freien Beruf insbesondere in Vereinen und den Dachverbänden nicht genügend Anerkennung und Respekt für ihre Leistung bekommen (eher im Gegenteil) und spreche damit keineswegs nur von mir. Beziehungen stehen in der Szene ganz weit oben, wenn man sozusagen etwas erreichen will. Somit ist der Beruf Akkordeon-Lehrer weitgehend ausgestorben und das liegt nicht an den Profis, die diesen Beruf ausüben oder ausgeübt haben.

“Felix Hartmanns” Kommentar ist lesenswert. Ich meine nicht, dass er meine Logik hinter meiner Entscheidung entkräftet oder der Vernunft dieser Entscheidung  erfolgreich widerspricht, aber ich möchte seinen Einwand auch nicht unter den Teppich kehren.

Ich bin absolut sicher, dass weitere Kolleginnen und Kollegen derzeit vor einer ähnlichen Entscheidung stehen wie ich letztes Jahr. Außerdem stehen viele junge Talente hoffnungsfroh vor der Entscheidung, ob sie Musik studieren sollten. Für diese Personen mag diese Debatte interessant sein (obwohl mir klar ist, dass ich nach meinem Rückzug aus der Szene nicht einmal die wenige Beachtung mehr bekomme, die ich mal hatte).

Aber mein Urteil ist klar: Wer aussteigen kann, sollte das tun; insbesondere aus der Akkordeon-Szene. Das Studium ist emotional und intellektuell bereichernd, wenn man das Zeug dazu hat und sich voll einbringt. Aber: Am Ende steht nur für die wenigsten Musiker ein hinreichendes Auskommen! Außerdem sieht die berufliche Realität so aus, dass man nur in absoluten Ausnahmefällen wieder an die Übezeiten herankommt, die man im Studium aufbrachte und es kaum möglich ist, sein Niveau zu halten. Wer arbeitet, um Geld zu verdienen, vielleicht eine Familie gründet, kann vom Üben und Spielen nicht leben und muss da zurückstecken. Das kann sehr frustrierend sein!

Und letztlich muss man sagen: Kein Verband und kein Verein gibt Rückhalt. Es zählen Beziehungen und Eigeninteressen.