Matinee 2018

Matinee mit dem 1. Akkordeonorchester Winsen Aller

Am Sonntag, dem 2.9.2018, laden bei freiem Eintritt der Verkehrs- und Verschönerungsverein und der Akkordeon-Verein Winsen (Aller) zur jährlichen Matinee des Akkordeon-Orchesters in „Dat Groode Hus“ auf dem Museumshof, Brauckmanns Kerkstieg 10, 29308 Winsen (Aller) ein. Das Konzert beginnt um 11.00 Uhr.

Länder, in denen man oft Nordlichter beobachten kann, stehen am kommenden Wochenende auf dem Programm des Orchesters. Der erste Satz der „Nordischen Sonate“ zeichnet eine urwüchsige Landschaft mit aus ruhiger See schroff aufragenden Felsen, zerklüfteten Fjorden, dramatischen Wolkentürmen und stürmenden Wolkenfetzen. Während hier musikalische Aufregung herrscht und in einem anderen Stück der nordische Gott Thor wütend seinen Hammer schwingt, sorgen ein Abba-Medley und irische Musik aus „Lord Of The Dance“ für leichtherzige Stimmung. Die hymnische Musik der irischen Band „U2“ verbindet Drama mit Leichtigkeit und ist in einem Spezialarrangement für dieses Orchester zu hören. Im Norden ist es bei langen Nächten kalt: „Winter is coming!“ Das ist die unheilvolle Drohung der Roman-Folge und des Fernseh-Dramas „A Game Of Thrones“, dessen Titelmelodie grollend das wunderschöne, historische Zweiständer-Bauernhaus zum Beben bringen wird. Nordisch-deftige Kost wird sich mit musikalischen Sahnebonbons abwechseln und die Musikerinnen und Musiker des Akkordeon-Orchesters freuen sich nach intensiven Proben bei hochsommerlichen Temperaturen auf das Konzert mit zum großen Teil Bearbeitungen speziell für dieses Orchester.

Die Nordische Sonate von Gerhard Mohr ist ein dreisätziges Werk für Akkordeonorchester, von dem der 1. Satz vorgetragen wird. Nachdem das Akkordeon als Instrument voll entwickelt war, gab es, kriegsbedingt verzögert, starke Bemühungen, das Instrument in der ernsten Konzertmusik zu etablieren. Der im letzten Jahr verstorbene Akkordeon-Virtuose Dietmar Walther war eine der treibenden Personen dieser Bewegung, die in der heutigen Zeit bundesweit und insbesondere in Niedersachsen leider deutliche Zeichen des teilweise selbst verschuldeten Niedergangs zeigt. (Umso mehr freue ich mich über dieses Orchester hier in Winsen!) Walther knüpfte immer wieder Kontakte zu namhaften Komponisten und weckte bei ihnen Begeisterung gerade auch für den seinerzeit ganz jungen, ungewöhnlichen und viel belächelten Klangkörper Akkordeon-Orchester.

Gerhard Mohr (1901 – 1979) gehört zu diesen von Dietmar Walther inspirierten Komponisten. Mohr war in der gehobenen Unterhaltungsmusik zuhause und ihm gelang neben verschiedenen Orchester- und Ensemble-Werken mit dem langsamen Chanson „Bei zärtlicher Musik“ 1935 ein großer Erfolg. Mit der nordischen Sonate behandelt er das Akkordeon-Orchester ironiefrei als ernsthaften Klangkörper mit hohem künstlerischen und auch virtuosen Anspruch. Dabei verliert er das Publikum nicht aus dem Auge: Seine nationalromantisch geprägte Suite mit impressionistischen Effekten bietet reizvolle Melodien in einer dramatischen, spannungsreichen und bildhaft anschaulichen Bearbeitung.

Eine zarte, in einem Sinfonie-Orchester vermutlich von der Oboe oder der Flöte vorgetragenen Melodie versetzt uns in eine nordische Landschaft, in der Nebelschwaden in den Wipfeln von Kiefernwäldern und über Mooren hängen. Ohne langes Zögern baut Mohr musikalische Kontraste auf, die den Eindruck von schroff aufragenden Felsen, zerklüfteten Hochebenen, dramatisch aus dem Wasser ragenden Felswänden und Sturmgeschehen erwecken. Immer wieder kommt die Musik zur Ruhe, zeigt fast völlige Erschöpfung, um aus dieser Ruhe heraus erneut energisch hervorzubrechen. Gegen Ende des 1. Satzes hört man die Musik zweimal tief durchatmen, sich vollkommen verausgabt scheinbar endgültig zu beruhigen, nur um dann furios und in einem kurzen Anlauf dem Ende entgegen zu stürmen.

Ich freue mich auf das Musizieren mit diesem Orchester und wünsche Ihnen viel Freude an der Matinee!

Dietmar Steinhaus

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