Letztes Engagement als Profi

So. Das war er also. Mein letzter Auftrag und Auftritt als professioneller Musiker. Ich habe heute einen Kindergarten-Chor mit Kindern, die jetzt zur Schule kommen, bei ihrer Piraten-Revue musikalisch begleitet. Die Revue war wunderbar ausgearbeitet und mit viel Hingabe eingeübt, die Kinder haben ausgezeichnet geschauspielert und gesungen. Das war eine runde, schöne Sache.

Zu den vielen schönen Erinnerungen ist heute eine besondere dazu gekommen: Die Kinder wurden von der Kindergartenleiterin nach der Revue mit ihren Vor- und Piratennamen vorgestellt. Wie etwa „Alina, die Kluge“. Dann bedankte sie sich bei mir für die Begleitung und aus dem Kinderchor rief ein Junge: „Dietmar, der Witzige“.

Jetzt noch anderthalb Wochen Unterricht. Ein paar Schüler habe ich bereits zum letzten Mal gesehen und Tränen sind geflossen. Das wird schwierig. Ich habe diesen Beruf und meine Schüler wirklich geliebt. Ich habe auch mal durchgerechnet: Über 300 Schüler habe ich in meiner Zeit als freiberuflicher Musiklehrer unterrichtet (genauer kann ich das nicht berechnen, weil ich einige in Schulen oder Vereinen nicht unter eigenem Vertrag unterrichtete). Ein paar spielen in Akkordeon-Orchestern, wenige haben aus dem Hobby einen Beruf gemacht. 25 Jahre leite ich Akkordeon-Orchester, aber die Ehrung für 20 Jahre durch den Dachverband habe ich natürlich nicht erhalten (auch nicht erhalten habe ich eine Antwort auf meine Mitteilung, den Betrieb einzustellen). Aber jetzt ist das egal. Denn jetzt bin ich nicht mehr darauf angewiesen, als Profi wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Vom Hobby zum Beruf und jetzt eben wieder zurück.

Ende Juni ist die Vertragsunterzeichnung, den Juli nutze ich für Vorbereitungen auf die neue Aufgabe (die Ideen sprudeln bereits, ich muss jetzt nur sehen, was tatsächlich umsetzbar sein wird) und dann starte ich ab August mit einer Festanstellung in einen neuen Lebensabschnitt.

Was ich mit diesem Account machen werde, weiß ich noch nicht. Werbung für mich hat jetzt ja keinen Sinn mehr. So eine Art persönliches Internetdenkmal ist das vielleicht.

Mein Orchester in Winsen (Aller) werde ich weiter leiten, wenn und so lange es mich behalten will. Darüber hinaus gibt es keinen Plan.

Aber ein paar Dinge weiß ich sicher: Ich werde Freizeit haben. So richtig. Nicht halb, also mit dem Kopf immer im Betrieb, der Buchführung oder, was schlimmer ist, bei Vereinsleuten, die meinen, an mir herumzerren zu müssen. Ich werde nicht mehr alles in Betrieb und Ausbildung stecken. Noch ein paar Dinge mehr weiß ich, die ich aber hier nicht hinschreiben werde.

Und: Ich werde Freude an meinem neuen Beruf haben! Ganz sicher. So ärgerlich und traurig meine Betriebseinstellung für mich und für meine Schüler ist, muss ich sagen, dass die neue Stelle unter diesen Umständen das Beste ist, was mir passieren konnte

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